Die Sportjournalisten Hans-Joachim Seppelt und Jörg Mebus haben ein Hausverbot für die Pressekonferenz der Deutschen Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft (DESG) am Dienstag in Berlin erhalten.

Ein „Sportschau“-Bericht hatte zu Beginn der Olympischen Winterspiele über angebliche Unregelmäßigkeiten bei der DESG und ein belastetes Verhältnis zwischen einigen Athleten und der Verbandsspitze berichtet. An diesem Bericht waren maßgeblich Seppelt und Mebus beteiligt.

Die beiden berichteten unter anderem, dass Sportler mitunter jahrelang auf ihnen zustehende Prämien warten. Sie müssten sich finanziell an Trainingslagern und Wettkampfreisen sowie der Ausrüstung beteiligen und würden nicht auf dem Laufenden gehalten, was die finanzielle Situation des Verbandes angeht.

Auf der Pressekonferenz wollte die DESG um den Präsidenten Matthias Große Stellung zu dem Bericht beziehen. Der Ort des Geschehens, der Berliner Müggelturm, gehört Große, der seit 2020 an der Spitze der DESG steht.

Er sprach von einer „Schmutzkampagne“ gegen seinen Verband: „Das, was passiert ist, ist die größte Schande. Jeder kann mit mir sprechen außer Jörg Mebus und Hajo Seppelt“, sagte Große. Der Lebensgefährte der fünfmaligen Olympiasiegerin Claudia Pechstein sprach von einem „Hass-Spiel“ gegen den Verband, sich und auch seine Partnerin: „Die ARD und Hajo Seppelt haben uns die Olympischen Spiele gecrasht, und das lassen wir nicht zu. Das geht so nicht.“

ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky reagierte mit Empörung auf den Ausschluss von Seppelt und Mebus. „Die Nicht-Zulassung ausgewählter Berichterstatter zu einer offiziellen Pressekonferenz verstößt eklatant gegen Grundsätze einer freien und unabhängigen Berichterstattung und ist aus unserer Sicht grundsätzlich nicht akzeptabel.“ Es sei ein für einen deutschen Sportfachverband beispielloser Fall, sagte Balkausky. „Es ist ein einmaliger Vorgang, der bei uns auch Fragen zu der Haltung des Bundes und anderer Institutionen hinterlässt, die die DESG finanzieren.“ Der Vorgang werfe „wesentliche rechtliche Fragen auf, die wir prüfen werden“, so Balkausky weiter.

„Klarer Eingriff in die Pressefreiheit“

Kritik für das Vorgehen von Große gab es auch vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) als Dachorganisation. „Wir erwarten von unseren rechtlich eigenständig und autonom handelnden Mitgliedsorganisationen, dass sie die Pressefreiheit in gleicher Weise respektieren, wie wir das tun“, hieß es in einer Stellungnahme. Die Pressefreiheit sei ein „essenzielles Gut unserer Demokratie, das der DOSB selbstverständlich respektiert und wertschätzt“.

Ähnlich scharf reagierte der Deutsche Journalisten-Verband (DJV). Er erklärte, dass es selbstverständlich sei, dass auch Kritiker zur Pressekonferenz eingeladen werden müssten. „Das Hausverbot gegen die ARD-Kollegen ist ein unglaublicher Vorgang“, sagte der DJV-Bundesvorsitzende Mika Beuster. „Es geht nicht an, eine Pressekonferenz wie einen closed shop zu organisieren.“

Auch der Verband Deutscher Sportjournalisten (VDS) protestierte gegen die Nichtzulassung von Seppelt und Mebus. „Die Nichtzulassung der Kollegen werten wir als klaren Eingriff in die Pressefreiheit“, schrieb der Verband in einem Schreiben, das der dpa ebenfalls vorliegt. „Ihre Gemeinschaft wird mit öffentlichen Geldern gefördert, an die daraus erwachsende Verantwortung möchten wir hier eindringlich erinnern.“ Dem Versuch, kritischen Sportjournalismus zu reglementieren, trete man „vehement entgegen“, schrieb der VDS.

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