Kläglicher Elfmeter – In Infantinos Arm kämpft Marokkos tragische Figur mit den Tränen
Selbst der Fifa-Präsident konnte nicht wirklich Trost spenden. Gianni Infantino nahm Brahim Díaz in den Arm, richtete noch ein paar Worte an Marokkos Angreifer. Díaz’ Blick aber wirkte leer, ihm standen die Tränen in den Augen. Die tragische Figur dieses Afrika-Cup-Finales hätte sich den Gang durch das Spalier der siegreichen Senegalesen (1:0 nach Verlängerung), vorbei an den Hände schüttelnden Offiziellen hin zu Infantino wohl gerne erspart. Der ihm überreichte goldenen Schuh als Toptorschütze des Turniers konnte, nachdem was passiert war, gar nicht als Balsam für die Seele dienen.
Díaz hätte sich zum Held seines Landes machen können. Nach chaotischen 20 Minuten in der Nachspielzeit, in denen Senegals Mannschaft aus Protest gegen die Schiedsrichterentscheidungen kurzerhand das Spielfeld verlassen hatte, stand der Mann von Real Madrid am Punkt. Er sollte nicht nur den überaus umstrittenen Elfmeter zum 1:0 verwandeln. Er sollte unmittelbar vor Abpfiff (90.+24 Minute) die Partie und damit den Ausgang des Turniers entscheiden.
Díaz aber entschied sich anders. Er wollte sich zusätzlich seinen Platz in jedem YouTube-Zusammenschnitt einzigartiger Fußball-Momente sichern – mit einem Panenka-Elfmeter, dem ultimativen Ausdruck von Coolness. Und das schaffte er auch, allerdings anders, als er sich das vorgestellt hatte. Díaz wurde zum Deppen. Er chippte den Ball stumpf in die Arme von Senegals Torwart Edouard Mendy. Es war ein Elfmeter, wie man ihn nicht schießen sollte, schon gar nicht in einem solch entscheidenden Moment.
In den sozialen Medien wurde gar gerätselt, ob Díaz angesichts der Kontroverse zuvor absichtlich verschossen habe. Diesen Spekulationen schob Keeper Mendy aber einen Riegel vor. „Ja, er wollte ein Tor schießen, ich habe ihn daran gehindert, und damit müssen wir es gut sein lassen mit dieser Kontroverse“, sagte der Schlussmann von Al-Ahli nach dem Spiel. „Er hat den Panenka versucht, ich bin stehen geblieben. Wir haben die Mannschaft im Spiel gehalten, und ich habe meiner Mannschaft in diesem Moment geholfen“, fügte er hinzu.
Die anschließende Reaktion von Díaz hätte auch nicht zu einem absichtlichen Fehlschuss gepasst. Erst schlug er die Hände vor dem Kopf zusammen, dann standen ihm schon nach seiner Auswechslung auf der Bank die Tränen in den Augen. Später folgte dann die von einer Mischung aus Pfiffen und Applaus begleitete Ehrung, bei der Díaz sichtlich niedergeschlagen wirkte.
Kritik der TV-Experten an Brahim Díaz
Die Experten rund um das Spiel fanden deutliche Kritik an Díaz, gaben aber auch einen Einblick, wie sich der Angreifer in näherer Zukunft fühlen dürfte. „Er hat sein ganzes Land enttäuscht. Dem Jungen geht es die nächsten Wochen erst mal so richtig schlecht“, sagte Michél Dinzey, der in den Nullerjahren unter anderem für St. Pauli und Braunschweig spielte, bei „Sportdigital“. Und weiter: „Keine Ahnung, was ihm da durch den Kopf gegangen ist. So schießt du keinen Elfmeter. Der Junge tut mir leid, das ganze Land tut mir leid.“
„Ich glaube, Brahim Díaz wird in den nächsten Tagen viele Alpträume haben“, sagte der ehemalige marokkanische Mittelfeldspieler Hassan Kachloul (u.a. Aston Villa) im englischen TV bei Channel 4 über das Spiel. Und der ehemalige nigerianische Mittelfeldspieler Jon Obi Mikel (u.a. FC Chelsea) ergänzte, dass der Fehlschuss „alles verdirbt, was Brahim Díaz in diesem Turnier gut gemacht hat“. Díaz hatte fünf Tore erzielt und damit maßgeblichen Anteil am Finaleinzug.
Auch sein Trainer Walid Regragui suchte nach einer Erklärung. „Er hatte viel Zeit, bevor er den Elfmeter schoss, was ihn sicherlich verunsichert hat“, sagte Regragui. „Aber wir können nicht ändern, was passiert ist. Er hat sich dafür entschieden, den Elfmeter so zu schießen. Jetzt müssen wir nach vorn schauen.“ Díaz dürfte das besonders schwerfallen.
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