+DWO/Reise+WS Reise Niederlande, Zutphen plus Infokasten
Zutphen, die Marktstadt
Donnerstags und samstags drängen sich in Zutphen viele Menschen, Besucher wie Einheimische, auf dem Wochenmarkt. An den Ständen gibt es Klassiker wie Gouda, Backfisch, Textilien, süßes Gebäck – das war schon zu Zeiten der Hanse so. Zutphen ist seit Jahrhunderten ein wichtiger Marktplatz für die Region. Die 49.000-Einwohner-Stadt entstand auf einer Flussdüne und erhielt um 1191 Stadtrecht.
Typisch für Zutphen sind die vielen Türme: „Damals gab es fast alle 67 Meter einen Turm – das entsprach der Reichweite eines Bogenschützen“, erklärt Stadtführer Dick Laverman. Besonders markant und hoch sind der Turm der Walburgiskerk und der am Weinhaus der Wijnhuistoren.
Uralt ist das Stadttor Berkelpoort, um 1325 erbaut über den Berkel-Fluss. Malerisch das Barlheze-Viertel, es gehört zum ältesten Teil der Stadt. Im Zentrum stammen viele Fassaden aus dem 17. und 18. Jahrhundert, manche Mauern dahinter sogar aus dem 14. Jahrhundert.
Für eine Kleinstadt gibt es jede Menge zu sehen: Die Broederenkerk zum Beispiel ist zur öffentlichen Stadtbibliothek geworden, moderne Lesetische stehen unter gotischen Bögen. Die Walburgiskerk beherbergt dagegen eine historische Bibliothek von 1564 namens „De Librije“: Hier sind die Bücher an den Kirchenbänken festgekettet, damit sie nicht mitgenommen werden.
Zutphen hat viele originelle Geschäfte, in denen es sich entspannt einkaufen lässt, wie das „Paaprika“ mit Hunderten Gesellschaftsspielen in den Regalen. Im Delikatessenladen „Noten & Zo“ gibt es Nüsse, Öle und Salami; die Kaffeerösterei „De Pelikaan“ von 1816 mit charmanter historischer Inneneinrichtung hat ein vorzügliches Tee- und Kaffeesortiment.
Berkelpoort: Das Wasssertor, benannt nach dem Fluss Berkel, ist Teil der Stadtmauer aus dem 14. JahrhundertSogar König Willem-Alexander gefällt die Auswahl an gut 200 Tee- und Kaffeesorten. Er hat die feine Manufaktur bereits als Kronprinz besucht. Seit 1991 ist „De Pelikaan“ Hoflieferant.
Zutphens Lage ist bemerkenswert schön: Direkt westlich der Stadt fließt die IJssel vorbei, begleitet von grünen Auen und moderner Architektur. Ein Kontrastprogramm dazu bietet der Museumshafen mit 18 historischen Schiffen, einige davon sind bewohnt.
Hansekoggen sind nicht dabei, dafür aber viele traditionelle Binnenschiffe mit hohen Masten. Hier kann man locker einen halben Tag verbringen, zumal die Kapitäne alles zur Geschichte ihrer Segelfrachter und Motorkähne wissen.
Wer mag, kann bequem mit dem Fahrrad anreisen: Durch Zutphen verläuft der 450 Kilometer lange Hanseradweg, der nach Harderwijk führt und insgesamt 14 Hansestädte miteinander verbindet, darunter auch Elburg, Kampen und Zwolle.
Kampen: Die mit den Schiffen
An der Kaimauer sind alte Zwei- und Dreimaster vertäut. In Kampen ist die IJssel ein breiter, ruhiger Strom. Den besten Blick auf Großsegler und Skyline hat man vom Nordost-Ufer gegenüber dem Stadtkern: An der Stadtbrücke glänzen goldene Räder, der Turm der Buitenkerk und der Glockenturm des Nieuwe Toren ragen in den Himmel.
