Diebe fliegen auch in der Business Class mit
Urlaubszeit ist Diebeszeit, und das gilt leider auch im Flieger. Damit aber rechnen die wenigsten Passagiere, beispielsweise unterwegs auf der Langstrecke nach Asien.
Da wird viel gedöst, Filme geschaut, Musik gehört. Niemand achtet sonderlich darauf, wer warum während eines Fluges in den Ablagefächern herumkramt. Normalerweise sind es ja auch unbescholtene Mitreisende, die nur nach ihrem Pullover oder Ohrstöpsel suchen.
Dass es auch Gewohnheitsdiebe sein könnten, die sich auf Flüge spezialisiert haben, will man kaum glauben. Ausgerechnet in einer abgeschlossenen Kabine über den Wolken, mit Hunderten Augenzeugen und einer aufmerksamen Crew? Und das auch noch bekanntlich ohne Fluchtmöglichkeit. Doch diese Arglosigkeit kann sich rächen.
So warnen die ersten Airlines: Sowohl Swiss als auch Etihad bitten – nach mehreren Diebstählen – auf ihrer Langstrecke von Zürich bzw. Abu Dhabi nach Hongkong ihre Passagiere mit Durchsagen, Wertsachen nicht in den Ablagefächern aufzubewahren, sondern bei sich zu tragen. Besonders betroffen ist die Business-Class.
Da fragt man sich: Wie häufig wird denn an Bord gestohlen? Konkrete Zahlen nennen die beiden Airlines nicht, auch weil viele Diebstähle erst nach der Landung entdeckt und nicht immer der Polizei oder der Fluggesellschaft gemeldet werden. Lufthansa Group, zu der auch Swiss gehört, sieht keinen erkennbaren Trend zu einer möglichen Häufung von Fällen auf bestimmten Routen. Dennoch könne es grundsätzlich auf Flügen zu äußerst seltenen und isolierten Fällen kommen.
Anstieg auf bestimmten Strecken
Anders sieht es die IATA: Der internationale Luftverkehrsverband berichtet seit einer ganzen Weile von einem deutlichen Anstieg auf bestimmten Strecken nach Asien. Er sei nach IATA-Angaben nicht gravierend, aber ernstzunehmend genug. So wurden beispielsweise in Hongkong zwischen Januar und Oktober 2024, so die letztverfügbare Zahl, 169 Diebstähle an Bord von Flugzeugen registriert – ein Anstieg um 75 Prozent gegenüber 2023.
Etwa 70 Prozent dieser Fälle betrafen Kurzstreckenflüge aus Malaysia, Thailand, Indien und Vietnam, der Rest betraf Flüge über Drehkreuze aus dem Nahen Osten wie Dubai und Doha sowie aus der Türkei und der Schweiz.
Organisiertes Verbrechen
Auch Malaysia mit Kuala Lumpur sowie Singapur melden einen Anstieg der Fälle. Dabei soll es sich um organisierte Banden handeln, die oft zu zweit an Bord kommen. Der eine passt auf oder lenkt ab, der andere stiehlt.
Doch der Handlungsspielraum für Airlines ist grundsätzlich beschränkt: Nur wenn ein Crewmitglied oder das Opfer einen Täter in flagranti erwischt, wird der Pilot die Polizei am Zielflughafen informieren. Dann kann die Kabine vor dem Aussteigen durchsucht werden.
So konnten beispielsweise in Hongkong 2025 mehrere Verdächtige noch an Bord festgenommen werden, die auf Swiss- und Etihad-Flügen Bargeld, Schmuck und Uhren gestohlen haben sollen.
In Singapur wurde 2025 ein versuchter Diebstahl auf einem Singapore-Airlines-Flug von Dubai mit 20 Monaten Haft bestraft, nachdem der geständige Täter versucht hatte, in der Business-Class eine Tasche mit zwei Luxus-Uhren, Schmuck, 4000 Dollar und 56 Zigarren zu entwenden. Die Ehefrau des schlafenden Opfers aber hatte aufgepasst.
Wer schlummert oder erst nach der Ankunft einen Verlust bemerkt, hat Pech gehabt: Für persönliche Gegenstände in der Kabine haftet keine Airline – und auch Reisegepäck-Versicherungen zahlen wegen grober Fahrlässigkeit des unbeaufsichtigten Gepäcks in den Ablagefächern keinen Cent.
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