Wo Deutschlands Bäume der Superlative wachsen
Sie sind oft knorrig, riesig, von Sagen umwoben und uralt, manchmal auch schlank und biegsam: Bäume faszinieren Menschen seit jeher. Etwa 90 Milliarden wachsen in Deutschlands Wäldern – das sind etwa 1100 Bäume pro Einwohner. Die meisten sind Fichten und Kiefern. Doch können Wanderer vielerorts, etwa auf Rügen oder im Nationalpark Hainich, noch durch Buchenwälder streifen, wie sie einst das ganze Land bedeckten.
Eichen sind ebenfalls weit verbreitet – und populär. Ihre Blätter zieren die Rückseite der deutschen 1-, 2- und 5-Cent-Münzen. Und manche Bäume übertreffen alle anderen, brechen landesweit Rekorde. Wir stellen drei Riesen vor, die alle eine Reise wert sind.
Darauf ein Likör: Die Dickste
Eine Tour auf dem Ems-Radweg streift idyllische Flussauen, historische Ortskerne, Museen wie Dat Otto Huus in Emden, das dem Komiker Otto Waalkes gewidmet ist – und den dicksten Baum in Deutschland, sogar in ganz Europa.
Gut 17 Meter beträgt der Stammumfang der Heeder Linde, von den Einwohnern auch liebevoll „Dicke Linde“ genannt, die am Ortseingang von Heede im Landkreis Emsland steht. Laut Website des Radwanderwegs sind es sogar 19 Meter, genau lässt sich der Umfang wegen der Einbuchtungen nicht beziffern. Auf jeden Fall ist die Dickmamsell von einem Kreis aus Findlingen umgeben.
Im Jahr 2019 wurde die Heeder Sommerlinde zum ersten Nationalerbe-Baum Deutschlands ernannt, als Andreas Roloff, Seniorprofessor für Baumbiologie an der TU Dresden, diese Initiative ins Leben rief. Ziel des Kuratoriums Nationalerbe-Bäume ist es, 100 uralte Bäume zu pflegen und zu schützen.
Deutschland trage eine hohe Verantwortung für diese Giganten, sagt Roloff: „Sie sind ein wichtiger Lebensraum, wir müssen alles daransetzen, sie der Nachwelt zu erhalten.“ Für die Auszeichnung kommen Bäume infrage mit einem Stammumfang von mindestens vier Metern, die über 400 Jahre alt sein sollen.
Mindestens 17 Meter Umfang: „Dicke Linde“ in Heede im EmslandWie alt Deutschlands dickster Baum ist, kann nicht genau bestimmt werden, vermutlich sind es um die 800 Jahre. Im Dorf heiße es: „De dicke Linde is dusend Joahr“, sagt Bürgermeister Antonius Pohlmann, und so sei sie auch als „Tausendjährige Linde“ bekannt.
Stürme konnten ihr bislang nichts anhaben. Durch die konsequente Pflege von Fachleuten habe der „Championtree“ noch viele Jahre vor sich. Die angrenzenden Burggräben böten zudem eine sichere Wasserzufuhr. „Aktuell werden den alten Stämmen neue, vom Baum gewonnene Setzlinge angesetzt“, erklärt Pohlmann, das sorge für neue Lebensadern.
Darauf ein „Heeder Lindenblütenelixier“! Der Likör ist vor Ort erhältlich, hergestellt aus den Blüten des Rekordbaums. Die Heilpflanze des Jahres 2025 war übrigens die Linde. Da dürfte ein Elixier aus der dicksten ihrer Art wohl besonders gut für ein langes Leben sein.
Infos: heede-ems.de; nationalerbe-baeume.de
Amerikanischer Abstammmung: Die Höchste
Wer in Freiburgs Stadtteil Günterstal den Mühlwaldweg entlangwandert, kann sie nicht verfehlen: Waldtraut vom Mühlwald. So tauften Freiburger Förster die riesige Douglasie, die heute als Deutschlands höchster Baum gilt.
Schilder mit entsprechender Aufschrift weisen Wanderern den Weg zu der Prominenten, die 1913 als dreijähriger Minibaum an dieser Stelle eingepflanzt wurde. Knapp 70 Meter misst sie mittlerweile, sagt Andreas Schäfer vom Forstamt der Stadt. Hölzerne Schilder informieren Besucher über Umfang, Alter und weitere Lebensdaten.
Knapp 70 Meter hoch: Diese Douglasie wächst in Freiburg in den HimmelZwar erreicht Waldtraut nicht die Maße des höchsten Baums der Erde: Hyperion, ein Küstenmammutbaum in Kalifornien, ist knapp 116 Meter hoch. Doch sind die beiden so etwas wie Landsleute. Denn die Douglasie stammt ebenfalls aus Nordamerika.
Der schottische Botaniker David Douglas hatte sie 1827 zunächst in Großbritannien eingeführt. Erst schmückte sie Parks und Gärten, dann experimentierte man mit Probepflanzungen für die Forstwirtschaft. Auch Waldtraut wurde damals als Versuchsobjekt in den Freiburger Stadtwald gepflanzt.
Und in der Tat: „Der Baum steht nach wie vor und ist vital“, sagt Schäfer. Der anhaltende Klimawandel setze dem Wald natürlich zu. Allerdings zeige sich Waldtraut an ihrem Standort, einem Schattenhang auf einem sehr gut mit Wasser und Nährstoffen versorgten Boden, „noch recht unbeeindruckt“. Das größte Risiko liege eher in einem Schaden durch Sturm oder Blitzschlag: „Waldtraut ragt 20 bis 30 Meter aus dem Kronendach des Waldes heraus.“
Infos: freiburg.de
Bemerkenswerter Standort: Die Älteste
„Ihr Stamm ist ein traumhaftes Monument mit Spalten, Wülsten, Beulen, Rippen, Rissen und Löchern“, schwärmt Baumbiologe Andreas Roloff über die Ureibe bei Steibis im Oberallgäu, unweit von Oberstaufen.
Mit etwa 1100 Jahren gilt diese weibliche Europäische Eibe als ältester Baum Deutschlands – neuerdings: Erst im März 2026 wurde sie als Nationalerbe-Baum ausgezeichnet, die offizielle Ausrufung ist am 8. Juni.
„Eine Riesenüberraschung“ nennt Roloff den Fund. Lange wurde die etwa 1000 Lenze zählende Dorflinde von Upstedt in Niedersachsen als Rekordhalterin gehandelt, bisweilen auch die vermutlich ebenso alte Erler Femeiche in Raesfeld im Westmünsterland.
1100 Jahre oder älter: Ur-Eibe auf einer Alm bei Steibis im AllgäuBemerkenswert ist zudem der Standort der neuen Rekordhalterin – eine beweidete Almwiese in 1100 Meter Höhe an der Nordseite der Hochgrat-Bergkette, wo es wenig Licht und Wärme gibt. Unter diesen Umständen wachsen Bäume wesentlich langsamer. Die Methusalem-Eibe könnte also noch älter sein, als die jüngsten Jahresringmessungen nahelegen – bis zu 1300 Jahre.
Der Stammumfang der Ureibe beträgt 5,10 Meter, womit sie gleichzeitig die dickste Eibe Deutschlands ist. Schon seit einer Weile ist sie ein Höhepunkt des Rundwanderwegs „Auf den Spuren alter Bäume – Die Baumveteranen von Steibis“, den Roloff Urlaubern empfiehlt. Bisher hatte man die alte Dame allerdings auf „nur“ 600 bis 800 Jahre geschätzt. Offenbar hat sie sich gut gehalten.
Infos: allgaeu.de/touren
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