Nach dem Check rutsche ich an der Bande langsam in Richtung Eis
Ich weiß genau, dass der Einschlag kommen wird. Ich weiß von wo, wann und von wem. Trotzdem trifft mich der Bodycheck mit aller Härte. Eishockey-Nationalspielerin Mathilda Heine nimmt Anlauf und mich ins Visier. Zwei schnelle Schritte, dann ist die 16-Jährige bei mir an der Bande und setzt zum Check an. Sie ist 15 Zentimeter kleiner und 15 Kilo leichter als ich. Trotzdem knallt es gewaltig. Ich knautsche an der Umrandung zusammen und rutsche langsam wie eine Schleimspur an der Bande in Richtung Eis.
Da liege ich nun, ringe nach Luft und versuche meine Organe, die sich gefühlt in der Körpermitte getroffen haben, wieder in die richtige Position zu atmen. Ein Allerweltscheck, wie er in Spielen hundertfach vorkommt, der mir aber ordentlich Respekt vor der schnellsten aller Mannschaftssportart einflößt. Eishockeyspielerinnen müssen so vieles für ihre Sportart mitbringen – Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit, Härte und Übersicht. Und das alles auf zwei 2,5 Millimeter breiten Kufen.
Meine Ausdauer wird schon beim Anziehen der Rüstung gefordert. Brustschutz, Schienbeinschoner, Hose, Helm, Handschuhe und Schlittschuhe – irgendwann sitzt alles, und ich habe mir die Erwärmung auf dem Eis gespart. Die leichten Schützer sind aber deutlich angenehmer als gedacht. Ganz im Gegenteil zum Geruch in der Kabine, der zum Eishockey aber dazugehört wie Checks, Bullys und Schlagschüsse.
Eins-gegen-Eins gegen die Profispielerin
Wie angenehm frisch die Luft auf dem Eis doch ist. Nach drei Runden mit den Nationalspielerinnen, die sich dabei lachend unterhalten, bleibt sie mir weg. Schon das einfache Laufen ist anstrengend. Was dann folgt, bringt meinen Puls binnen weniger Sekunden auf Höchstschlagzahl – ein kleines Spielchen mit der 104-maligen Nationalspielerin Laura Kluge.
Die 28-Jährige, die für Boston Fleet in der amerikanischen Profiliga aufläuft, fordert mich zum Duell heraus. Eins gegen eins – nur sie, ich, der Puck und ein Tor. Die Stürmerin macht ein paar schnelle Drehungen, stoppt ab, schiebt mir den Puck durch die Beine, um ihn direkt wieder an mir vorbeizulegen. Es ist alles so verdammt schnell. Nicht nur körperlich, sondern auch im Kopf. Irgendwo flitzt der Puck und zwar an mir vorbei. Denn bis ich mich mit meiner Rüstung gedreht habe, ist er längst schon woanders.
„Verstehst du jetzt, warum alle 40 Sekunden gewechselt wird?“
Dass der Helm mein Sichtfeld einschränkt, ist mein geringstes Problem. Ich würde die schnellen Bewegungen nicht einmal in einer Turnhalle mitgehen können. Aber mit Schlittschuhen an den Füßen auf spiegelglattem Eis ist überhaupt nicht dran zu denken.
Ich muss mich die ganze Zeit auf meine Füße konzentrieren und habe deswegen keine körperlichen und geistigen Kapazitäten mehr, mich auf Puck, Schläger und Gegnerin zu fokussieren. Innerhalb kürzester Zeit wird mir klar, wie komplex und intensiv Eishockey ist. Nicht nur, wenn der Check an der Bande einschlägt.
„Kannst du jetzt verstehen, warum beim Eishockey alle 40 Sekunden gewechselt wird?“, fragt mich Franziska Feldmeier, die Dritte im Bunde der Olympia-Fahrerinnen bei diesem Training. Ich versuche zu antworten, bekomme aber nur ein kopfnickendes „mmhhh“ zustande.
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