Es ist der Wunsch jedes anspruchsvollen Reisenden, im luxuriösesten Hotel zum niedrigsten Preis abzusteigen. Doch in einer Zeit, in der Zimmerpreise gern die 1000-Euro-Grenze überschreiten und das als ein Stück neuer Normalität angesehen wird, erscheinen vernünftige Preise in weiter Ferne.

Kein Wunder also, dass das britische Verbrauchermagazin „Which?“, ein Pendant zur Stiftung Warentest, die Gelegenheit genutzt hat, in 76 Ländern die günstigsten Fünfsternehotels aufzuspüren. Die Verbraucherschützer haben die Hochsaisonpreise Tausender Häuser durchforstet – am günstigsten weltweit fiel ein Resort in Vietnam mit eigenem Privatstrand aus, für gerade einmal 22 Pfund die Nacht (rund 26 Euro).

Eine weltweit einheitliche Definition eines Fünf-Sterne-Hotels gibt es freilich nicht, die Klassifizierungen unterscheiden sich von Land zu Land – was den Vergleich erschwert. Daher ist „Which?“ eigenen Angaben zufolge so verfahren: Bei Hotels.com filterte das Magazin alle Häuser heraus, die von Nutzern mit weniger als 8 von 10 Punkten bewertet wurden oder eine dürftige Ausstattung aufwiesen.

Zu den weiteren Schnäppchen zählt ein Spa-Hotel in Ungarn, gelegen in einem zehn Hektar großen Park nahe einem See, für umgerechnet 119 Euro. Näher an der Heimat der Redaktion wurde das inhabergeführte „Roseate“ im südenglischen Reading zum günstigsten Fünf-Sterne-Hotel Großbritanniens gekürt: Zimmer ab 130 Euro.

Manche Länder sind allerdings so teuer, dass selbst das preiswerteste Fünfsternehaus die Reisekasse ordentlich belastet. Im „The Reykjavik Edition“ etwa kostet ein Doppelzimmer ab 402 Euro – allerdings in der Nebensaison.

Doch fünf Sterne und ein Kampfpreis garantieren noch keinen gelungenen Aufenthalt. Hier kommen unsere Empfehlungen.

„Nobis Hotel“ – Stockholm, Schweden

Guckst du noch, oder schläfst du schon? Stilvolle Suite im „Nobis Hotel“ in Stockholm

Skandinavien gilt als notorisch teuer, umso mehr sticht dieses Haus in der schwedischen Hauptstadt hervor. Zentraler geht es kaum: Es liegt direkt am Norrmalmstorg, im wohlhabenden Einkaufsviertel Östermalm. Die beiden historischen Gebäude des Hotels mit originalgetreuen Holztreppen und Steinböden stammen aus dem 19. Jahrhundert.

Klassiker skandinavischen Designs dürfen nicht fehlen: übergroße Papierlampen, viel Naturmaterial. Kontrastprogramm in der „Gold Bar“, deren Wände und Decke mit goldfarbenen Spiegeln verkleidet sind. Die 201 Zimmer haben Bäder mit Interieur aus Carrara-Marmor. Das hauseigene Restaurant „Noi“ serviert moderne europäische Küche zum Teilen und hat sich längst zum Treffpunkt der Stockholmer entwickelt.

Preis und Infos: Doppelzimmer ab 194 Euro (nobishotel.se/de)

„The Roseate Reading“ – Berkshire, England

Das Roseate befindet sich in einem denkmalgeschützten Gebäude, dessen Geschichte bis ins Jahr 1911 zurückreicht

Reading zählt nicht gerade zu den mondänen Adressen des Königreichs – aber seit die neue Schnellbahnlinie Elizabeth Line fährt, ist die Stadt eine ernstzunehmende Alternative für London-Besucher, zum Bruchteil der dortigen Preise.

Vom „Roseate“ sind es nur sechs Fußminuten zum Bahnhof, in gut einer Stunde steht man in Paddington. Das denkmalgeschützte Hauptgebäude von 1911 diente einst den Anwälten der Grafschaftsverwaltung von Berkshire. Spuren dieser Vergangenheit sind bis heute sichtbar: originale Holzvertäfelungen, verzierte Stuckdecken, Marmorboden, mächtige Kamine. Zum Entspannen lädt das kleine Spa mit Sauna und Dampfbad.

