Wie Karls Erdbeer-Dorf Kalifornien verzaubern will
Am kalifornischen Fisherman’s Wharf in Oxnard, zwischen Los Angeles und Santa Barbara gelegen, ist das geplante Erdbeer-Dorf aus Germany Stadtgespräch. Who is Karls?
Denn der Leuchtturm am Hafenbecken der Küstenstadt strahlt neu getüncht: Mit Karls-Erdbeer-Logo wie in den deutschen Erlebnis-Dörfern, mit dem drolligen Erdbär-Maskottchen (eine Mischung aus Bär und Erdbeere) namens Karlchen. Kennt in Deutschland fast jeder Erdbeerfan, in den USA aber so gut wie niemand.
Dazu der Slogan „Eat, Play, Shop“. Eine stilisierte Welle. „Karls“ aus Germany, established 1921, kommt. Bauzäune, Bulldozer, Baupläne.
„In Oxnard geht es gut voran“, sagt CEO Robert Dahl von Karls Erlebnis-Dörfern, der gerade im Flugzeug sitzt. „Wir haben die Abrissarbeiten abgeschlossen. Nun geht es an die Tiefbauarbeiten.“ Der Zeitplan ist ehrgeizig.
Der angemalte Leuchtturm, 1978 erbaut, ist am Fischerkai stehen geblieben. Jahrzehntelang war dieses gut viereinhalb Hektar große Areal am Wasser eine Schmuddelecke. Mit der niemand so recht wusste, was man damit anfangen sollte – und das ausgerechnet an einer der besten Adressen im Ventura County an der Central Coast von Südkalifornien.
Oxnard: Kaliforniens Geheimtipp
Die Location gilt in Kalifornien eigentlich als 1-A-Lage: Alter Fischerhafen, viele Bootsanleger, in der Nähe des Ocean Drives und nahe der breiten Sandstrände vom Hollywood Beach und Oxnard State Beach und nahe der Sanddünen am preisgekrönten Mandalay Beach.
Hier vom Channel Islands Harbor aus starten auch die Touristenschiffe zu den vorgelagerten Vulkan-Kanalinseln wie Anacapa oder auch Santa Cruz für Walbeobachtungen, Seelöwen-Touren und Inselhöhlen-Kajaking. Am anderen Ende des Hafenkais entsteht gerade ein neues Hyatt-Hotelresort, das 2028 eröffnen soll.
Doch am Fisherman’s Wharf selbst verwahrlosten die aus den 1970er-Jahren stammenden, als eine Art Shopping-Mall erbauten Holzhäuser im Cape-Cod-Stil nach mehreren Besitzerwechseln. Zerbrochene Fensterscheiben, heruntergefallene Schindeln, verbretterte Türen. Termiten fraßen sich ungestört durch die Bausubstanz.
Investoren kamen, sahen und gingen; profitversprechender Luxus-Wohnungsbau mit Pazifikblick und eine Gated Community ohne öffentlichen Zugang ist im Hafengebiet nicht möglich und von der Stadt und den Anwohnern auch nicht erwünscht.
Dann aber meldete sich Karls aus dem fernen Rövershagen bei Rostock im Jahr 2022 als einer von vier Bewerbern, nachdem die Gemeinde das Grundstück öffentlich ausgeschrieben hatte. Oxnard machte es freilich dem Investor aus Deutschland erst einmal nicht leicht, weil man einen Freizeitpark mit Eintrittsgebühren fürchtete. Das Konzept vom kleinen Freizeitpark mit freiem Eintritt und Pay-per-Ride aber kennen Kalifornier aus Santa Monica mit dem Pacific Park am Pier.
Freier Eintritt
Kalifornien hat den dichtesten Freizeitparkmarkt der Welt. Mit Disney World, Universal Studios, Knott‘s Berry Farm und Six Flags und hohen Eintrittsgebühren.
Doch einen solchen Giganten am Hafen wollte Oxnard nicht. Auch kein Einkaufscenter. Nach ersten Bedenken wurden nach Angaben der Hafenbehörde mehr als 22 Bürgerworkshops abgehalten.
Doch die Idee vom freien Eintritt und kostengünstigen Angeboten für Familien aller Einkommensschichten überzeugte die skeptischen Kalifornier: Essen, Spielen, Shoppen.
Im August 2025 kam das Okay der kalifornischen Küstenkommission, seit Februar 2026 ist Dahl Pächter für 30 Jahre – und im Sommer wurde eine öffentliche Abrissparty am Pazifik gefeiert.
„Es ist ein Ort für Familien. Ohne Eintritt. Es wird ein schöner Ort sein, um etwas zu essen, Spaß mit oder ohne Kinder zu haben, ein Ort, den man besuchen kann“, wirbt CEO Robert Dahl auf der Abrissparty – und stellte sich sogleich publikumswirksam als Erdbeerbauer vor.
Deutsches Konzept überzeugt
Michael Tripp, Direktor der Hafenbehörde, erklärte auf der Abrissparty: „Wir wollten keine typische Strip Mall. Wir wollten einen Ort, an dem Familien zusammenkommen.“
Karls aus Germany sei aufgrund seiner „Kreativität, Familienfreundlichkeit und seines Engagements für einen besseren öffentlichen Zugang“ ausgewählt worden.
Robert Dahl, CEO von Karls Erlebnis-Dörfern, in OxnardGebaut wird mit viel Holz. Zusätzlich wird ein Fußgängersteg entlang des Wasserwegs errichtet, um den Anwohnern einen bequemen Zugang zum Gelände zu ermöglichen. Öffentliche Bereiche am Wasser und Bootsliegeplätze sollen erhalten bleiben.
