„Im Alltag hui, im Urlaub pfui“ – so nachhaltig sind Deutsche wirklich
Es ist eine schöne Geste, beim Wandern Müll aufzusammeln. Dazu braucht es nur eine Tüte und Einweg-Handschuhe. In den Nationalparks findet man unterwegs zuverlässig Haarbänder, Dosenlaschen, Glasscherben – alles, was Besucher so in der Natur liegen lassen.
Oder, wie neulich, da ragte ein Konservendeckel aus dem Waldboden mit der Aufschrift „Gutsleberwurst, hergestellt in der DDR“, und zwar vom VEB Schlacht- und Verarbeitungskombinat Eberswalde. Reif für das DDR-Museum, war der erste Gedanke.
Da das eingestanzte Haltbarkeitsdatum im Oktober 1983 abgelaufen war, dürfte der Blechdeckel also 43 Jahre lang achtlos in der Uckermark, bei Groß-Dölln in der Brandenburger Schorfheide herumgelegen haben. Bis ihn endlich mal jemand aufhob, mitnahm und den historischen Müll im hohen Bogen in die gelbe Tonne warf.
Ein wenig Müll sammeln im Urlaub, beim Campen, Wandern oder beim Strandspaziergang? Das ist leider nicht selbstverständlich.
Es gibt zwar in vielen Gemeinden Aktionstage, etwa gemeinsames Strandputzen im Nationalpark Wattenmeer oder Wanderwege entmüllen mit dem Alpenverein, aber dort trifft man oft nur dieselben Leute: Einheimische, Ehrenamtliche und ein paar Naturschützer. Der ganz normale Urlauber aber schwänzt gern.
Das zeigen auch immer wieder Umfragen: Einer aktuellen repräsentativen Studie im Auftrag von HolidayCheck zufolge wirft jeder dritte Deutsche, der angibt, zu Hause nachhaltig zu sein, sein Umweltbewusstsein auf Reisen über Bord. Nach dem Motto: Im Alltag hui, im Urlaub pfui. Daheim wird der Müll brav getrennt, kurz geduscht, kaum Lebensmittel verschwendet.
Doch der Urlaub gilt bei vielen als Freifahrtschein. 69 Prozent der Befragten bezeichnen sich zwar im Alltag als nachhaltig – im Urlaub aber sind es nur noch 56 Prozent. Ein Drittel gibt auch ganz offen zu, im Urlaub nichts von Nachhaltigkeit wissen zu wollen, bei den 16- bis 31-Jährigen sind es sogar 39 Prozent.
Und woran liegt es? Vor allem schlichte Bequemlichkeit und der Wunsch, auch mal verschwenderisch sein zu dürfen. Da wird auch bestimmt kein fremder Müll aufgesammelt.
Belohnung für Urlauber
Gäbe es aber eine Belohnung, dann sähe die Sache schon anders aus: 44 Prozent der Befragten würden sich nachhaltiger verhalten, wenn es Anreize gebe – etwa Rabatte oder Gutscheine.
Deshalb locken bereits die beiden Nationalparks Harz und Schwarzwald mit kleinen Belohnungen, wie man das aus der Hunde-Erziehung kennt: Sie stellen Mülltüten bereit, und wer sie gefüllt nach der Wanderung wieder abgibt, bekommt eine Kleinigkeit geschenkt, einen Gutschein, einen Keks, ein Freigetränk oder einen hübschen Stempel als Erinnerung. Das läuft schon besser, pro Jahr kommen da allein im Harz 1000 Säcke zusammen.
Das Belohnungssystem funktioniert nicht nur in der Natur, sondern auch in Städten: In Kopenhagen etwa erhalten Urlauber seit 2025 einen Rabatt, wenn sie zum Beispiel bei Kanutouren Müll aus den Kanälen fischen. Gut 30.000 Touristen haben schon mitgemacht und 1200 Kilogramm Müll gesammelt.
Berlin hat gerade diese Müll-Aktion für ein paar Wochen kopiert, freilich mit homöopathischem Erfolg: Zwar putzten viele Einheimische, aber nur wenige Kanu-Touristen wollten die vermüllten Spreekanäle säubern. Dafür hätte es wohl einen Schaufelbagger gebraucht.
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