Preise und Infos: Doppelzimmer ab 130 Euro (roseatehotels.com)

„The Ciao Stelio Deluxe Hotel“ – Larnaka, Zypern

Zypern hat mehr zu bieten als die Bettenburgen, mit denen viele Reisende die Insel zu Unrecht gleichsetzen – und man bekommt echten Gegenwert fürs Geld, wenn man es richtig macht. Dieses Adults-only-Haus direkt am Strand hat den Charakter eines Boutiquehotels: 51 Zimmer, zwei Suiten, überall eigenwillig gewählte Kunstobjekte.

An der Bar werden zum Aperitif hübsch drapierte Canapés gereicht, im Restaurant folgen dann Gerichte wie Lammrücken in Pistazienkruste oder sautierte Meeresfrüchte, beträufelt mit Zitronenlikör. Ein nahegelegenes Fitnesscenter mit Hallenbad steht den Gästen kostenfrei zur Verfügung.

Preis und Infos: Doppelzimmer ab 186 Euro (theciaostelio.com).

„The Marcliffe Hotel and Spa“ – Aberdeen, Schottland

Dieses viktorianische Landhaus in weitläufigem, akkurat gepflegtem Park hat über die Jahre Royals, Politiker und Prominente beherbergt. Es liegt außerhalb des Stadtzentrums, umschlossen von rund 4,5 Hektar Wald und altem Gartenbestand.

Das inhabergeführte Haus setzt in seinen 38 großzügigen Zimmern und Suiten auf klassische, traditionsbewusste Gastlichkeit – ergänzt um modernen Komfort wie einem Spa. Das Abendessen wird im Wintergartenrestaurant serviert, die regionale, fischlastige Karte ist ein Vergnügen. In der Bar und Lounge „The Drawing Room“ warten tiefe Sessel und Sofas – der Ort für Afternoon Tea, Aperitif und Digestif.

Preis und Infos: Doppelzimmer ab 190 Euro (marcliffe.com)

„Heritage Le Telfair Golf & Wellness Resort“ – Bel Ombre, Mauritius

Für Flitterwöchner ist dieses reine Suitenhotel eine gute Adresse: Es liegt an einem stillen, schmalen Sandstrand zu Füßen des Black-River-Gorges-Nationalparks. Eine Brücke führt über den Fluss, vorbei am zentralen Infinity-Pool mit seinen Musselin-Stoff bespannten Cabanas, bis ans Meer. In den tropischen Gärten schaukeln Gäste in Hängematten.

Das Haus gehört zu der Boutique-Hotel-Vereinigung „Small Luxury Hotels of the World“. Zum Zimmer gibt es Butlerservice. Zwei Pools – einer im Winter beheizt – und ein Spa gehören dazu. Das Freizeitangebot lässt kaum Wünsche offen – von Kitesurfen und Golf bis zu Yoga und Kochkursen.

Preis und Infos: Doppelzimmer ab 396 Euro (heritageresorts.mu/hotels-mauritius/le-telfair)

„Voco St David’s“ – Cardiff, Wales

Beste Aussichten sind während eines Aufenthaltes im „Voco St David’s“ in Cardiff gesichert

Das mit einem Segeldach überspannte Haus an der Cardiff Bay bietet einen spektakulären Blick über das Wasser hinüber nach Penarth, dem wohlhabenden Seebad am anderen Ende der Bucht. Farbe und Ornamente in den Zimmern greifen das Meer und seine Gezeiten stilistisch auf. Das Restaurant arbeitet mit frischen walisischen Zutaten – die Handschrift der Küche ist unverwechselbar. Das Spa zählt zu den besten des Landes, samt Hydrotherapiebecken und naturinspirierten Anwendungen.

Direkt nebenan liegt ein Feuchtgebiet von etwa acht Hektar, ein ruhiger Ort für Spaziergänge in der Abenddämmerung. Und dann die Architektur: Das geschwungene, kobaltblaue Atrium windet sich nach oben – bis in den siebten Stock. Die umlaufenden Innenbalkone auf jeder Etage erzeugen die Illusion eines Raums, der sich ins Unendliche öffnet. Die Preise für ein Doppelzimmer liegen im Juni zwar teils über 700 Euro. Es geht aber auch weit günstiger.

Preis und Infos: Doppelzimmer ab 116 Euro (stdavids.vocohotels.com)

„Avani Deira“ – Dubai, VAE

In einer Stadt, die für Glamour und Hotels in Superjachtform steht, wirkt „günstig“ fast wie ein Stilbruch. Doch abseits der teuren Palm Jumeirah gibt es durchaus preiswerte Adressen – das „Avani Deira“ etwa, gelegen am Dubai Creek in einem der ältesten Viertel der Stadt.

