Endlich hat die Fußball-Bundesliga wieder das, was ihr gefehlt hat. Ein Spiel, das ihre Statik verändern kann. Eine Partie, welche es an der Spitze zumindest wieder etwas spannend machen kann. Eine Begegnung, die für den Tabellenführer gefährlich werden könnte.

Sonntag, 17.30 Uhr(DAZN und im WELT-Liveticker), Arena in München: FC Bayern gegen die TSG Hoffenheim. Dass es ausgerechnet diese Paarung ist, auf welche Fans und Experten ganz besonders schauen, hätte vor der Saison wohl kaum jemand gedacht. Die Hoffenheimer haben es auf Platz drei der Tabelle geschafft. „Fast unbemerkt von der Fußballnation“, schreibt die „Zeit“.

Es ist ein Spitzenspiel. Sollte es die TSG am 20. Spieltag gewinnen, hätten die Bayern nur noch sechs Punkte Vorsprung auf sie. Und Borussia Dortmund kann Samstag vorlegen: Mit einem Sieg beim VfL Wolfsburg (15.30 Uhr, Sky) könnte der BVB seinen Rückstand auf die Bayern zumindest für einen Tag auf drei Punkte verringern. Vor wenigen Wochen waren es noch elf Punkte.

Ja, auch wir bei WELT haben kürzlich noch über die fehlende Spannung der Liga und die enteilten Bayern gesprochen und geschrieben. „Ein Trauerspiel namens Bundesliga“ nannten wir es. Jetzt, wenige Wochen später, ist alles anders? Das nicht. Doch hat sich die Tabellensituation verändert.

Und noch mehr als das. Die Bayern lassen national plötzlich Punkte liegen. 1:2 gegen den FC Augsburg, 2:2 beim Hamburger SV – sieben Spiele in 20 Tagen haben der Mannschaft Kraft gekostet. Hoffenheim hingegen hat fünf Spiele in Folge gewonnen, in jeder Partie in diesem Jahr gab es einen Sieg. Die TSG spielt attraktiven Fußball. Und Dortmunds Nationalverteidiger Nico Schlotterbeck sagt nach dem 3:2 gegen den 1. FC Heidenheim: „Wir haben heute natürlich glücklich gewonnen. Aber das ist mir scheiß egal. Vielleicht fangen die Bayern an, langsam auch mal zu überlegen.“

Und weiter: „Man muss als BVB langsam auch mal den Anspruch haben, den Fans zu sagen, wir wollen Meister werden. Die Jungs und ich wollen angreifen. Die Bayern spielen gegen Hoffenheim. Natürlich müssen wir weiter punkten, aber wir probieren da zu sein. Und die Bayern kommen noch zu uns.“ Am 28. Februar (18.30 Uhr, Sky) steigt das Duell zwischen den Münchnern und dem BVB in Dortmund.

Nur 19.341 Zuschauer gegen Union Berlin

Dortmund und Hoffenheim – zwei Klubs holen in Sachen Punkten auf. Das 3:1 der TSG gegen den 1. FC Union Berlin am vergangenen Wochenende war der siebte Heimerfolg in Serie, der Klub stellte damit seinen 2017 unter dem heutigen Bundestrainer Julian Nagelsmann aufgestellten Rekord ein. Zu der Partie kamen trotz der erfolgreichen Spiele zuvor lediglich 19.341 Zuschauer in das Stadion in Sinsheim – inklusive rund 1500 mitgereisten Union-Fans. Bei einem Fassungsvermögen von 30.150 blieben demnach 10.809 Plätze leer.

Die Blicke der Bundesliga richten sich Sonntag auf Hoffenheim. Die TSG darf von der Champions League träumen, unter Trainer Christian Ilzer und Sportchef Andreas Schicker hat sich der Klub nach und nach vom Abstiegskandidaten zur spielstarken Mannschaft entwickelt. Der Umbruch im Sommer mit 25 Abgängen und zehn Zugängen hat sich gelohnt. Mit 43 Treffern hat die TSG nach den Bayern die meisten Tore der Liga erzielt.

Vom Meistertitel spricht in Sinsheim völlig zurecht niemand. Der BVB quälte sich zum Sieg gegen Heidenheim, hat in dieser Saison Schwächen gezeigt. Die Bayern bleiben der große Favorit auf den Meistertitel. Doch zumindest könnte der Februar in der Bundesliga deutlich spannender werden, als Anfang des Jahres von den meisten vermutet. Und komplizierter, als es die Bayern-Fans erwartet haben.

Julien Wolff ist Sportredakteur im Sportkompetenzcenter. Er berichtet für WELT seit vielen Jahren aus München über den FC Bayern und die Nationalmannschaft sowie über Fitness-Themen.

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