Der Hype um Woltemade verlischt immer mehr
Ein Verkauf im Sommer? Soll vom Tisch sein. Nick Woltemade kann aufatmen, einer Zukunft bei Newcastle United entgegenblicken. Zumindest noch in der nächsten Saison. Ein Stürmer auf Bewährung, so in etwa. Die Signale seines Klubs lassen den Schluss zu.
Sie wollen es noch mal mit ihm versuchen, ein neuer Anlauf nach seiner ersten Saison in England. Einer etwas mauen zwar, aber es kann nur besser werden. Das ist die Hoffnung. Das deckt sich auch mit einem Bericht des „Telegraph“.
Die Verantwortlichen des Vereins seien demnach trotz der aktuellen Formschwäche des 24-Jährigen davon überzeugt, dass er noch eine Zukunft in Newcastle hat. Man sei sich im Klub bewusst, hieß es unter Berufung auf Vereinskreise, dass Leistungsschwankungen in der ersten Saison auf der Insel für einen jungen Spieler normal seien und arbeite an einer Lösung.
Außerdem könne der 75-Millionen-Euro-Transfer, im vergangenen Sommer vom VfB Stuttgart verpflichtet, vor der neuen Saison noch nicht abschließend bewertet werden. Zeit, die Woltemade nutzen soll. Der Klub aus der Premier League setzt darauf, dass Woltemade kommende Saison nach einer kompletten Sommervorbereitung endlich sein volles Potenzial abrufen kann. Nach zähem Vertragspoker, in dem auch der FC Bayern Karten in der Hand hielt, war Woltemade erst Anfang des vergangenen Septembers bei Newcastle eingestiegen.
Von „Big Nick“ zu „Sick Nick“
Was sich zunächst gut anließ. Gleich bei seinem ersten Ligaspiel gegen Wolverhampton erzielte er den Siegtreffer. In Partie Nummer drei, vier und fünf für Newcastle konnte er ebenfalls Tore feiern.
„Wir sind sehr zufrieden mit Nick. Auf und neben dem Platz ist er erstklassig. Die Art und Weise, wie er sich verhält, wie er mit dem Wechsel umgegangen ist, wie er seine Teamkollegen aufgenommen hat“, hatte Trainer Eddie Hwoe ihn damals gelobt: „Wir müssen noch mehr aus seinem Spiel herausholen und ihm auf jede erdenkliche Weise helfen, aber die ersten Anzeichen sind wirklich positiv.“ „Big Nick“ nannten sie ihn, er war Publikumsliebling. Dann aber begann es, dünn zu werden. Er wurde zu „Sick Nick“.
Treffer wurden Mangelware. 44 Pflichtspiele, insgesamt nur zehn Tore. Sein bislang letzter erfolgreicher Abschluss in der Premier League gelang ihm am 20. Dezember gegen Chelsea. Seitdem wurde er häufig aus- oder gar nur eingewechselt – mit Tendenz zu Kurzeinsätzen. Als das Team vergangene Woche im Achtelfinale der Champions League 1:1 gegen den FC Barcelona spielte, saß Woltemade 90 Minuten auf der Bank. Mittwoch steht nun das Rückspiel in Spanien an.
Zuletzt war zu beobachten, dass der als hängende Spitze ausgebildete 1,98-Hüne vermehrt im Mittelfeld eingesetzt wurde. Wie es hieß, um ihn besser ins Kombinationsspiel einzubinden. Wegen des langfristigen Ausfalls von Ballverteiler Bruno Guimarães musste auch eine Lücke gefüllt werden. Dass Howe nun den deutschen Nationalspieler in dieser neuen Rolle aufbot, wurde aber auch so gedeutet, dass im Sturmzentrum sein bescheidenes Tempo als Problem lokalisiert wurde.
„Woltemade hat große Schwierigkeiten“
Sein Coach sagte: „Es wird ihn auch in Bezug auf seine Karriere in der deutschen Nationalmannschaft helfen, wenn er auf jeder Position gut für uns spielt.“ Woltemade sei sehr glücklich mit der Rolle, versicherte Howe. Er hoffe, „dass wir das Beste von ihm sehen werden“.
Doch das kann eventuell auch nur als gute Verkaufe einer etwas unglücklichen Situation durchgehen. „Eddie Howe steht vor dem Dilemma, wo und wie er das Beste aus ihm herausholen kann“, befand Newcastle-Legende und Englands Rekordtorschütze Alan Shearer bei der BBC: „Ich glaube, dass in Nick ein guter Spieler steckt. Aber es ist ein Spieler, der wirklich große Schwierigkeiten hat.“
Und mit ihm auch sein Klub – vielleicht ist es eine Wechselwirkung. Newcastle belegt in der Liga nur Platz neun, von den vergangenen neun Spielen konnten nur drei gewonnen werden, zudem ist der Klub bereits aus dem FA Cup ausgeschieden.
Als er im vergangenen Sommer nach England ging, da schien Newcastle ein Juwel zu bekommen, dass auch der deutschen Nationalmannschaft im Sturm wieder zu Glanz verhelfen würde. Monate später ist Ernüchterung eingetreten, der Hype um Woltemade ist vorerst vorbei. Bei Newcastle stellt sich die Frage: Wohin mit ihm? Und im DFB-Team dürfte die Frage mittlerweile aufgeworfen worden sein, ob es mit ihm in die USA geht – oder ein anderer den Vorzug bekommen müsste.
Er wolle „ein Entertainer auf dem Platz sein“, hatte Woltemade nach seinem Wechsel zu Newcastle und den anfänglichen Galaauftritten gesagt. Im Moment aber muss er eher aufpassen, dass Publikum und Trainer nicht die Lust an seinen Darbietungen verlieren.
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