Sensation in Stockholm – Deutscher Abiturient (19) schwimmt Europarekord
Schon zu Beginn der Swim Open in Stockholm hatte Johannes Liebmann für Jubel und Staunen gesorgt, am Ende aber, am letzten Wettkampftag setzte er noch einen drauf und lieferte das bisherige Meisterstück seiner Karriere ab: Der junge Mann vom SC Magdeburg, im März erst 19 Jahre alt geworden, schwamm über 800 Meter Freistil in 7:37,94 Minuten Europarekord.
Auch über 400 und vor allem über 1500 Meter Freistil hatte Liebmann in Stockholm brilliert und dürfte nun fortan auch bei der internationalen Konkurrenz auf dem Zettel stehen. Spätestens seit diesem Wettbewerb in Stockholm steht fest: Deutschland hat einen neuen Hoffnungsträger im Schwimmbecken. Einen, der schon im Juniorenbereich für Aufmerksamkeit sorgte, der noch jung ist und der gerade erst eine große Trainingsumstellung hinter sich hat. Einen, der nun national den Konkurrenzkampf der immens starken deutschen Mittel- und Langstreckenschwimmer befeuert. Und das, obwohl Liebmann mitten in den Abiturprüfungen steckt.
„Die Zeiten beim Training in der Höhe waren sehr gut, deswegen hatte ich ein gutes Gefühl“, erzählte er in Stockholm. „Aber dass es so schnell wird, habe ich nicht erwartet.“
Seine Gala-Vorstellungen in Schweden hatte er mit den 400 Meter Freistil begonnen – jener Strecke, über die Olympiasieger Lukas Märtens im vergangenen Jahr in Stockholm Weltrekord geschwommen war und sich im Sommer dann zum Weltmeister gekrönt hatte. In Abwesenheit von Märtens, der seinen Start nach einer Erkältung abgesagt hatte, siegte Oliver Klemet, Olympia-Zweiter von Paris im Freiwasser, in 3:43,14 Minuten. Liebmann schlug als Zweiter an (3:44,59). Der 19-Jährige hatte schon im Vorlauf in 3:46,84 Minuten den deutschen Jahrgangsrekord von Märtens verbessert und seine neue Marke im Finale dann noch weiter nach oben geschraubt.
Wellbrock-Rekord geknackt
Als Nächstes setzte er ein Ausrufezeichen über die längste Strecke im Becken: Sieg über 1500 Meter in 14:39,67 Minuten vor Klemet (14:41,71) und Wellbrock (15:15,79), der sich aktuell auf das Freiwasser konzentriert. Vor allem die Zeit von Liebmann dürfte sich international schnell herumgesprochen haben, denn damit katapultierte er sich an die Spitze der Weltjahresbestenliste. Gewiss, die Saison ist noch jung und dieses Ranking aktuell nicht überzubewerten, aber zum Vergleich: Bei der WM 2025 hätte dies Platz vier bedeutet.
Auf dem Weg zu neuen Bestzeiten: Johannes LiebmannMit seiner Siegerzeit stellt Liebmann zudem einen deutschen Jahrgangsrekord für 19-Jährige auf – zuvor gehalten von Florian Wellbrock. Liebmann verbesserte dessen Marke jetzt um beeindruckende 15 Sekunden.
Im harten internen Qualifikationsranking der deutschen Schwimmer für die Europameisterschaften in Paris (31. Juli – 16. August) steht er über diese Strecke nun an eins. Sven Schwarz, der WM-Zweite des Vorjahres, steigt erst bei den Berlin Swim Open am kommenden Wochenende in die Wettkämpfe an. Danach folgen bereits die Deutschen Meisterschaften in Berlin (23. bis 26. April).
Und dann kamen am Sonntag die 800 Meter. In 7:37,94 Minuten blieb Liebmann knapp unter dem bisherigen Europarekord von Schwarz (7:38,12), den dieser erst im vergangenen Jahr aufgestellt hatte. Auch Schwarz ist mit seinen 24 Jahren noch jung. Bei den Olympischen Spielen 2024 war der Mann von den Wassersportfreunden 98 Hannover Fünfter über 800 Meter Freistil geworden, bei der WM 2025 gelang ihm dann mit zweimal Silber der endgültige Durchbruch.
Ansporn durch Weltklasse-Trainingsgruppe
Wer aber ist Liebmann, woher kommt er? Ein Unbekannter ist der gebürtige Elmshorner unter Schwimm-Experten keineswegs, immerhin gewann er 2024 und 2025 mehrere Medaillen bei Junioren-Europameisterschaften. Diese Saison nun ist seine erste im Elitebereich. Bei den Kurzbahneuropameisterschaften im Dezember trumpfte er bereits als Vierter über 400 Meter und 800 Meter Freistil auf – jeweils mit Junioren-Weltrekord.
Vorausgegangen war dem – nach starken Leistungen im Jahrgangsbereich – ein Wechsel im Sommer 2023 von seiner Heimat und dem dortigen Verein EMTV ins Sportinternat nach Magdeburg. Seit einem Jahr schwimmt er dort nun auch in der Gruppe von Erfolgstrainer Bernd Berkhahn, der früher viele Jahre in Elmshorn gearbeitet hatte, bevor er nach Magdeburg ging und dann auch Bundestrainer wurde.
Der Trainingsalltag mit den Topleuten war eine Umstellung für Liebmann. „Die ersten Monate waren auch hart, weil alle anderen noch zu schnell waren für mich“, erzählt der 19-Jährige, der nun unter anderem mit Märtens, Wellbrock und Klemet trainiert. „Aber ich habe immer versucht, dranzubleiben. In den letzten Monaten ging es dann immer besser, ich konnte immer öfter mithalten, und in den letzten Wochen waren wir dann auf dem gleichen Level, würde ich sagen.“
Dass die Magdeburger Trainingsgruppe sich gegenseitig pusht, ist seit Jahren ein wichtiger Erfolgsbaustein. Und Liebmann ist ja gerade erst dabei. „Es gibt mir einfach ein großartiges Gefühl“, sagt er nach den Erfolgen in Stockholm, „mit Oliver, Flo und all den großen Namen mitschwimmen zu können.“
Nationale Weltklasse
Da wären nun also: Lukas Märtens, 24, Weltmeister, Weltrekordhalter und Olympiasieger über 400 Meter Freistil. Auch auf den 200 Metern sehr stark, ebenso auf den 800. Sven Schwarz, auch 24, WM-Zweiter über 800 und 1500. Oliver Klemet, ebenfalls 24, Olympia-Zweiter im Freiwasser, auch stark im Becken. Sowie Florian Wellbrock, 28, Olympiasieger 2021, siebenmaliger Freiwasser-Weltmeister sowie im Becken über die 1500 Meter mit allen Medaillenfarben bei einer WM dekoriert.
Die interne Konkurrenz in Deutschland ist damit extrem stark – und genau das sind beste Voraussetzungen für den Kampf um internationale Medaillen. Vorher aber, und sogar noch vor den Deutschen Meisterschaften, stehen für Liebmann jetzt die ersten Abiturprüfungen an.
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