Die Sylt-Fähre kassiert zum Saisonauftakt einen Aufschlag, die Bodensee-Fähre auch, ebenso die Loreley-Fähre über den Rhein. Und schon empören sich die Leute, schwadronieren vom bald unbezahlbaren Inlandstourismus.

Ganz zu schweigen von selbst ernannten Experten, die behaupten, dass die Bundesbürger landauf, landab nun lieber sparen und verunsichert zu Hause bleiben, statt spontan zu verreisen. Dass die genannten Fähraufschläge gerade mal 50, 40 beziehungsweise 10 Cent pro Fahrt betragen und niemanden vom Deutschlandurlaub abhalten, wird gern verschwiegen.

Wer beispielsweise in den Osterferien auf Sylt, am Bodensee oder am Rhein unterwegs war, dürfte überall festgestellt haben: alles rappelvoll. Ausflugslokale, Eisdielen, Fähren. Bei den beliebten Sylter Familienwochen in Kampen und Westerland wurden wie wild Eier getrullert.

Auf der Bodensee-Insel Mainau wurde wegen des Andrangs ein kostenloser Busshuttle von Konstanz bis zur Fußgängerbrücke eingerichtet, und von Köln bis zur Loreley hatten die Rheindampfer einen perfekten Saisonauftakt, auch dank des guten Wetters. 

Jetzt könnte man natürlich einwenden, dass Sonne, Frühlingserwachen, der erste Spargel und das erste Eis die Laune heben – und zu verfrühtem Optimismus im Tourismus verleihen. Doch auch die Statistik zeichnet ein positives Bild: Man könnte es auch Resilienz nennen.

Urlaubsreisen ja, aber anders

So zeigt eine Auswertung der Buchungszahlen in den Reisebüros zwischen 28. Februar und 31. März im Vergleich zum Vorjahr eine deutliche Verschiebung hin zu Ferien im eigenen Land.

Laut Branchenmagazin „Touristik Aktuell“ ist Deutschland der Spitzenreiter mit einem Umsatzplus von 62,4 Prozent und einem Zuwachs an Buchungen von 26,4 Prozent. Auch Österreich und die Schweiz konnten als Nahziele im einstelligen Bereich hinzugewinnen, ansonsten aber brachen die Buchungen durchweg ein.

Und zwar nicht nur in Nahost (minus 90 Prozent), sondern auch für die Türkei (minus 49 Prozent), Ägypten (minus 45 Prozent), die USA (minus 48 Prozent) sowie Europa ohne Deutschland, Österreich und die Schweiz (minus 7 Prozent). 

Die geopolitisch gesehen schwierige Zeit könnte also dem Urlaub in der Heimat einen überraschenden Schub verleiten. Viele Menschen fühlen sich im Dauer-Krisenmodus: Nahost, Ukraine, Inflation, Verunsicherung.

Wird Reisen deshalb grundsätzlich infrage gestellt? Von wegen. Viele Reisende in Deutschland sind resilient. Es zeigt sich aber eine deutliche Verschiebung hin zu Ferien im eigenen Land.

Ein Indiz: Bereits für den Zeitraum Januar und Februar 2026 meldet das Statistische Bundesamt, dass die Zahl der Übernachtungen von Gästen aus dem Inland um 2,3 Prozent auf 43,8 Millionen gestiegen sei.

Auch erste Prognosen lassen hoffen: Nach Angaben des Deutschen Tourismusverbands wollen  41 Prozent der Deutschen, die in den kommenden drei Monaten verreisen möchten, ihren Urlaub im eigenen Land verbringen. 

Urlaubsausgaben: 1170 Euro im Inland

Und wie sieht es mit den gestiegenen Kosten aus? Nach Angaben der Stiftung für Zukunftsfragen liegen die durchschnittlichen Ausgaben für die Haupturlaubsreise von Inlandsurlaubern aktuell bei 1170 Euro, im Jahr davor waren es 1060 Euro. Das ist zwar nicht nichts, aber auch nicht astronomisch mehr.

Und für 2026 ist in der deutschen Gastronomie sogar mit niedrigeren Preisen zu rechnen: Auf Speisen wird nur noch der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent erhoben – übrigens der günstigste Satz in ganz Europa. 

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