„Die Sterne scheinen günstig zu stehen“ – das Formel-1-Wunderkind nimmt die WM ins Visier
Mit einer um seine Schultern geschwungenen italienischen Fahne versuchte Kimi Antonelli im Fahrerlager von Miami, der Champagnerdusche seines Formel-1-Rennstalls zu entgehen. Der Teenager scheiterte dabei nach seinem historischen Grand-Prix-Hattrick, bei dem er im Stil eines abgebrühten Weltmeisterkandidaten an der Spitze dem Dauerdruck der Verfolger ansonsten standhielt. Neben seinem wieder schwerfälligen Start war der verpatzte Fluchtversuch eines der wenigen Dinge, die dem PS-Wunderkind in Florida misslangen.
Wo soll das bei dem erst 19 Jahre alten WM-Spitzenreiter bloß hinführen? „Das ist erst der Anfang“, kündigte Antonelli an, der Sebastian Vettel mit Abstand als jüngsten Weltmeister ablösen könnte. „Der Weg ist noch lang, aber wir arbeiten super hart, und das Team leistet unglaubliche Arbeit.“
Es gibt Zahlen, die belegen, wie besonders dieser Teenager aus Bologna ist. Antonelli ist der jüngste Fahrer, der eine Pole Position errungen hat. Antonelli ist auch der jüngste WM-Führende. Und Antonelli ist sogar der einzige Pilot in der Geschichte der Motorsport-Königsklasse, der seine ersten drei Rennen von seinen ersten drei Poles gewonnen hat. „Kimi, wieder ein Meisterwerk“, schwärmte der „Corriere della Sera“ in seiner Heimat Italien.
Was der Teamchef noch „rausklopfen“ will
Mercedes-Teamchef Toto Wolff hat Antonelli als erst Elfjährigen unter seine Fittiche genommen und seitdem als Mentor geführt. Dessen Leistung in Miami ist nochmal höher zu bewerten, weil ihm Lando Norris dank des üppigen Upgrade-Pakets bei McLaren bis zum Schluss im Nacken saß. Ein vorgezogener Boxenstopp ebnete Antonelli den Weg zum Grand-Prix-Erfolg.
„An der Spitze zu liegen, während jemand von hinten richtig Druck macht, diesem Druck standzuhalten und sich abzusetzen, das ist eine großartige Charaktereigenschaft, die er besitzt“, lobte Wolff. „Ich hoffe, er kann diesen positiven Trend fortsetzen. Das Wichtigste ist, sich nicht mitreißen zu lassen.“
Toto Wolff sieht noch VerbesserungspotenzialAntonelli weiß nur zu gut, dass er Defizite hat. Das unerlaubte Verlassen der Strecke zum Beispiel, das ihm im Sprint eine Strafe einbrachte. „Die Track Limits müssen wir ihm irgendwie rausklopfen“, meinte Wolff. Oder natürlich die Starts. „Diesmal war es gar nicht so schlecht. Ich habe zwei Positionen verloren, im Sprint waren es noch sechs, also ein bisschen besser. Aber es ist natürlich inakzeptabel“, sagte Antonelli. „Ich bin da immer noch etwas zu wechselhaft, vor allem beim schnellen Loslassen der Kupplung.“
Sein Boss Wolff fand die Starts auch „gar nicht gut. Das geht auch nicht, wenn du eine WM gewinnen willst. Dann musst du bei den Starts gut wegkommen.“ Das gehe aber aufs Team, nicht auf den Fahrer. „Das müssen wir in den Griff kriegen. Dem haben wir jetzt schon viel zu lange zugeschaut.“
Upgrades kommen erst noch
Dass Mercedes alle vier bisherigen Grand Prix gewonnen hat, ist umso höher einzuschätzen, da die Silberpfeile in den USA nur kleinere Verbesserungen für ihre Autos im Gepäck hatten. Die Upgrades, die für Zehntelvorteile sorgen sollen, sind erst für das nächste Rennen in drei Wochen in Kanada vorgesehen.
„Jetzt müssen wir schauen, dass es auch funktioniert. Auf dem Papier ist es immer leicht zu sagen, man sei jetzt drei oder vier Zehntel schneller. Aber dann muss es auf der Bahn oder auf der Stoppuhr auch so aussehen“, sagte Wolff. Im atemlosen Entwicklungsrennen der Formel 1 können Dinge auch schnell in die verkehrte Richtung laufen.
Erst mal genießt Antonelli aber sein Hoch. Er sei „nicht mehr nur die schöne Überraschung des Saisonstarts. Er ist ein ernstzunehmender Anwärter auf den Titel“, meinte „L'Équipe“ in Frankreich. Der Erfolg in Miami „könnte ein Vorbote dessen sein, was noch kommen wird“, orakelte die englische „Daily Mail“.
Was Antonellis Ziel sein muss? Die WM. Ganz klar. „Der Weg ist noch weit, aber er hat gezeigt, dass er auch mit schwierigen Situationen umgehen kann“, sagt Antonellis Vater Marco. Ohne ein „vernünftiges Auto“ seien solche Leistungen aber natürlich nicht möglich. Sei's drum. „Die Sterne scheinen günstig zu stehen“, ergänzte Papa Antonelli und lächelte.
Mit 100 Punkten immerhin führt Sohn Kimi die Fahrerwertung aktuell an. Dahinter liegen George Russell (80 Zähler) und Charles Leclerc (59).
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