Darüber hinaus hat das Städtchen über 500 denkmalgeschützte Gebäude, von Backsteingotik bis Jugendstil, darunter viele Kontor- und Lagerhäuser aus der Hansezeit sowie „Het Kleinste Huisje van Kampen“, ein windschiefes, gerade mal 1,40 Meter breites Häuschen, heute ein Mini-Museum mit Inventar aus Großmutters Zeiten.
Das trutzige Stadttor Cellebroederspoort zeugt vom einstigen Reichtum Kampens, das 1227 erstmals urkundlich erwähnt wurde, 1236 Stadtrecht erhielt und 1441 der Hanse beitrat. „Brügge, Bergen, Lübeck, Kampen – bis 1500 gehörte unser Städtchen zu den großen Hansestädten“, sagt Guide Harry van Dijk. Im Hafen hätten damals um die 100 Koggen gelegen, bauchige Holzschiffe mit riesigem Rahsegel.
Kampen besitzt heute, als einzige niederländische Hansestadt, einen fahrtüchtigen Nachbau – nach einem Wrack, das 1981 im südlichen Flevoland gefunden wurde. Eine weitere Kogge wurde 2016 nahe dem Museumshafen geborgen. Bis zur 800-Jahr-Feier 2027 könnte das Schiff restauriert sein.
Einst eine wichtige Hafen- und Handelsstadt: Kampen an der Flussmündung der IJsselKampens Blüte endete wie in Elburg, weil der Wasserstand immer niedriger wurde. Die Kampener sattelten auf die Zigarrenindustrie um. Tabak wurde aus den niederländischen Kolonien Java und Sumatra importiert. Von 1830 bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts war Kampen ein wichtiges Zentrum der Zigarrenproduktion.
Nur eine Fabrik hat überlebt: De Olifant. Sie stellt bis heute Premiumzigarren in traditioneller Handarbeit her, was man bei einer Führung (inklusive Zigarrenrollen) durch das historische Gebäude schnuppern kann. Nebenan, im „De Eenhoorn“, duftet es ebenfalls nach weiter Welt: Dort röstet Vincent Trabitzsch Kaffeebohnen, in seiner Kaffeebar bietet er auch Mini-Verkostungen an. Wer keine Zigarren und keinen Kaffee als Souvenir mitnehmen möchte, wird bei „De Fantast“ fündig: Der Comicladen hat mehr als 30.000 Hefte im Angebot.
Stavoren: Von Wasser umgeben
Der Zweiklang Hanse und Meer passt von allen niederländischen Hansestädten am besten auf Stavoren. An manchen Tagen schlägt der Wind die Wellen mit Wucht gegen die Steinbuhnen des Fischereihafens
Dann zeigt sich das IJsselmeer in Nordsee-Manier, und Mariet Baumer ist auf dem Deich unterwegs. Sie lebt seit 1977 in Stavoren und fängt immer wieder die Stimmung auf Fotos ein: „Jeder Tag hat ein anderes Licht“. Gerade bricht die Sonne durch dunkelgraue Wolken und lässt die weiße Gischt leuchten. Die Häuser am Hafen strahlen in Rot, Blau, Gelb und Orange.
Frieslands älteste Stadt – sie wurde bereits 900 n. Chr. gegründet – hat nur knapp 1000 Einwohner, ist von Grachten bestimmt und ragt wie eine Halbinsel ins IJsselmeer. Ideal für Wassersportler: Segel- und Motorboote liegen in der Marina; im Hafen Fischkutter, Traditionsschiffe und moderne Jachten.
Fischkutter, Traditionsschiffe, moderne Jachten: Liegeplätze im Hafen von Stavoren sind begehrtAlles hier ist beschaulich: Backsteinhäuschen säumen die Straßen, Schafe grasen auf den Deichen. Urlauber genießen mit Blick aufs Wasser Fisch und Fritten. Im Mittelalter lag die Stadt an der Zuiderzee, einer Meeresbucht zur Nordsee, die mittlerweile durch einen Damm abgetrennt und als Ijsselmeer bekannt ist.
