Sie hat es wieder getan. US-Superstar Oksana Masters (36) hat bei ihren achten Paralympics (viermal Winter- und viermal Sommerspiele) ihre zehnte (!) Goldmedaille geholt. Die gebürtige Ukrainerin triumphierte nach fehlerfreier Schießleistung im Biathlon-Sprint vor ihrer US-Teamkollegin Kendall Gretsch (33). Die deutsche Gesamtweltcupsiegerin Anja Wicker (34) wurde nach zwei Schießfehlern hervorragende Dritte.

Masters war von ihrem erneuten Gold-Triumph extrem überrascht. Immerhin konnte sie in den letzten drei Wochen wegen einer Infektion sowie einer Gehirnerschütterung kaum trainieren, musste sich in Italien sogar im Krankenhaus behandeln lassen. Masters nach der Siegerehrung: „Ich bin völlig geschockt. Damit hatte ich nicht gerechnet. Ich wollte doch nur eine schöne Zeit auf dem Schießstand verbringen.“

Aber Hindernisse zu überwinden, ist Masters Spezialdisziplin. 1989 kam sie mit schweren Fehlbildungen an ihren Beinen und Händen und mit nur einer Niere in der ukrainischen Stadt Chmelnyzkyj zur Welt. Die Ärzte führten das auf die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl drei Jahre zuvor zurück. Ihre Eltern waren mit dem schwerstbehinderten Mädchen überfordert und gaben Oksana in ein Waisenhaus. Dort wuchs das kleine Mädchen unter unvorstellbaren Bedingungen auf, wurde nach eigenen Angaben schwerst misshandelt und litt sieben Jahre unter Mangelernährung. Die Erlösung kam durch eine alleinstehende Frau aus Amerika, die in einem Adoptionsprospekt die kleine Oksana entdeckte und nach Buffalo holte.

Das Rudern musste sie aufgeben

Seelisch ging es dem Mädchen in den USA viel besser, aber auch in der neuen Umgebung litt Oksana stark unter ihren Fehlbildungen. Die Folge: Beide Beine, in denen stabilisierende Knochen fehlten, mussten oberhalb der Knie amputiert werden. Im Alter von neun Jahren das linke, mit 14 auch das rechte Bein. Zudem musste sich Masters an beiden Händen mehrfach operieren lassen.

Über den Sport kämpfte sich Masters ins Leben zurück. Im Rudern nahm sie mit 17 erstmals an Wettkämpfen teil. Fünf Jahre später gewann sie bei den Paralympics in London erstmals Bronze. Weil der Rücken Probleme machte, musste die junge Frau das Rudern aufgeben und widmete sich anschließend dem Skisport und als Ausgleich im Sommer dem Handbiken.

Der Beginn einer sagenhaften Erfolgsgeschichte, die mittlerweile 20 Paralympics-Medaillen und millionenschwere Sponsorenverträge in den USA nach sich zog. Masters hatte bei den Paralympics in Paris bei „Bild“ gesagt: „Mir hat der Sport geholfen, mich zu retten, und er hat mich darin bestärkt, mich selbst zu lieben. Zu lieben, was ich im Spiegel sehe.“

Silber für deutsche Biathletin

Auch aus deutscher Sicht gab es Erfreuliches am Sonntag. Biathletin Anja Wicker hat auch in ihrem zweiten Wettkampf eine Medaille gewonnen und nur um 12,8 Sekunden Gold verpasst. Im Einzelrennen sicherte sich die 34-Jährige beim Sieg der Südkoreanerin Yunji Kim die Silbermedaille. Bronze ging an die US-Amerikanern Kendall Gretsch.

Bei vier Schießeinlagen unterlief Wicker, deren untere Wirbelsäule fehlgebildet ist, ein Fehler, der eine Strafminute nach sich zog. Am Vortag hatte die Stuttgarterin bereits Bronze im Sprint gewonnen. Nach Gold und Silber bei den Spielen 2014 in Sotschi sowie Bronze vor vier Jahren in Peking ist es für die Gesamtweltcupsiegerin im Para-Biathlon die fünfte paralympische Medaille.

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