Die konkrete Gestaltung wird an den Standort angepasst. Was in Deutschland nach Bauernhof und Erdbeerfeld aussieht, soll in Kalifornien auch die maritime Umgebung aufgreifen.
Oxnard: Erdbeer-Hauptstadt
Was aber Karls von der Ostsee, dem mecklenburgischen Stammsitz in Rövershagen bei Rostock, ausgerechnet an den Pazifik verschlägt, gut 9140 Kilometer Luftlinie entfernt?
Robert Dahl kennt Oxnard und Umgebung nach eigenen Angaben aus seiner Kindheit. Bereits als 14-Jähriger reiste er in den Achtziger-Jahren mit seinem Vater in die Region – wegen der Erdbeerfarmen.
Oxnard nennt sich selbst die Erdbeer-Hauptstadt der Welt. Hier im mediterranen Klima am Pazifik werden jährlich gut 200.000 Tonnen Erdbeeren geerntet.
Erdbeerfelder reichen im Hinterland bis zum Horizont. Selbst im Winter reifen die Früchte. Allein aus Oxnard werden jährlich rund 16 Millionen Erdbeerkisten weltweit verschifft.
Sandstrände, Dünen und Palmen: Das kalifornische Oxnard gilt als Geheimtipp, nordwestlich von L.A.Das passt gut zum deutschen Erdbeerreich von Karls, dessen Unternehmen rund um Rostock auf mehreren hundert Hektar jährlich bis zu 8000 Tonnen Erdbeeren erntet. Er lockt gleichzeitig 9,5 Millionen Menschen in seine inzwischen acht deutschen Erdbeer-Freizeitparks.
Acht Erlebnis-Dörfer in Deutschland
Vom Stammsitz in Rövershagen bei Rostock, das sich 1993 vom reinen Erdbeerhof zum Erlebnis-Dorf entwickelte, hat sich das Familienunternehmen über die Ostseeküste bis nach Sachsen und Nordrhein-Westfalen ausgebreitet.
Als erste Filiale öffnete Zirkow auf Rügen (2012), dann Elstal bei Berlin und Warnsdorf bei Lübeck (2014) sowie Koserow auf Usedom (2016). Nach dem Corona-Shutdown ging es munter weiter: Das nächste Dorf entstand im sächsischen Döbeln (2024), dann folgte Loxstedt, südlich von Bremerhaven, in Niedersachsen (2025), und im Juli 2026 eröffnete das neueste mitten in Oberhausen im Ruhrgebiet.
Damit nicht genug: 2027 wird ein weiterer Standort in Bispingen in der Lüneburger Heide eröffnet – mit Bauernmarkt, Manufakturen, Gastronomie und Familienfahrgeschäften wie eine Erdbeer-Raupenbahn, eine fliegende Schokoladentafel und eine Mais-Scheune. Im Sommer 2027 wird der Bibi & Tina Freizeitpark, ebenfalls von Dahl, eröffnen – direkt neben dem Erlebnis-Dorf in Elstal bei Berlin.
Für 2028 sollen spätestens die Erlebnis-Dörfer im fränkischen Plech und in Wernigerode im Harz eröffnen. Eine Vision ist es nach Unternehmensangaben, dass überall in Deutschland ein Karls in anderthalb Stunden Fahrzeit erreichbar sein soll.
Eröffnung Frühjahr 2028
Zeitgleich wird auch in den USA gebuddelt und gebaut. „Die Eröffnung ist für Frühjahr 2028 geplant“, sagt CEO Robert Dahl. Und zwar pünktlich vor den Olympischen Sommerspielen, die vom 14. bis 30. Juli 2028 in Los Angeles stattfinden werden. Das ist sportlich.
CEO Robert Dahl ist zuversichtlich, was die Zeitplanung angeht. Er wird bald selbst wieder in die USA düsen: „Wir wollen inhaltlich nichts verändern und glauben (und hoffen), dass den Amerikanern Karls gefällt, wie es ist.“
Geplant sind nach Unternehmensangaben ein Erlebnis-Dorf nach dem Vorbild der deutschen Standorte, also ungefähr vergleichbar mit den Freizeitparks auf Rügen oder Usedom – samt Traktorbahn, Raupenbahn, Spielplätzen, Bäckerei und Marmeladen-Manufaktur. Statt eigener Felder setzt Karls in Kalifornien auf die Kooperation mit lokalen Erdbeer-Farmern.
Oxnard vermarktet sich selbst als das „bestgehütete Geheimnis Kaliforniens“. Die landwirtschaftlich geprägte Stadt, von den Einwohnern gern als „Ag-Town“ (Abkürzung für agricultural) bezeichnet, will stärker auf Wassertourismus setzen. Sie liegt nur gut anderthalb Fahrstunden von Los Angeles entfernt.
Doch die legendäre California State Route 1 macht ausgerechnet hier einen küstenfernen Bogen und verläuft in Oxnards Vororten gemeinsam mit dem Pacific Coast Highway. Deshalb fahren viele Urlauber an der Stadt am Meer vorbei.
Das könnte sich bald ändern: Oxnards Tourismuschefin Brittney Hendricks jedenfalls freut sich auf die „Germany and Oxnard Connection“. Denn 2028 kommt nicht nur Karls, sondern auch der Spitzensport. Die deutschen Ruderer und Kanuten haben Oxnard als Trainingsquartier für die Olympischen Sommerspiele auserkoren. Da kommt an der kalifornischen Küste ein wenig Ostsee-Feeling auf.
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