Dank dieser Lage war Stavoren ein wichtiger Handelsplatz – bis der Hafen versandete und heftige Stürme die Stadt mehrmals überfluteten. So sucht man hier heute alte Kaufmannshäuser vergeblich.
Im Museum „t Ponthús“ (friesisch für Fährhaus) lernt man, dass es hier Walfänger gab, normannische Besatzer und eine große Fischereiflotte. Heute gibt es noch acht Krabbenkutter, die sonntags Richtung Nordsee auslaufen. Die Schiffe bleiben mehrere Tage draußen – und sind dort unterwegs, wo einst die Hansekoggen entlangschipperten.
Zwolle: Die neue Hansestadt
Wer Zwolles mächtiges Stadttor Sassenpoort (Sachsentor) aus dem 15. Jahrhundert besucht, fühlt sich auf der Wendeltreppe wie in einem Geheimgang aus dem Mittelalter. Das während der Hansezeit erbaute Tor zählt zu den Top 100 der niederländischen Denkmäler.
Die Trutzburg war Verteidigungs- und Zollturm, im 17. Jahrhundert Stadtgefängnis und später Archiv – all das erzählen Dokumente und Ausstellungen auf vier Stockwerken.
Zwolle war spätestens 1407 offiziell Teilnehmer am Hansetag. Das Alte Rathaus ist ebenfalls ein hanseatischer Höhepunkt. Der Sitzungssaal mit seinen Prachtmöbeln, Gemälden und Kronleuchtern erinnert an das Innere eines Palasts und zeugt vom Selbstbewusstsein der bürgerlichen Kaufleute gegenüber dem Adel.
Im Krieg weitgehend verschont geblieben: Zwolle steht im Ruf, eine der schönsten Altstädte des Landes zu habenIm Laufe des 16. Jahrhunderts lösten sich viele niederländische Städte von der Hanse, darunter auch Zwolle, das zur Festungsstadt wurde. Daher der sternförmige Grundriss des Festungsrings, umgeben von Bollwerken und Grachten. Vom Zweiten Weltkrieg wurde Zwolle recht wenig getroffen, die Altstadt ist eine der schönsten der Niederlande.
Zum Glück geht es aber nicht zu wie in einem Museum. Die Stadt mit ihren gut 130.000 Einwohnern ist lebendig und gar nicht verstaubt. Es macht Spaß, durch die engen Gassen zu spazieren, Bonbons im Tante-Emma-Laden „Zwolse Balletjeshuis“ zu naschen, im Buchladen unter den gotischen Kirchenfenstern der Broerenkerk zu stöbern und im „Zwolsch Warenhuis Blauwdruck“ nach Kunsthandwerk-Souvenirs zu suchen.
Sehenswert ist die Grote Kerk, eines der bedeutenden gotischen Bauwerke der Niederlande, berühmt für seine barocke Arp-Schnitger-Orgel von etwa 1721, die nach langer Renovierung endlich wieder erklingt. Wer kann, sollte sich ein Konzert auf diesem weltberühmten Instrument anhören.
Eher eine Reise in die Zukunft ist ein Besuch im „Museum de Fundatie“, das moderne und zeitgenössische Kunst zeigt, von Van Gogh bis Picasso. Auf dem klassizistischen Gebäude liegt wie ein Ufo eine Wolke aus 55.000 weiß-blauen Fliesen als Obergeschoss. Zwolle kann Gestern, Heute und Morgen.
Abends spielt das Leben in und vor den Kneipen und Lokalen. Empfehlenswert: Im Drei-Sterne-Restaurant „De Librije“ in einem ehemaligen Gefängnis wird sensationelle regionale Küche aufgetischt, etwa Zander aus dem Ijsselmeer, glasiert mit Apfelsirup und belegt mit im Haus geräuchertem Speck.
