Dem tropischen Wasser so nah, die weißen Strände in Sichtweite. Eine Kreuzfahrt durch die Karibik klingt verlockend, kann aber durchaus enttäuschend sein. Man fühlt sich dort zuweilen wie ein Zaungast.

Es kann sich ziemlich masochistisch anfühlen, von Bord beobachten zu müssen, wie andere Karibik-Urlauber schnorcheln, Jetski fahren oder von Badeplattformen kleiner Yachten jauchzend ins Wasser springen. Man blickt sehnsüchtig hinüber. Wie gern würde man jetzt auch in einer Hängematte unter Palmen schaukeln.

Tag für Tag kreuzt man auf Schiffen, etwa von Royal Caribbean, Disney Cruise Line oder auch Norwegian Cruise Line, zwischen Trauminseln. Nach dem Festmachen am Pier bleibt zwar freilich auch Zeit für einen organisierten oder individuellen Strandausflug, aber das ist meistens ein unentspanntes Rennen gegen die Zeit, bevor das Schiff wieder ausläuft.

Und es ist ja auch nicht das einzige Schiff weit und breit. In den Häfen und auf den am schnellsten erreichbaren Stränden wimmelt es nur so von Kreuzfahrtgästen, ob in der Dominikanischen Republik, auf den Bahamas oder auf Curaçao.

Denn die Karibik ist in fester Hand von Schiffen aus den USA, da die Region ja auch quasi vor der Haustür liegt. 16,5 Millionen Kreuzfahrtgäste überschwappen 2026 die Karibik, meldet Cruise Lines International Association (Clia). Mehr als 200 Schiffe von über 40 Reedereien sind in der Karibik unterwegs, meist ab/bis Florida.

Das ist zwar ein Superlativ, aber nicht bei den 3,3 Millionen deutschen Kreuzfahrtgästen: Karibik-Schiffsreisen (inklusive Mittel- und Südamerika) gelten hierzulande als Nischenmarkt, nur gut 6,5 Prozent buchen eine solche Kreuzfahrt, so die letztverfügbare Statistik aus dem Jahr 2025. Das liegt vor allem auch an der weiten Anreise für das Inselhopping.

Das erschwerte spontane Badevergnügen im tropischen Meer ist einer der entscheidenden Gründe, warum deutsche Gäste reine Karibik-Kreuzfahrten eher scheuen. Stärker nachgefragt ist deshalb eine Kombination aus Karibik-Kreuzfahrt und Badeverlängerung in einem Hotel, die aber bisher von den Reedereien selbst als Paket nicht angeboten wird, sondern über Reisepartner geschnürt wird.

So verkaufen beispielsweise die Veranstalter Aldi Reisen und Berge und Meer für den Winter 2027 MSC-Kreuzfahrten mit Badeaufenthalt in der Dominikanischen Republik. Schauinsland-Reisen kombiniert ein All-Inclusive-Resort in Punta Cana mit einer AIDA-Karibiktour.

Karibik-Coup

Jetzt aber wollen auch Kreuzfahrtunternehmen am Urlaub an Land mitverdienen. Der Kreuzfahrtkonzern Royal Caribbean Group, zu dem als Joint-Venture auch die 14 Schiffe von TUI Cruises und Hapag-Lloyd-Cruises zählen, geht an Land.

Er ist bei der größten karibischen Hotelgruppe Sandals eingestiegen, die 19 schicke Resorts hat, investiert nach eigenen Angaben drei Milliarden Dollar und übernimmt gleich mal 50 Prozent.

Das bedeutet: Damit steigt ein Kreuzfahrtunternehmen erstmals in den Markt für All-inclusive-Resorts ein. Beide Unternehmen wollen ab 2027 kombinierte Angebote aus Kreuzfahrten und Hotelaufenthalten anbieten. Andere Kreuzfahrt-Riesen dürften nachziehen.

Das ist spannend, gerade für den deutschen Markt. Denn Konkurrenz naht. Hotelgruppen wie Ritz-Carlton, Four Seasons oder auch Aman Resorts gehen inzwischen vom Land aufs Meer und lassen ein Luxus-Schiff nach dem anderen bauen. Wenn deren Gäste nach ein paar Tagen im Strandresort auch noch auf eine Yacht aufs Meer wollen, dann bieten die Hotelgruppen das inzwischen lieber selbst an.

Privatstrand nur für Kreuzfahrtgäste

Alle großen Reedereien investierten bisher nur in Badetage auf eigenen Inseln und Privatstränden in der Karibik. Zehn davon gibt es bereits; diese werden während der Reise angelaufen – und dort geht es dann gemeinsam an den Strand. Damit sparen die Reedereien Hafengebühren, haben ihre Gäste weiter unter ihren Fittichen und kassieren zugleich deren Ausgaben an Land.

Der gemeinsam verbrachte Strandtag mit quasi allen Passagieren ist aber nicht jedermanns Sache. Es ist lediglich die Verlagerung des Bordaufenthalts an den Strand, von Holzplanken auf Sandkörner. Mit Wasserspielen, Animation und Barbecue unter Palmen.

Während viele US-Gäste diese bequeme Variante schätzen, kommt sie bei deutschen Kreuzfahrtgästen nicht so gut an.

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