Die Kosten für einen Besuch der Fußball-WM im Sommer sind nur von Besserverdienern zu stemmen, das sickert nun immer mehr durch. Ticketpreise weit jenseits der 1000er-Grenze sind ja mittlerweile die Regel. Die Fifa setzt bei der WM auf ein dynamisches Preismodell, Kartenpreise können sich mehrfach ändern. So kosteten etwa Anfang April einfache Tickets für das Eröffnungsspiel von Mexiko gegen Südafrika am 11. Juli in Mexiko-Stadt 2985 Dollar (2590 Euro). Für die Eröffnungspartie der USA am 12. Juni in Los Angeles, der Gegner heißt Paraguay, sind die Karten ganz hinten im Oberrang ab 1940 Dollar (1646 Euro) zu haben.

Nun aber wurde publik, was als vorläufige Wahnwitz-Spitze der galoppierenden Preise gilt: eine Zugfahrt von Manhatten in New York ins MetLife Stadium der New York Giants und New York Jets – und eben ab Juni eine der 16 WM-Arenen. 20 Minuten Platz nehmen, wenn man denn einen abbekommt, normalerweise hin und zurück lediglich 12,90 Dollar teuer.

„The Athletic“, das Sportportal der „New York Times“, enthüllte nun aber die Pläne der Betreibergesellschaft New Jersey Transit. Demnach wird der Trip von der Penn Station zur Arena in New Jersey mindestens 100 Dollar kosten. Eine endgültige Entscheidung über die Preise werde demnach in den nächsten Tagen erwartet. Der Verkehrsbetrieb New Jersey Transit wollte sich auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP zunächst nicht äußern.

„Furchtbar hoch“ für eine kurze Zugfahrt, sagt die Gouverneurin

Acht WM-Duelle werden im 80.000 Zuschauer fassenden MetLife Stadium ausgetragen, darunter das Finale. Die deutsche Nationalmannschaft spielt mindestens einmal in der Arena, in der Vorrundengruppe E geht es am 25. Juni gegen Ecuador.

Der Preisirrsinn ruft nun die Politik auf den Plan, etwa die Gouverneurin des Bundesstaates New York, Kathy Hochul. Die WM sollte „so erschwinglich und zugänglich wie möglich“ sein, schrieb sie auf X. Ein Ticketpreis von über 100 Dollar für eine kurze Zugfahrt erscheine ihr „furchtbar hoch“.

Die Pennsylvania Station, in New York einfach Penn Station genannt, ist der wichtigste Fernbahnhof der Metropole. An jedem Wochentag werden mehr als 600.000 Fahrgäste befördert

Als höchstrangiger US-Volksvertreter ergriff unterdessen Chuck Schumer das Wort. Der Minderheitsführer der Demokraten im Senat schrieb auf X: „Die Fifa wird bei der WM fast elf Milliarden Dollar einnehmen, doch Pendler und Anwohner in der Region New York sollen die Rechnung bezahlen.“ Es sei das Mindeste, dass der Verband sicherstelle, dass Fans ohne „überhöhte Preise“ ins Stadion gelangen könnten. „Ich fordere die Fifa auf, die Transportkosten für die Austragungsstädte und -staaten zu übernehmen“, postulierte der 75-Jährige.

Die Kosten für die Verbindungen zu den acht Spielen im MetLife Stadium sollen sich auf rund 48 Millionen Dollar belaufen. Und New Jerseys neue Gouverneurin Mikie Sherrill hat sehr deutlich gemacht, dass die Einheimischen nicht für die Betriebskosten der Austragung dieser Spiele aufkommen sollen.

225 Dollar für einen Parkplatz

Doch wie dem entkommen? Kaum möglich. Partien dort bei der WM sind jedenfalls sehr speziell, für das MetLife Stadium gelten besondere Bedingungen: Es wird quasi zur Festung gegen Mobilität per Auto. Einem Bericht des TV-Senders „News 12 New Jersey“ zufolge bereiten sich das Verkehrsministerium von New Jersey und die Turnpike Authority nach Geheiß der Fifa auf ein komplett autofreies Erlebnis vor Ort vor. Während des Turniers wird es auf der riesigen Asphaltfläche vor dem Stadion keine Parkplätze geben. Nur im benachbarten Einkaufszentrum „American Dream“ sind welche zu haben. Kostenpunkt: 225 Dollar pro Spiel, für das Finale sind allerdings bereits alle verkauft worden.

Platz genug wäre da, aber die Fifa hat andere Pläne

Weil zu allem Übel drei der acht im MetLife geplanten Spiele an Wochentagen stattfinden, fordern die Verkehrsbehörden die Einheimischen bereits auf, an Spieltagen von zu Hause aus zu arbeiten, um den Gleisbetrieb zu entlasten – und die zu erwartenden Fanströme im normalen Pendlerverkehr der Berufstätigen nicht zum Logistikchaos werden zu lassen.

Denn New Jersey Transit plant, auch die Penn Station in eine temporäre Wagenburg zu verwandeln. Vier Stunden vor Anpfiff dürfen nur WM-Ticketinhaber den Transit-Bereich des Bahnhofs betreten. Regelmäßige Pendler, die nach Jersey nach Hause fahren, müssen sich eine andere Möglichkeit suchen oder abwarten, während die Fans in strengen Zeitfenstern in die Züge geleitet werden sollen.

Selbst wer das Ganze umgehen will, kommt nicht eben billiger dabei weg. Der Sender Fox Business berichtet, dass sich auch die Preise für einfache Motels vervielfacht hätten. So würde ein Zimmer in einem einfachen Motel in der Nähe des Stadions normalerweise für 175 Dollar zu haben sein, an einem WM-Spieltag aber würde es inzwischen für über 400 Dollar angeboten.

Auch in Boston sorgt das Thema Transportkosten für Diskussionen: Anfang des Monats hatte der Betreiber des öffentlichen Personennahverkehrs in Boston und Umgebung mitgeteilt, dass der Fahrkartenpreis von 20 Dollar für NFL-Spiele der New England Patriots auf 80 Dollar bei der WM steigen werde. Ein Sitzplatz im Shuttlebus zum rund 43 Kilometer entfernten WM-Stadion in Foxborough soll 95 Dollar für die Hin- und Rückfahrt kosten.

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