„Da sind wir der Formel 1 einfach einen Schritt voraus“
Die Formel E startet am Wochenende in Berlin, die Rennen finden auf dem Tempelhofer Feld statt. Pascal Wehrlein geht in seinem Porsche als WM-Führender in das Heimrennen. Hier spricht der 31-Jährige über seine Titel-Mission und die Regeländerungen in der Königsklasse des Motorsports
WELT: Herr Wehrlein, die Saison verläuft bislang perfekt für Sie, oder?
Pascal Wehrlein: Wir sind sehr gut in die Saison gestartet, waren bei jedem Rennen in den Punkten, hatten ein paar Podiumsplätze und Pole-Positions. Und wir führen die Meisterschaft in jeder Wertung an.
WELT: Ihre Mission ist klar, das hatten Sie vor der Saison betont: Sie wollen wieder Weltmeister in der Fahrerwertung werden, nachdem die Titelverteidigung im vergangenen Jahr nicht geklappt hat. Sind Sie auf Weltmeisterkurs?
Wehrlein: Auf Kurs, ja (lacht). Definitiv. Wir sind dort, wo wir sein wollen. Aber: Die Konkurrenz ist stark. Wir müssen aus jedem Rennen das Beste herausholen. Wenn wir das schaffen, haben wir ein Wort mitzureden, wenn es um die Titel geht.
Aufnahme aus 2025: Das Formel-E-Rennen in Berlin-TempelhofWELT: Nissan-Pilot Oliver Rowland hatte in der vergangenen Saison bereits vor dem Finale in London den Titel gefeiert, war nach dem vorletzten E-Prix der Saison in Berlin nicht mehr einzuholen. Seine Dominanz scheint sich in diesem Jahr nicht fortzusetzen. Woran könnte das liegen?
Wehrlein: Ich glaube, das ist eine Entwicklung, die normal ist im Motorsport. Anfang und Mitte des Jahres hatten sie einen kleinen Vorteil, sind besser mit der neuen Reifenmischung und dem Allradantrieb und Pit Boost zurechtgekommen. Dort haben wir überall Schritte nach vorn gemacht und die Lücke geschlossen.
WELT: In Berlin nahm Ihnen Rowland sozusagen die Krone weg. Mit welchen Gefühlen reisen Sie an?
Wehrlein: Die letzte Saison ist für mich abgeschlossen. Ich gehe mit extrem positiven Gefühlen in die Berlin-Rennen. Es wird ein sehr wichtiges Wochenende für mich, denn es ist unser Heimrennen. Heißt: Ich habe viel Unterstützung von der Familie, aber auch vom gesamten Porsche-Team. Wir hoffen natürlich auch auf starke Unterstützung von den Fans. Ich habe in Berlin noch nie ein Rennen gewonnen – und das möchte ich auf jeden Fall ändern.
WELT: Aktuell gibt es eine große Diskussion um die Regeländerungen der Formel 1. Bisher kamen 800–850 PS durch den Verbrenner, 160 PS durch den Elektro-Antrieb. Jetzt wird es nahezu gleich aufgeteilt, Energiemanagement gehört ab jetzt dazu. Laut Max Verstappen ist das „wie Formel E auf Steroiden“. Was sagen Sie dazu?
Wehrlein: Die Entwicklung der Formel 1 ist sehr interessant zu beobachten. Das gibt uns natürlich umso mehr Relevanz. Sehr viele unserer Ingenieure sind in der Formel 1 sehr gefragt, viele Formel-E-Fahrer machen dort Entwicklungs- und Simulatorarbeit. Das, was für uns normal ist und was wir in den letzten Jahren perfektioniert haben – die Effizienz, wie man die Energie richtig einsetzt –, da sind wir der Formel 1 einfach einen Schritt voraus. Man sieht, wie die Teams mit Problemen kämpfen, die wir schon sehr lange im Griff haben.
WELT: Formel-E-Mitbegründer Alberto Longo sagte zuletzt, die Formel 1 rücke der Formel E immer mehr auf die Pelle. Sehen Sie das anders?
Wehrlein: Die Formel 1 entwickelt sich nicht zur Formel E, sondern hin zur Zukunft der Mobilität. Es sind aber zwei ganz unterschiedliche Serien mit unterschiedlichen Konzepten. Und die Formel E ist das, was sie schon immer war: voll elektrisch.
WELT: Stört Sie der Spruch von Verstappen?
Wehrlein: Ich für meinen Teil interessiere mich nicht für solche Vergleiche. Wir machen einfach so gut wie möglich unseren Job.
WELT: Der Start für das GEN4-Auto mit 816 PS ist aktuell weiter im Fokus. Vergangene Woche wurden im französischen Le Castellet die neuen Wagen vorgestellt, Porsche präsentierte den 975 RSE. Freuen Sie sich auf die neue Ära?
Wehrlein: Die Vorfreude ist sehr groß. Die Autos sind so viel schneller, es ist eine ganz andere Maschine. Fans können wirklich gespannt sein. Wir haben aktuell natürlich viel zu tun. Es geht vom GEN4-Test zurück in den Simulator und dann zum Rennen. Das ist eine intensive Zeit.
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