Elburg: Die Geplante
Sie wirkt wie eine viereckige Festung mit Burggraben, umgeben von fischreichen Grachten, Wällen und Stadtmauern. Besucher laufen über die Brücke, die in die Jufferenstraat übergeht. Fischernetze sind über diese Haupteinkaufsstraße gespannt, die geradeaus zum Hafen führt. Restaurants, Cafés und Andenkenläden ziehen viele Tagesgäste an.
Elburg gehört zur Provinz Gelderland, die bis zur Trockenlegung der südlichen Zuiderzee direkt am offenen Wasser lag. „Im Mittelalter war Elburg wegen seiner Lage am Meer Stürmen ausgesetzt und oft überschwemmt“, erzählt Stadtführer Frits Schmidt.
Deshalb wurde 1392 eine neue Stadt hochgezogen: Quer- und Längsstraßen rechtwinklig zueinander, auf 250 mal 350 Metern. Abseits der Hauptstraße wirkt Elburg wie ein englischer Krimischauplatz mit engen Gassen und mehr als 250 denkmalgeschützten Bauwerken. Das kleinste Haus ist gerade mal 3,50 Meter breit. Manche Gebäude verschmelzen mit der Festungsmauer.
Historische Karte von Elburg, circa 1650–1799: „viereckige Festung mit Burggraben“Aktuelle Luftaufnahme: Das historische Zentrum von Elburg heuteBänke stehen neben den Haustüren auf mit Mosaiken verzierten Kieselbürgersteigen. Überbordende Blumenkübel ersetzen die aus Platzgründen nicht vorhandenen Gärten. Für die Ortsgröße – heute hat die Gemeinde Elburg 24.000 Einwohner – unverhältnismäßig groß ist die St.-Nikolaus-Kirche. Sie wurde von der Hanse finanziert, genau wie das Kloster mit seinem stillen Innenhof, und ist einer der Lieblingsplätze von Frits Schmidt.
Während seiner Stadtführungen zeigt er Elburgs Originale: Orgelmuseum, Stadtbrauerei und Kräutergarten, eine alte Schmiede. Und er führt seine Gäste zu einem Seilmacher, der noch Schiffstaue per Hand fertigt. Schiffsbauer betreuen eine Werft samt dazugehörigem Museum und bieten Fahrten auf historischen Bottern an, die Elburger Variante von Fischerbooten aus Holzplanken.
Fürs Dinner empfiehlt sich das Restaurant „Achter de Poorte“ am Fischtor, das neben Fisch auch moderne französische Küche serviert. Zum Schluss klettert man über eine Leiter auf die Stadtmauer und schaut Richtung Norden – über plattes Land hinüber nach Kampen, dessen Türme sich am Horizont abzeichnen. „Dieser Blick“, sagt Schmidt, „wird hoffentlich nie verbaut!“
Tipps und Informationen:
Wo wohnt man gut? Zwolle: „Stadslogement Bij de Sassenpoort“, Bed-and-Breakfast, Apartment im Zentrum. Doppelzimmer mit Frühstück ab 158 Euro (über booking.com). Elburg: „Hotel Elburg“, drei Sterne, Doppelzimmer ab 100 Euro (hotelelburg.nl). Kampen: „Boetiekhotel Kampen“, Doppelzimmer mit Frühstück ab 130 Euro (hotelkampen.nl). Zutphen: „Hampshire Hotel“, vier Sterne, Doppelzimmer mit Frühstück ab 159 Euro (hotelsgravenhof.nl); „Hotel Broederenklooster“, vier Sterne, Doppelzimmer ab 150 Euro (broederenklooster.nl). Stavoren: „Het Hanzehuis“, 50 Meter zum Hafen, Apartments ab 140 Euro (hanzehuis.nl).
Weitere Infos: holland-hanse.de; das-andere-holland.de; waterlandvanfriesland.nl/de/stavoren; inzutphen.nl/de
Die Teilnahme an der Reise wurde unterstützt vom Hanzesteden Marketing. Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit finden Sie unter go2.as/unabhaengigkeit
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