Für Bundesliga-Profi Eren Dinkçi ist Fußball derzeit nicht das Allerwichtigste, er bangt um seine Freundin Cinja. Denn die Partnerin des 24-Jährigen ist an akuter lymphatischer Leukämie erkrankt. „Von einem Moment auf den anderen steht alles still und gleichzeitig beginnt ein Weg, den man sich so nie hätte vorstellen können“, sagten beide in einer gemeinsamen Mitteilung des SC Freiburg und des 1. FC Heidenheim.

Ärzte hatten bei ihr Ende Januar Blutkrebs festgestellt, Leukämie ist dabei die häufigste Form. In Deutschland erhält alle zwölf Minuten ein Mensch diese Diagnose. Für viele Betroffene ist eine Stammzellspende die letzte Chance auf ein Überleben, so vielleicht auch für Cinja. Da in der Familie aber kein passender Spender gefunden wurde, haben beide Klubs nun gemeinsam mit der DKMS (Deutsche Knochenmarkspenderdatei) zu kostenlosen Registrierungsaktionen aufgerufen.

Dinkçi, der vom SC Freiburg noch bis zum Saisonende an die Heidenheimer ausgeliehen ist, will mit seiner Freundin Aufmerksamkeit für das Thema Stammzellspende schaffen. „Gerade in solchen Momenten wird einem bewusst, wie wertvoll jede einzelne Registrierung ist. Sie kann den entscheidenden Unterschied zwischen Hoffnung und Ungewissheit machen“, sagte das Paar.

Die erste findet am Sonntag vor dem Spiel in Freiburg statt (15.30 Uhr, im Sport-Ticker der WELT), in Heidenheim folgt dann am 25. April vor dem Duell mit dem FC St. Pauli noch eine weitere. Auch online ist eine Registrierung möglich.

Frage: Herr Dinkçi, wann und wie kam der Entschluss, mit der Erkrankung Ihrer Partnerin an die Öffentlichkeit zu gehen?

Eren Dinkçi: Ich glaube, man sollte dieses Thema einfach groß machen. Ich habe durch meinen Job das Privileg, viele Menschen zu erreichen – gerade in dieser riesigen Fußball-Community. Das ist nicht nur für meine Partnerin, sondern für alle Menschen, die es brauchen. Wir konnten schon sehr viele Registrierungen generieren und hoffen, dass durch die Spieltage noch mehr dazukommen. Meine Partnerin hatte große Angst, dass dumme Kommentare kommen. Das ist ja leider oft so auf Social Media. Aber genau das ist nicht passiert. Ich habe nicht eine einzige negative Nachricht bekommen – nur Genesungswünsche, Kraft und Energie.

Frage: Wie geht es Ihrer Partnerin aktuell?

Dinkçi: Den Umständen entsprechend geht es ihr gut. Sie ist relativ fit, sehr positiv – und gibt uns allen so viel Energie. Eigentlich müssten wir ihr die Energie geben, aber sie macht das wirklich richtig, richtig stark. Sie ist aktuell zu Hause mit ihrem Stiefvater und wird ambulant behandelt. Da ist immer jemand da – wie ein Wechsel im Fußball: Einer geht, der nächste kommt. Dieses Gefühl hilft uns enorm. In ungefähr zwei Wochen geht es dann wieder ins Universitätsklinikum nach Freiburg, wo die stationäre Behandlung fortgesetzt wird.

Frage: Was hat Sie nach der Veröffentlichung besonders bewegt?

Dinkçi: Wie viele Menschen sich gemeldet haben. Ich muss mich wirklich bei jedem Einzelnen bedanken, der das geteilt hat. Und was mich besonders berührt hat: Wie viele aus der Fußballwelt sich gemeldet haben – Spieler, mit denen ich zusammengespielt habe oder die ich einfach kenne. Alle haben es weiterverbreitet. Dieses Geschäft wird oft als hart beschrieben, aber in solchen Momenten merkt man: Die Fußballfamilie hält zusammen.

Frage: Wie haben Sie den Moment erlebt, als die Diagnose kam?

Dinkçi: Es war ein Riesenschock. Ich war der Erste, der davon wusste. Mir wurde am Telefon schon gesagt, dass Leukämie vermutet wird. Ich habe mich nicht getraut, es ihr direkt zu sagen. Als es sich dann bestätigt hat, waren wir natürlich komplett schockiert. Das war ein Scheißtag. Ich habe auch gar nicht mehr so viele Erinnerungen daran. Ich weiß nur noch, dass ich den Trainer heulend angerufen habe, um ein paar Tage bei ihr bleiben zu können und frei zu bekommen.

Frage: Woher nehmen Sie aktuell die Kraft, mit dieser Situation umzugehen?

Dinkçi: Der Fußball hilft mir, das ist mein Anker geworden. Im Spiel nehme ich mir vor, 90 Minuten alles zu geben – auch für sie. Am Anfang war es extrem schwer, da fällt man schon in ein Loch. Aber mittlerweile hilft es mir, mich da ein Stück weit rauszuziehen und den Kopf frei zu bekommen. Und ich bin ein gläubiger Mensch – das gibt mir zusätzlich Kraft in dieser Zeit. Und dazu kommt: Ich weiß es jetzt einfach viel mehr zu schätzen, dass ich auf dem Platz stehen und Fußball spielen darf. Menschen, die krank sind, können das nicht.

Frage: Gibt es trotz allem Momente, in denen Sie gemeinsam Kraft tanken können?

Dinkçi: Natürlich ist das Thema immer im Kopf. Aber wir hatten jetzt gerade auch zwei Tage zusammen. Wir konnten spazieren gehen, einkaufen – einfach mal normale Dinge machen. Dafür sind wir extrem dankbar, weil uns eigentlich gesagt wurde, dass sie länger im Krankenhaus bleiben muss. Diese Momente sind dann noch einmal viel mehr wert.

Frage: Was möchten Sie Menschen sagen, die überlegen, sich als Stammzellspender registrieren zu lassen?

Dinkçi: Ich würde niemanden zwingen. Aber wenn es im eigenen Umfeld passiert, würde jeder alles tun, um zu helfen. Es geht nicht nur um meine Partnerin, sondern um so viele Menschen, die darauf warten. Egal welche Blutgruppe – jeder sollte sich informieren und registrieren. Wenn man sieht, wie viele Menschen betroffen sind, merkt man, wie wichtig dieses Thema ist.

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Dieses Interview wurde für das Sportkompetenzcenter (WELT, BILD, SPORTBILD) geführt und erschien zuerst in BILD.

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