Langsam fährt Joshua Kijape durch das hohe Gras, lauschend, was aus dem Busch zu hören ist. Lärm seines Motorrads stört dabei nicht: Der Ranger in der Masai Mara ist elektrisch unterwegs.

Seit rund einem Jahr patrouilliert Kijape so durch das kenianische Nationalreservat an der Grenze zu Tansania. Dass er damit viel leiser ist, bringt ihn näher an die Tiere – und er kommt auch leichter Wilderern auf die Spur.

„Mit diesem Motorrad kann ich näher an die Tiere herankommen, ohne sie zu stören“, sagt der Wildhüter. „Und wenn man Wilddieben folgt, können sie einen nicht kommen hören.“

Kijapes Elektromotorrad ist ein Puzzlestück in den Bemühungen, die Energiewende in Afrika voranzutreiben und auch in die Reservate und Nationalparks zu bringen. Statt Benzinern sollen künftig Elektrofahrzeuge durch die Steppen rollen. In der Masai Mara testen derzeit Umweltorganisationen die Möglichkeiten aus. Es geht um Klima, um Lärm und darum, wie mit dem wegfallenden Treibstoffverbrauch Kosten gespart werden können.

Gerade jetzt lockt die jährliche Gnu-Wanderung Safaritouristen an. „Zu sehen, wie Elektrofahrzeuge während der großen Wanderung die Masai Mara erreichen, ist ein eindrucksvoller Beweis dafür, dass die Energiewende weit über die Städte hinausreicht“, sagt Jason Knauf von Earthshot Prize, der vom britischen Prinz William gegründeten Umweltpreisstiftung.

„Die Mara ist eine der herausforderndsten Umgebungen der Welt, und wenn sich saubere Technologie dort als zuverlässig, erschwinglich und effektiv erweist, stärkt dies einer Ausweitung auf andere Naturschutzgebiete und abgelegene Gemeinden den Rücken“, erklärt Knauf.

Gedränge am Mara Ufer: Die große Wanderung der Gnus zählt zu den imposantesten Naturschauspielen, die Wildtiere veranstalten

Unwegsames Gelände, lange Strecke – das sind Herausforderungen für die E-Mobilität in der Masai Mara

„Die Natur ist schützenswert, daher halten wir es für wichtig, unsere Motorräder und Produkte dort einzusetzen“, heißt es vom E-Fahrzeughersteller Roam Electric in Nairobi, von dem auch das Motorrad des Rangers Kijape stammt. Die Vermeidung von Lärm trage zu einer ruhigen, friedlichen Umgebung bei, die sowohl den Tieren als auch den Touristen zugutekomme, sagt Geschäftsführer Filip Lövström.

Für sein Unternehmen ist der Einsatz zudem ein Härtetest dafür, wie ein lokal gefertigtes E-Motorrad auf unwegsamem Gelände, langen Strecken und in abgelegenem Gebiet durchhält.

Sonne vor Ort statt Benzin aus Mombasa

Auch den wirtschaftlichen Aspekt hält Lövström für einen entscheidenden Faktor, um die Akzeptanz der E-Mobilität voranzutreiben. „Anstatt Benzin den ganzen Weg vom Hafen von Mombasa hinaus in die Natur zu transportieren, um eine Reihe von Benzinmotorrädern zu betanken, kann man sie nun mit Solarenergie aufladen“, betont er. „Genau dort, wo man einen positiven Beitrag für die Umwelt leistet.“

Knapp sind allerdings noch die Lademöglichkeiten. Das E-Motorrad von Roam schafft etwa 160 Kilometer, bevor es wieder aufgeladen werden muss. Dafür wären Ladestationen entlang längerer Routen nötig. „Genauso wie man Zugang zu Benzin braucht – was heute in einem Gebiet wie der Masai Mara wirklich schwierig ist –, braucht man nun Zugang zu Strom“, sagt Lövström. Für die Ladestationen wären aber nur relativ kleine Solar- und Batteriesysteme nötig.

Das Emboo River Camp in der Masai Mara setzt seit 2019 auf elektrische Safarifahrzeuge. Diese würden ausschließlich mit Solarstrom betrieben, erklärt Co-Chef Loic Amado. Er ist von den Vorteilen der E-Autos überzeugt: „Sie sind leise, nachhaltig, umweltfreundlich und vor allem wirtschaftlich.“

Insgesamt sind in Kenia bislang nur wenige elektrisch angetriebene Safariautos in Betrieb. Ihr Einsatz konzentriert sich auf die Mara-Region und eine Handvoll anderer Gebiete. Doch das Konzept wecke das Interesse großer Safariveranstalter, sagt Amado.

Die Umrüstung herkömmlicher Fahrzeuge, mit denen die Touristen bisher auf Fotopirsch gehen, koste zwischen 35.000 und 45.000 Dollar, rechnet Amado vor. Diese Investition könne sich aber durch Einsparungen bei Kraftstoff und Wartung schon in etwa zweieinhalb bis drei Jahren amortisieren.

„Alles läuft mit Sonnenenergie, und davon haben wir reichlich“, sagt Amado. „Unser Ziel ist es, die Masai Mara bis 2035 klimaneutral zu machen.“

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