Ein Gipfelkreuz, ein Gipfelbuch, eine Höhenangabe: Im ziemlich platten Brandenburg versuchen sie mit allen Mitteln, Touristen das Gefühl zu vermitteln, auf einer Bergwanderung unterwegs zu sein. Dabei kann man darüber streiten, ob der gerade erklommene Hagelberg im Fläming überhaupt ein Berg ist, denn laut Beschriftung ist er gerade mal 201 Meter hoch.

Und auch das stimmt nicht: Tatsächlich misst er nur 200,3 Meter – und ist deshalb nicht der höchste Gipfel im Lande Brandenburg, auch wenn das jahrelang behauptet worden ist. Vermessungen im Jahr 2000 verwiesen ihn auf Platz drei, hinter Heidehöhe (201,40 Meter) und Kutschenberg (201 Meter).

Da steht man dann da und fragt sich: Was macht eigentlich einen Berg aus? Einschlägige Quellen im Internet verweisen auf Prominenz und Dominanz. Wobei sich dahinter anderes verbirgt als Promis und Vorherrschaft: Prominenz bedeutet, dass zwischen dem einen Gipfel und dem anderen ein Einschnitt, eine Scharte sein muss.

Wie hoch der Höhenunterschied zu sein hat? Das ist eine gute Frage. Die Antwort: Kommt darauf an, wo man gerade wandert. In den Alpen über 100 Meter, im Himalaja 500 Meter, in Mittelgebirgen reichen elf Meter.

Reinhold Messners Meter-Streit

Die Dominanz in der Geografie beleuchtet wiederum, in welchem Radius ein Berg seine Umgebung überragt. Somit sind irgendwelche Vorgipfel eben nicht der Gipfel, was sogar Reinhold Messner zu spüren bekam. Der galt lange als Pionier, der zuerst alle 8000er bezwang, doch dann kamen Jahrzehnte nach der Besteigung durch neue Datenauswertungen Zweifel auf.

Angeblich hatte er den Gipfel des 8091 Meter hohen Annapurna um wenige Meter verpasst. Messner bestritt das, für die Bergsteiger-Community ist er weiterhin der Rekordhalter.

Und was heißt denn schon 8000er? Es ist nur eine Zahl, eine metrische zudem, mit der man in einigen Weltgegenden nichts anfangen kann. Zum Beispiel in den USA: Dort wird für Rekorde mit Fourteenern gerechnet. Das sind Gipfel, die höher als 14.000 Fuß sind, was 4267 Metern entspricht.

Wer sich zum Beispiel in den Schweizer Alpen mit dem Erklimmen von 4000ern wie Aletschhorn, Jungfrau oder Mönch brüstet, würde es damit in den USA in keine einzige Rekordliste schaffen. Denn die sind alle zu niedrig für die 14.000er-Liste – also leider keine Trophäenberge. Ho-la-di-la-di-ho!

Schotten rechnen anders

Noch komplizierter ist es bei den Schotten. Dort tragen Rekordgipfel den Titel Munro – das ist ein Berg mit einer Höhe von mehr als 3000 Fuß, also 914 Metern. Der Name stammt von Sir Hugh Munro, der Ende des 19. Jahrhunderts eine Liste mit 282 Munros erstellte. Munro-Bagging, also das Erreichen so vieler Munros wie möglich, ist bei den Schotten ein beliebtes Freizeitvergnügen; gut 6000 Wanderer haben das bis heute geschafft.

Dann kommen die Corbetts, nach einem Bergsteiger aus Bristol so genannt, die mindestens 2500 Fuß messen müssen. Nicht zu vergessen die Donalds, die mindestens 2000 Fuß hoch sein und in den Lowlands liegen müssen. Die wiederum nicht mit den Grahams zu verwechseln sind, die ebenfalls nicht unter 2000 Fuß Gipfelhöhe, aber eine Prominenz von mindestens 492 Fuß aufweisen müssen.

Alles klar? Unterm Strich können wir froh sein, dass Gipfel bei uns in Metern gemessen werden – wer will beim Bergrekord-Sammeln schon dauernd kopfrechnen?

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