Ein Dachpool gehört dazu, ebenso ein arabisches Restaurant mit dem Fang des Tages. Avani ist kein Glanzname – aber wer Verlässlichkeit über Prestige stellt, ist hier richtig.

Preis und Infos: Doppelzimmer ab 40 Euro (avanihotels.com/de/deira-dubai)

„Grand Hotel Continental Bucharest“ – Bukarest, Rumänien

Willkommen im Junior-Apartment im „Grand Hotel Continental Bucharest"

Dieses Haus aus dem 19. Jahrhundert in einer eleganten Ecke der rumänischen Hauptstadt zählt laut „Which?“ zu den eindrucksvollsten Adressen der gesamten Liste. Die 59 Zimmer des Continental haben eine noble, nostalgische Note; die Einrichtung wurde sorgfältig auf renommierten Auktionen zusammengetragen.

Im Gourmetrestaurant erwarten den Gast Silberbesteck, Kandelaber, Barockmobiliar und Kellner in Weste. Aufmerksame Concierges und ein Spa mit Whirlpool und Sauna gehören zu den Selbstverständlichkeiten. Bukarest bleibt eine der bezahlbaren Metropolen Europas – auch bei gepflegten Ketten wie JW Marriott oder Intercontinental sind Zimmer schon für wenig mehr als 100 Euro zu haben.

Preis und Infos: Doppelzimmer ab 105 Euro (grand-hotel-continental-bucuresti.continentalhotels.ro/en)

Fünf weitere bezahlbare Luxushäuser:

Die Hotelrezensionen des „Telegraph“ – über zehntausend an der Zahl – sind eine Fundgrube für ausgezeichnete, erschwingliche Adressen. In Dubai gehört das „25hours One Central“ (all.accor.com) zu unseren Spitzenreitern; hier ist auf Wunsch von morgens bis nachts für Abwechslung gesorgt – mit den führenden Kaffeeröstern der Stadt, einer „bayerischen Wirtschaft“, einem Dachpool und sogar einer Töpferwerkstatt (Doppelzimmer ab 150 Euro).

An Riad-Hotels zu moderaten Preisen mangelt es in Marrakesch nicht, und das „Riad L’Atelier“ (riadlatelier.com) im nordöstlichen Winkel der Stadt zählt laut „Telegraph“ zu den besten seiner Art: Der Riud, um den sich die fünf Suiten gruppieren, sei „erfrischend hell“ und „lichtdurchflutet“. Im Zentrum lädt ein türkisfarbener Pool – „gerahmt von skulpturalen Palmen und schönen Ornamentfliesen“ – zum Baden (Doppelzimmer ab 140 Euro).

Weite Teile Südostasiens bieten ein beeindruckendes Preis-Leistungs-Verhältnis, allen voran die kambodschanische Küste. Im beschaulichen Kep, berühmt für seine Krabben, liegt das „Knai Bang Chatt“ (kepwest.com/knaibangchatt). Das Strandresort in modernistischer Architektur hat 18 Zimmer und einen großen Pool, unmitten ruhiger Gärten. Weite Meeresausblicke inklusive (Doppelzimmer ab 150 Euro).

Auch anderswo in Asien lohnt sich der Blick: Das „Eaton Hong Kong“ (eatonhk.co-hongkong.com/de), ein Hochhaushotel, biete „stilsichere, den 1970er-Jahren nachempfundene Zimmer, einen Dachpool, ein mit einem Michelin-Stern ausgezeichnetes kantonesisches Restaurant und einen fabelhaften Food Court“ (Doppelzimmer ab 140 Euro).

Und schließlich Sri Lanka: In Ahangama, dem Surferdorf an der Südküste, steht das „PALM“ (palmhotelsrilanka.com): giebelförmige Cabanas mit Außendusche, viel Sichtbeton, Sichtstahl, Fensterfronten. In den Gärten baumeln die Hängematten, die Küche ist nährstoffreich. Die Betreiber stammen aus England und haben sich vom Wandel eines einst ärmeren Londoner Ortsteils inspirieren lassen: Shoreditch, wo Lagerhäuser zu schicken Lofts wurden (Cabanas ab 130 Euro).

Dieser Text erschien zuerst beim „Telegraph“. Übersetzt und redaktionell bearbeitet von Stefan Weißenborn.

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