So sorry! Diese Patzer sollte man bei den Briten unbedingt vermeiden
1. Die traditionelle Begrüßung „How do you do?“ ist ein Relikt aus Schulbüchern. Sie wird nur noch von wenigen älteren Briten oder in sehr formellen Kreisen verwendet – und mit der einzig richtigen Gegenfrage „How do you do?“ beantwortet.
Heute sagt man meist „How are you?“, „Hi, you alright?“ oder „How’s it going?“ Passende Antwort sind „Fine, thanks!“ oder „Very well, thank you!“ Bloß keine langen Erklärungen über dein tatsächliches Befinden – die Frage ist rein rituell.
2. Sag nie geradeheraus, was du wirklich denkst – besonders, wenn dir etwas nicht gefällt. Wer Briten mit deutscher Direktheit konfrontiert, erntet ungezählte Nuancen höflich-gequälter Betretenheit, gefolgt von einem trockenen „How interesting!“, das so ziemlich alles bedeuten kann – außer eben „interesting“.
3. Vordrängeln? Never! Stell dich hinten an, immer und überall: vor der Theaterkasse, im Supermarkt, an der Bushaltestelle, im Pub, beim Bäcker. Wer versucht, sich beim queue jumping mit möglichst unschuldiger oder beiläufiger Miene an anderen vorbeizumogeln, wird garantiert mit missbilligenden Blicken gestraft.
Menschen, die Schlange stehen, um Anne Hathaway‘s Cottage zu besuchen: In dem Haus in Stratford upon Avon lebte die Frau von William Shakespeare als Kind (historische Aufnahme von 1956)4. Dasselbe gilt im Gespräch: Falle niemandem ungebeten ins Wort und lass deine Gesprächspartner in Ruhe ausreden. Verbales Vorpreschen wird mit hochgezogenen Augenbrauen quittiert.
5. Die beiden meistgebrauchten Floskeln der Briten lauten: „Excuse me!“ und „I am sorry!“ Sie tauchen überall auf: beim Vorbeigehen, beim Aufstoßen einer Tür, beim Anecken im überfüllten Bus – ja, selbst wenn dir jemand auf den Fuß tritt, entschuldigt sich häufig zuerst der Angerempelte. Wer diese kleinen Zauberwörter ignoriert, riskiert Stirnrunzeln und wird rasch als ungehobelter Tourist vom Kontinent abgestempelt. Sorry!
6. Formuliere jede noch so kleine Bitte möglichst freundlich und baue ein „please“ in jede zweite Satzhälfte ein: „Would you be so kind…, please?“ oder „If it’s not too much trouble, could you please…?“ So bekommst du ohne Fauxpas den Bleistift rübergereicht oder das Wasser nachgeschenkt.
7. Taucht ein echtes Problem auf – zum Beispiel, wenn die Autovermietung dir statt des gebuchten Cabriolets die Klapperkiste hinstellt –, ist es statt Klartext meist klüger, das Anliegen diskret als Frage zu verpacken: „I’m not sure, but could there have been an error with our booking?" Auch die Ablehnung eines Vorschlags kommt gern in Frageform daher: „Wouldn’t it possibly be better to…?“
8. Bedanke dich lieber einmal zu oft: für den Sitzplatz im Café (auch wenn er mittelmäßig ist), für das Servieren der Scones, für das Hinstellen der Teekanne, und einfach dafür, dass man überhaupt bestellen durfte. Briten schätzen es, wenn jede kleine Geste gewürdigt wird. Also: lächeln, nicken, bedanken, wiederholen – und im Zweifel noch einmal. Zu viel Höflichkeit gibt es nicht. Thank you.
9. So reserviert die Briten sind, so überbordend gehen sie mit ihren Standardfloskeln um. Alles wird als lovely, marvellous oder delightful bezeichnet, jeder wird zum dear, darling oder manchmal sogar zum sweetheart.
