Als am Samstag in Frankfurt der Abpfiff ertönte, wurde es laut. Im Auswärtsblock feierten erst einmal die 6000 mitgereisten Fans des HSV, ehe dieser Jubel von einem Pfeifkonzert des Eintracht-Anhangs überlagert wurde. Die Fans machten ihren Unmut ob des 1:2 (0:0) Luft, das die Frankfurter gegen die zuvor in sechs Spielen sieglosen Hamburger kassiert hatten.

Gut möglich, dass es aber nicht nur eine Reaktion auf die Niederlage war, sondern auch eine auf die Gesamtsituation, die viele Anhänger fassungslos macht. Mitte der zweiten Halbzeit hatten die Ultras den Support bereits eingestellt. Bei den Hessen, die möglicherweise erstmals seit 2020 die Teilnahme am internationalen Geschäft verpassen, rumort es gewaltig.

So bestimmte im Vorfeld des Spiels die denkwürdige Wutrede von Frankfurts Trainer Albert Riera auf der Pressekonferenz am Freitag die Schlagzeilen. Als „totalen Bullshit“ bezeichnete der Spanier, der im Januar auf Dino Toppmöller gefolgt war, die Medienberichte über einen angeblichen Zwist mit Nationalspieler Jonathan Burkardt. Riera soll demnach ein Problem mit den vermeintlich hohen Körperfettwerten des Stürmers gehabt haben. Er soll aber nicht persönlich mit Burkardt darüber gesprochen, sondern Co-Trainer Jan Fießer vorgeschickt haben.

„Frag dich, ob du den Klub liebst oder dich selbst“

Außerdem holte Riera zu einer großen Medienschelte bei der sechsminütigen Rede aus. „Etwas zu schreiben, ist euer Job, aber ich akzeptiere keine Lügen. Ich bin keine Marionette. Ich bin Trainer. Ich verlange Respekt. Die Fans verdienen, die Wahrheit zu hören“, hatte der 44-Jährige geäußert – und im Nachgang der Pressekonferenz nach Angaben der „Bild“ noch einem Reporter entgegnet: „Ask yourself, if you love this club or yourself.“ (zu Deutsch: „Frag dich, ob du den Klub liebst oder dich selbst.“).

Angesprochen auf die Worte Rieras gegenüber dem Reporter hatte Markus Krösche, Sportvorstand der Frankfurter, vor dem Anpfiff gegenüber „Sky“ gesagt: „Das ist nicht deren Aufgabe. Am Ende sind es Journalisten. Sie haben ihren Job zu tun und sollen ihre Meinung schreiben. Das ist völlig in Ordnung. In dem Moment war es vielleicht nicht unbedingt glücklich, aber auch nicht böse.“ Krösche bezeichnete den Coach, der einen Vertrag bis 2028 besitzt, als eine sehr starke Persönlichkeit. Er habe eine Klarheit und das gesagt, „was er denkt. Ehrlicherweise war das keine Wutrede. Er hat das, was in seinem Herzen war, und das, was ihn gestört hat, gesagt.“

Da war noch alles in Ordnung: Can Uzun (r.), der das 1:0 für Frankfurt erzielte, wird von Nathaniel Brown gefeiert

Dennoch hallen die Worte nach – und sorgen für Gesprächsstoff, zumal es sportlich nicht rund läuft. Die Bundesliga-Bilanz von Riera ist nun nur ausgeglichen (vier Siege, vier Remis, vier Niederlagen). Im Schnitt holte die SGE mit dem Spanier weniger Punkte pro Spiel als unter Vorgänger Toppmöller in dieser Saison. Das 1:2 gegen den HSV war bereits die sechste Heimniederlage.

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„Heute ist der Trainer kein Thema“, sagte Krösche nach dem Spiel. Inwieweit der 44-Jährige aber in den kommenden Tagen beim Fußball-Bundesligisten zur Debatte steht, dazu äußerte sich Krösche nicht. „Am Ende geht es letztendlich um die Leistung der Mannschaft und da muss man sagen: Das ist es diese Saison gerade in solchen wichtigen Spielen nicht ausreichend.“

„Wir müssen abliefern und das ausblenden“, sagt Verteidiger Koch

Die Fans hätten zu Recht gepfiffen und wären auch zu Recht unzufrieden, sagte Frankfurts Verteidiger Robin Koch: „Wir hätten gewinnen müssen.“ Als er auf die Unruhe ob der Pressekonferenz von Trainer Riera angesprochen wurde, sagte Koch gegenüber „DAZN“: „Natürlich bekommst du das mit, aber es ist unser Job auf dem Platz zu liefern und das auszublenden.“ Torschütze Uzun sagte, dass die Niederlage nichts mit dem Trainer zu tun habe.

Der Coach selbst betonte nach dem Spiel, dass man nach wie vor die Chance habe, sein Saisonziel zu erreichen. „Ich kann keine Siege versprechen, aber ich kann versprechen, dass alle Spieler alles geben werden“, sagte Riera bei „DAZN“. Vor der Partie hatte er zu seiner Wutrede gesagt: „Ich möchte nicht weniger oder mehr respektiert werden, sondern einfach so wie alle anderen Bundesliga-Trainer.“

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