Immer mehr Caravan-Fans möchten länger unterwegs sein, ohne dauernd die Batterie aufladen oder Wasser nachtanken zu müssen. Es gebe eine stark wachsende Klientel, die nicht „Parzelle an Parzelle“ auf dem Campingplatz stehen wolle, sondern lieber auf den Bauernhof oder zum Winzer fahre und frage, ob sie dort ein paar Tage stehen könne, sagt Daniel Onggowinarso vom Caravaning Industrie Verband (CIVD).

Wenn aber die Batterie zu klein und kein Stromanschluss verfügbar sei, könne so ein Vorhaben „schnell ungemütlich“ werden, sagt der Branchenfachmann. Die Hersteller haben auf diese veränderte Nachfrage reagiert und ihr Angebot erweitert. Bei dem Trend geht es um die sogenannte Autarkie, die Möglichkeit, sich auf Reisen länger selbst versorgen zu können.

Zielgruppe sind Pärchen oder Freunde, sagt Onggowinarso. „Es sind Leute, die gerne auf Kurztrips gehen und die freitagabends nach der Arbeit zum Winzer fahren und dort einfach sorglos stehen möchten.“ Familien mit Kindern dagegen wollten weiter lieber auf einen Campingplatz.

Vom Offroad-Bereich in den Massenmarkt

Um die neuen Wünsche zu bedienen, sind größere Batterien und Wasserspeicher sowie Photovoltaik-Anlagen wichtig. Im Offroad-Bereich, also bei Fahrzeugen für Expeditionen, sind solche Extra-Kapazitäten schon länger vorhanden. Nun sind sie auch in Reisemobilen und im Wohnwagen für den Massenmarkt angekommen. Die verbesserte Unabhängigkeit hat allerdings ihren Preis, die Autarkie-Funktionen verteuern die Fahrzeuge in der Regel deutlich.

Ein Beispiel für ein Reisemobil, das man lange ohne Nachladen nutzen kann, ist das Modell B-ML von Hymer. Das kostet rund 178.000 Euro, mindestens. Das Reisemobil bietet einen großen Gastank, der lange reicht zum Kochen, fürs Erwärmen von Wasser oder für die Heizung. Im Vergleich zu anderen Fahrzeugen sei die Gas-Kapazität etwa doppelt so hoch, heißt es von dem Unternehmen aus Baden-Württemberg.

Nachgerüstet hat Hymer auch beim Batteriesystem der Solaranlage. Zudem ist das Toilettensystem Firmenangaben zufolge technisch optimiert, wodurch der Wasserverbrauch reduziert wird. Müsse eine vierköpfige Familie das Toilettenwasser bei durchschnittlichem Verbrauch alle zwei Tage austauschen, so reicht es Herstellerangaben zufolge nun für sechs bis sieben Tage. Der Frischwasser-Tank an Bord fasst 200 Liter und damit 20 Liter mehr als zuvor.

Die Angebotsänderung ist eine Gratwanderung: Einerseits soll mehr Strom, Wasser und Gas verfügbar gemacht werden, andererseits darf die Erweiterung nicht zu viel Stauraum fressen, in dem andere Sachen lagern sollen – etwa die Getränkekiste, die für den Ausflug ins Grüne auch benötigt wird.

Mehr Wasser, mehr Strom, mehr Gas: Das Hymer-Reisemodell B-ML ermöglicht längere autarke Standzeiten

Hilfreich ist genaues Wissen über den Energie- und Wasserverbrauch: Über ein Display im Reisemobil und über eine App kann der Nutzer leicht sehen, wie der Stand der Dinge beim Verbrauch ist und ob es Luft nach oben gibt beim Sparen. Etwa, wenn die Klimaanlage versehentlich noch läuft.

Transparenz für bewussten Energieverbrauch

Auch der Hersteller Hobby-Wohnwagenwerk misst der digitalen Fahrzeugsteuerung bei dem Trend zur Autarkie eine wichtige Rolle zu. Mit dem sogenannten HobbyConnect-System könnten Nutzer etwa Batterie- und Tankfüllstände am Bedienpanel im Fahrzeug und am Smartphone überwachen und bestimmte Funktionen steuern.

Beim Kauf von Hobby-Wohnwagen kann man ein „Autarkpaket“ dazu wählen, wodurch Kapazitäten erweitert werden. Es gehe aber nicht allein um größere Batterien oder Tanks, sagt Marketingchef Frank Mauke. „Entscheidend ist das Zusammenspiel aus effizienter Fahrzeugtechnik, intelligentem Energiemanagement und einer bedarfsgerechten Ausstattung.“

Die veränderte Nachfrage ist ein großes Thema in der Branche, wie es zuletzt vor rund drei Wochen auf der Reisemobil- und Wohnwagen-Messe Caravan Salon in Düsseldorf deutlich wurde. „Freiheit, Unabhängigkeit und die Möglichkeit, spontaner zu reisen, sind zentrale Motive für den Kauf eines Reisemobils“, so der Marketingchef von Carthago, Alexander Wehrmann.

Hohe Lagerbestände sorgen für Schnäppchen

Doch die Caravanbranche ist aktuell in einer schwierigen Lage: Nach einer sprunghaft angestiegenen Nachfrage in Corona-Zeiten sanken die Verkaufszahlen zuletzt, allerdings auf insgesamt hohem Niveau. Mittel- und langfristig gehen die Firmen davon aus, dass die Nachfrage wieder steigen wird. Angesichts hoher Lagerbestände sind laut Branchenverband CIVD „Schnäppchen“ möglich.

Im neuen Action Mobil Global XRS 7400 Leopard sorgen eine 2,1-kW-Solaranlage und Batterien mit bis zu 36 kWh Kapazität für Autarkie. Der Basispreis beträgt 1,5 Millionen Euro

So wirklich billig wird es aber nicht: Viele Wohnwagen sind nur für einen hohen fünfstelligen Euro-Betrag zu haben, und wer ein Reisemobil kaufen möchte, der könnte im sechsstelligen Bereich landen. Die Preise von einigen Luxus-Reisemobilen überschreiten sogar die Millionengrenze – und das sogar teils deutlich.

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