Wir haben Ihren Kopfhörer – bitte zahlen Sie folgenden Betrag
Zunächst sah es nach einer erfreulichen Nachricht aus. „Your item has been found at Frankfurt Airport“, stand in der automatisch erstellten Mitteilung des Fundbüros mit der Vorgangsnummer V39772/26 – der verlorene Gegenstand wurde gefunden.
Zwei Tage zuvor hatte ich den Noise-Cancelling-Kopfhörer in der Lufthansa-Lounge im Bereich A von Terminal 1 am Frankfurter Flughafen liegen lassen. Das Gerät war mir unterwegs zu einem unverzichtbaren Begleiter geworden, weil man sich damit in eine akustische Komfortzone begeben kann, in der störende Umgebungsgeräusche wie Durchsagen zu Handgepäckbestimmungen oder plärrende Smartphones von Mitreisenden weitgehend ausgeblendet werden.
Schon beim Boarding im Bereich B war mir der Verlust aufgefallen, doch da war es bereits zu spät, ich hätte sonst den Flug verpasst. Also gab ich nach der Landung eine Verlustmeldung auf, mit genauen Angaben zum Gegenstand sowie zu Ort und Zeitpunkt des Verlusts.
In der Nachricht des Fundbüros hat mich ein Absatz stutzig gemacht: Ein Kurierdienst werde mit einem personalisierten Angebot auf mich zukommen, um eine sichere Zustellung des gefundenen Gegenstands zu gewährleisten. Was kann man dafür schon verlangen, dachte ich. Vielleicht 30 Euro?
Ein unmoralisches Angebot
Meine Schätzung lag weit daneben: Die Lieferung nach Berlin sollte 99,26 Euro kosten. Wie der beigefügten Aufschlüsselung zu entnehmen war, entfielen davon 15 Euro auf den „Pick-up“ am Fundbüro, 9 Euro auf die Verpackung und 39 Euro auf den Versand. Hinzu kamen eine Verwaltungsgebühr von 10 Euro, eine Servicepauschale des Frankfurter Flughafens in Höhe von 17,65 Euro sowie eine Gebühr von 2,82 Euro für die Zahlungsmethode, das Ganze zuzüglich 19 Prozent Mehrwertsteuer.
Puh. Man hat sich ja daran gewöhnt, dass am Flughafen alles ein wenig teurer ist als anderswo, aber dieses Angebot kam nicht nur mir ganz schön dreist vor, sondern jedem, dem ich davon erzählt habe.
Zwischen Januar 2024 und Oktober 2026 hat das Fundbüro des Frankfurter Flughafens rund 137.000 Fundsachen erfasst, nicht selten handelt es sich dabei um Wertgegenstände. Da der Airport meist zum Umsteigen genutzt wird, dürften die wenigsten Passagiere die Gelegenheit haben, die Fundstücke persönlich abzuholen.
Die Tarife für die Zustellung erinnern deshalb ein wenig an die Lösegeldforderungen nach einem Hackerangriff mit Ransomware: Der aufgerufene Betrag tut weh, aber was soll man sonst machen?
Die Pressestelle des Flughafens weist auf Anfrage darauf hin, dass die Preisgestaltung für den Versand ausschließlich beim externen Dienstleister liegt und weder Fraport noch die Betreibergesellschaft des Fundbüros daraus irgendwelche Einnahmen erzielen.
Mein Vater hilft
In meinem Fall musste ich meinen 80-jährigen Vater nicht lange überreden, den Kopfhörer am Flughafen abzuholen. Meine Mutter und er leben keine 45 Minuten entfernt, und er hat eine generationsbedingte Aversion gegen überhöhte Preise.
Es verbiete sich „schon aus Prinzip“, fast 100 Euro für eine Zustellung im Inland zu bezahlen, sagte er. Er zahlte vor Ort eine Verwaltungsgebühr von 21 Euro und nahm das Gerät für mich entgegen.
Jetzt ist der Kopfhörer wieder in meinen Händen.
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