Dienstagabend im großen Festsaal der Handwerkskammer: Auf Einladung des Bundes der Steuerzahler debattieren Olympiabefürworter und Olympiagegner – jeweils bezogen auf eine Bewerbung Hamburgs als Ausrichterstadt – über Kosten, Konzept und Konsequenzen einer erfolgreichen Kandidatur. Am Ende stimmt das Publikum mit roten und grünen Karten ab, ausgezählt wird nicht, die Zahl der ablehnenden Voten liegt leicht über der Zahl der Zustimmung.

Einige der gut 100 Teilnehmer im Publikum halten dann noch eine blaue Karte hoch. Sie sind unentschlossen – und um deren Gunst dürfte es in den kommenden Wochen bis zum Referendum am 31. Mai gehen, wie am Morgen danach auch eine repräsentative NDR-Umfrage zeigt.

Gut zwei Monate vor dem Olympia-Referendum sieht demnach eine Mehrheit der Hamburgerinnen und Hamburger eine Bewerbung ihrer Stadt als Austragungsort für die Spiele laut einer Umfrage skeptisch – anders als in den Mitbewerberstädten und -regionen. Bei der repräsentativen Umfrage des Instituts Infratest dimap im Auftrag des NDR gaben 50 Prozent Befragten auf die Frage, ob sie die Olympiabewerbung Hamburgs eher gut oder eher schlecht finden, „eher schlecht“ an. „Eher gut“ wurde die Bewerbung der Hansestadt für die Olympischen und Paralympischen Spiele in den Jahren 2036, 2040 oder 2044 demnach nur von 41 Prozent der Befragten gesehen.

Hamburg mit geringstem Zuspruch unter Mitbewerbern

Im Feld der Mitbewerber liegt Hamburg der Umfrage zufolge stimmungsmäßig hinten. So wurde eine Bewerbung in Nordrhein-Westfalen laut Intratest dimap in einer Befragung vom Februar von 57 Prozent der Befragten „eher gut“ gesehen. Auch in Berlin überwog demnach im Juni vergangenen Jahres die Zahl der Befürworter (46 Prozent) gegenüber den Skeptikern (43 Prozent). In München hatten sich in einem Referendum im Oktober vergangenen Jahres mehr als 66 Prozent der Bürgerinnen und Bürger für eine Bewerbung als Austragungsort ausgesprochen. In Hamburg haben die Bürgerinnen und Bürger am 31. Mai die Gelegenheit, über die Bewerbung ihrer Stadt abzustimmen.

Die finale Abstimmung in der Handwerkskammer – die Skeptiker sind auch hier leicht vorn

Als Vorteile einer Bewerbung wurden von den Befürwortern in Hamburg vor allem (54 Prozent) Modernisierungen der Verkehrsinfrastruktur genannt. Knapp die Hälfte (49 Prozent) erwartet eine Ankurbelung der Wirtschaft, 46 Prozent erhoffen sich ein besseres internationales Ansehen der Stadt, 45 Prozent die Sanierung von Stadtvierteln und Sportstätten. 43 Prozent der Befragten verwiesen auf die erwarteten hohen Besucherzahlen.

Negativ schlugen bei den Olympia-Skeptikern vor allen die hohen Kosten zu Buche (79 Prozent), die zulasten anderer Bereiche gehen könnten. 46 Prozent bemängelten den Bau unnötiger Infrastruktur, 41 Prozent befürchten Übertourismus und Verkehrschaos, ein gutes Drittel (34 Prozent) steigende Mieten und ein Viertel (24 Prozent) Sicherheitsprobleme.

Bei den Hamburgerinnen ist die Skepsis hinsichtlich einer Bewerbung ihrer Stadt stärker ausgeprägt: 52 Prozent finden sie „eher schlecht“. Bei den männlichen Befragten waren es 48 Prozent. Die größten Bedenken gibt es der Umfrage zufolge in der Altersgruppe 65+ mit 55 Prozent, die eine Bewerbung „eher schlecht“ finden. Zum Vergleich: In der Altersgruppe der 16- bis 34-Jährigen finden 45 Prozent der Befragten eine Bewerbung „eher gut“, während 41 Prozent sie als „eher schlecht“ einstuften.

Höchste Zustimmung unter SPD-Anhängern

Unter den Anhängern der regierenden Sozialdemokraten ist die Zustimmung für eine Bewerbung am größten: 57 Prozent finden sie „eher gut“ und nur 35 Prozent „eher schlecht“. Auch bei den CDU-Anhängern sind die Befürworter mit 50 Prozent gegenüber 45 Prozent Skeptikern in der Mehrheit.

Bei den Anhängern der mitregierenden Grünen finden 53 Prozent eine Bewerbung dagegen „eher schlecht“. Auch bei der AfD (57 Prozent) und den Linken (72 Prozent) sind die Skeptiker in der Mehrheit.

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