Nett gemeint, aber bitte keine falschen Rückschlüsse ziehen: Solche Kosewörter sind keine Einladung zu mehr Nähe als nötig, und wenn ein Londoner sagt: „We should do this again sometime“, heißt das noch lange nicht, dass er dich einfach so in sein Leben lässt.
10. Sage niemals „nein“. Eine direkte Ablehnung, etwa auf eine Einladung zu einer Party oder zu einem Lunch, ist äußerst unhöflich – und sollte in Samt und Seide gekleidet werden. Ein Brite, der keine Lust hat, einer Einladung nachzukommen, wird daher mit einer sogenannten „soft refusal“ antworten: „I’ll try to fit in“, „That might be difficult, but thanks anyway“ oder „That sounds lovely, but I’m not sure I can make it this time“.
11. Im Pub kannst du dich zwar einfach an einen freien Tisch setzen, doch mit Winken, Schnipsen oder Rufen erreichst du nichts. Zum einen gilt das als unfein, zum anderen wird am Tresen bestellt und bezahlt.
Gepflogenheit im Pub: Am Tresen wird bestellt und bezahlt. Bedienung am Tisch ist unüblichDas Bier bringst du normalerweise selbst zu deinem Platz, beim Essen ist es unterschiedlich: Manche Pubs servieren am Tisch, bei anderen musst du abholen. Wer unsicher ist, beobachtet die Locals oder fragt kurz nach.
12. Sei zurückhaltend mit gestikulierenden Händen, überschwänglicher Mimik und allzu temperamentvoller Ausdrucksweise – wir sind hier schließlich nicht bei den Südländern. Ein Kopfnicken, ein leichtes Deuten oder Schulterzucken reicht vollkommen. Zu viel Emotion und Drama um alltägliche Dinge wirkt im Reich des Understatements schnell deplatziert.
13. Das gilt auch für jede Form von Angeberei: Die meisten Briten – abgesehen von Tech-Leuten, Investmentbankern, Staranwälten und Immobilienmaklern – empfinden großspurige Selbstdarstellung als embarrassing, also peinlich zum Fremdschämen.
Eher hört man Sätze wie „I dabble a bit in music“ („Ich beschäftige mich ein bisschen mit Musik“) von jemandem, der in Wahrheit vielleicht regelmäßig die Royal Albert Hall oder andere berühmte Konzerthäuser füllt.
14. Grillen im Stadtpark? Viel Spaß im Fegefeuer. Brutzeln in urbanen Grünanlagen ist nicht nur verpönt, sondern häufig auch verboten. Ein entspanntes Picknick hingegen gehört zum guten Ton und zur britischen Lebensart.
15. Die Briten sind grundsätzlich sehr tolerant, zugleich aber in manchen Traditionen fest verankert. Kritik an der Royal Family wird selten gern gehört, und bei unbedachten Kommentaren über die englische Fußballmannschaft ist die Toleranzgrenze schnell erreicht.
Auch beim Thema Brexit sollten sich ausländische Besucher besser zurückhalten – hier geht es weniger um die persönliche Meinung (die Mehrheit hält den Brexit mittlerweile für einen Fehler) als um die Akzeptanz einer Realität.
16. Der subtile, oft todernst vorgetragene britische Humor ist für Nicht-Insulaner nicht immer sofort erkennbar. Bei einem leisen Verdacht auf Ironie empfiehlt es sich, versonnen zu lächeln, um nicht humorlos zu wirken.
Stoisch zu sein gehört zum Naturell vieler Briten, und ihr trockener Humor schützt sie davor, sich von äußeren Widrigkeiten des Lebens aus der Fassung bringen zu lassen – angefangen beim oft wechselhaften Wetter. Unter dem Motto „hope it rains“ begegnen sie dem Regen gelassen und ziehen sogar kreative Energie daraus.
17. Steig in London nicht in den Bus, wenn du halbwegs flott ans Ziel gelangen möchtest. Wer behauptet, das sei die beste Art, die Themse-Metropole zu sehen, meint es wohl gut, doch einmal drin, bewegst du dich gemächlicher durch die Innenstadt als eine Pferdekutsche.
