Verlässt der Erfolgsmacher die Eintracht? Was hinter den Kulissen passiert
Nach dem Gewinn der Europa League 2022 erklärte Vorstandssprecher Axel Hellmann (54) stolz: „Eintracht Frankfurt ist zurzeit – und Entschuldigung, wenn ich das so salopp sage – der heißeste Scheiß in Europa!“ Davon ist die Eintracht mittlerweile weit entfernt. Das erschreckende Aus in der Ligaphase der Champions League mit gerade mal vier Punkten, die Mega-Krise Anfang des Jahres, die in die Entlassung von Trainer Dino Toppmöller mündete, aber vor allem die zunehmend finanziell angespannte Lage haben dem Verein zugesetzt.
Nachdem Frankfurt trotz des Ekitiké-Verkaufs (für 95 Millionen Euro nach Liverpool) acht Millionen Euro Verlust machte, wird in diesem Jahr wieder ein Minus erwartet. Sport-Vorstand Markus Krösche und sein Team müssen jeden Sommer einen Transferüberschuss von mehr als 30 Millionen Euro erwirtschaften.
Eintrachts Weg, jedes Jahr die besten Spieler zu verkaufen, aber sich trotzdem sportlich weiterzuentwickeln, um auch der immer größer werdenden Erwartungshaltung gerecht zu werden, ist auf Dauer nicht umsetzbar. Das weiß auch Krösche. Womöglich ist seine Erfolgsgeschichte in Frankfurt deshalb schon bald auserzählt. Es ist plötzlich offener denn je, ob Krösche seinen bis 2028 laufenden Vertrag erfüllt. Seine Entscheidung soll von der künftigen Ausrichtung des Klubs abhängen – und nicht vom sportlichen Abschneiden in dieser Saison.
Egal, welchen Entschluss er fasst – die Ära Krösche wird bleiben: Eintracht gewann in fünf Jahren unter seiner Leitung die Europa League, erreichte das Pokalfinale, spielte je zweimal in der Champions League und Europa League sowie einmal in der Conference League. Der Sport-Vorstand schaffte es mit klugen Transfers, Eintracht hinter Bayern und Dortmund zum spannendsten Verein in Deutschland zu formen.
Doch die positive Entwicklung hat in jüngster Zeit einen Abbruch erfahren. Und Krösche kommt ins Grübeln. „Sport Bild“ berichtet, die Aussagen von Hellmann bei der Mitgliederversammlung im Januar sollen Krösche nicht gefallen haben. Ausgerechnet der Frankfurt-Macher, der sonst immer die großen Transfererfolge von Krösche feierte, sagte überraschend deutlich: „Ich glaube, wir haben an der einen oder anderen Stelle und Position den Kader falsch eingeschätzt, und wir müssen feststellen: Die eine oder andere Personalie hat schlichtweg nicht funktioniert.“
Ausgerechnet Krösche, der über Jahre als DER Top-Transfer-Manager des Fußballs galt, wurde plötzlich öffentlich aus seinen eigenen Reihen angezählt, nachdem ihm mit Elye Wahi (23/2025 für 26 Millionen aus Marseille) der erste große Transfer misslungen war. Mit den Verpflichtungen von Stürmer Arnaud Kalimuendo (24) sowie Trainer Albert Riera (43) im Winter bewies Krösche wieder ein glückliches Händchen, um das Saisonziel Europa League doch noch zu retten.
Machtausbau der Ultras soll verhindert werden
Anders als bei Krösche ist die Zukunft von Hellmann so gut wie klar. Er soll einen neuen Fünfjahresvertrag bekommen, ab sofort rund drei Millionen Euro Grundgehalt einstreichen. Erste wertschätzende Gespräche sind bereits geführt worden. Weitere Gespräche sollen rund um Ostern stattfinden. Konkrete Verhandlungen sind aufgrund des Aktienrechts aber erst ein Jahr vor Ablauf seines aktuellen Vertrages (bis 2027) möglich.
Hellmanns Forderungen: Eine „Verzwergung“ der Eintracht durch zu viel Macht des e.V. und der Ultras (drei sitzen im Verwaltungsrat) soll auf der Führungsebene zwingend verhindert werden. Hellmann wird zudem wichtig sein, dass Mathias Beck (55) Anfang 2027 als Präsident und Aufsichtsrats-Chef bestätigt wird. Nachdem sich zunächst ein Ultra sowie die Richterin des Sommermärchen-Prozesses, Eva-Marie Distler (49), im Januar 2027 zur Wahl stellen wollten und es auch Gerüchte um Vize-Präsident Armin Kraaz (61) gab, haben sich im Verein nun alle dazu entschlossen, Beck zu unterstützen. Hellmann will auch zum Thema machen, dass der Aufsichtsrat in Zukunft mit mehr Sport-Kompetenz besetzt werden muss.
Insbesondere für den Fall, dass irgendwann ein Nachfolger für Krösche gefunden werden muss. Und das könnte schneller der Fall sein als gewünscht.
Der Text wurde für das Sport-Kompetenzcenter (WELT, „Bild“, „Sport Bild“) erstellt und zuerst in der „Sport Bild“ veröffentlicht.
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