Bus oder Bahn? Unter der Erde geht es jedenfalls schneller voranRikscha? Auch keine Empfehlung. Mit den leuchtenden Fahrradtaxis magst Du schneller vorankommen als mit dem Bus, doch viele Londoner empfinden sie als Plage, weil sie oft mit dröhnender Musik unterwegs sind (gern „Dancing Queen“ oder „We Will Rock You“). Außerdem sind ihre Fahrer berüchtigt dafür, Kunden hemmungslos abzuzocken. Besser: die Tube (also die U-Bahn), ein Black Cab oder zu Fuß.
18. Wenn du reflexartig alle Einwohner des Vereinigten Königreichs als „Engländer“ bezeichnen willst – tu es nicht. Ein Schotte, ein Nordire oder ein Waliser ist alles Mögliche, aber garantiert kein Engländer.
Sie sind höchstens Briten – wenn überhaupt und je nach Tagesform oder familiärer Tradition. Manche behandeln diese Frage der Identität mit einer Hingabe, wie man sie sonst nur beim Wählen der richtigen Teesorte kennt.
19. Beim Afternoon Tea: Verzehre die Scones niemals wie ein Sandwich. Jeder Brite schneidet sie mit dem Messer in zwei Hälften, streicht jam und clotted cream darauf und isst beide Hälften einzeln. Nur Touristen klappen sie zusammen.
20. Missachte bei formellen Anlässen nicht den Dresscode. Wenn „White Tie“ verlangt wird (du scheinst ganz schön wichtig zu sein!), vermassle es nicht mit der Garderobe: Schwarzer Frack, Gentlemen, dazu weißes Stehkragenhemd und weiße Fliege – daran führt kein Weg vorbei. Für Damen gilt: langes Abend- oder Ballkleid und dezenter Schmuck.
„Black Tie“ bedeutet: schwarzer Smoking. Nicht grau, nicht gestreift, nicht weiß. Dazu trägt man ein weißes Abendhemd mit schwarzer Fliege, ohne Farbausschweifungen. Und sprich nicht von „Smoking“ – die Briten werden dich nicht verstehen. Der Begriff stammt aus Österreich. In den USA sagt man hingegen „Tuxedo“. Damen: langes oder elegant kurzes Abendkleid.
21. Fettnäpfchen-Potenzial für Geschäftsleute birgt das Krawattenmuster: Streifen in bestimmten Farbkombinationen sind in Großbritannien häufig Symbol für eine Internats-, Club- oder Universitätszugehörigkeit.
Was ist das denn für eine Krawatte?22. Auf englische Telefonpartner wirkt ein kurzes, dynamisches „Schmidt“ zur Begrüßung abschreckend. Klassische Redewendungen wie „Hello, my name is Fabian Schmidt“ klingen verbindlicher und erleichtern den Einstieg in ein freundliches Gespräch.
23. Lass beim Verlassen eines Gebäudes dem Nachfolgenden die Tür nicht vor der Nase zufallen. Höflichkeit geht vor Schnelligkeit – den guten Ruf in dieser Hinsicht haben die Briten nicht umsonst.
24. Regen ist kein Grund, Pläne zu ändern. Ein kleiner Schauer gehört zum britischen Lebensgefühl, und schließlich gibt es kein schlechtes Wetter, nur die falsche Einstellung. Und ja, nimm einen Schirm mit. Dies ist Great Britain. Irgendwann regnet es – egal, was die Wetter-App anzeigt.
25. Wer das allgegenwärtige Wettergeplänkel ignoriert, läuft Gefahr, als Außenseiter dazustehen – oder zumindest als jemand, der die Kunst des Smalltalks nicht ernst genug nimmt. Über Regen, Wind und Sonne zu plaudern, ist hier fast schon eine nationale Sportart. Have a nice day.
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