Wo ihr gerade da seid, liebe Touristen, könnt ihr uns beim Müll helfen?
„Ich bin für jeden Müll zu haben“, „Herzlich müllkommen!“, „Gib mir den Rest“ – seitdem Hamburg vor vielen Jahren begonnen hat, mehr oder weniger lustige Sprüche auf öffentliche Mülleimer zu drucken, versucht sich jede größere Stadt in unterhaltsamer Abfallentsorgung. Natürlich auch Berlin. „Du bist voll in Ordnung“, ist dort auf den Unratsammlern zu lesen, denn nur ein voller Mülleimer ist ein guter Mülleimer. Doch die Sprüche helfen nur halb, jedenfalls klagt längst nicht mehr nur die nörgelige Boulevardpresse über die Dauer-Vermüllung der Stadt.
Müllsammeln als „verantwortungsvolles Handeln“
Was also tun? Touristen um Mithilfe beim Aufräumen bitten. Besucher und Gäste der Hauptstadt sollen ab Sommer, so die Idee von „BerlinPay“, dabei helfen, Abfall von den Straßen und aus der Spree zu fischen. Als Belohnung wird es Gutscheine für Attraktionen oder andere kleinere Belohnungen geben, so die Tourismusagentur Visit Berlin.
„Wir machen verantwortungsvolles Handeln sichtbar und belohnen es. Wer sich am und auf dem Wasser bewusst verhält – etwa Müll sammelt, den Kiez verschönert oder soziale Projekte unterstützt – erhält bei teilnehmenden Partnern eine Anerkennung“, heißt es auf der Visit-Berlin-Website.
Konkrete Details des neuen Tourismus-Konzepts von „BerlinPay“ wird es bis Pfingsten geben. Das Vorbild stammt aus der dänischen Hauptstadt Kopenhagen, wo es „CopenPay“ heißt. Dort werden Gäste für Umweltaktionen mit kleinen Vorteilen wie Eintritten oder Getränken belohnt.
Müllaufklauben ist dabei aber nur ein Teil. Ziel sei es, Tourismus möglichst nachhaltig zu gestalten, so Visit Berlin. Von dem etwas ausgetretenen Schlagwort erhofft sich Kopenhagen Werbung und Nutzen gleichzeitig. Die Stadt leidet, wie so viele andere, unter den unschönen Nebenwirkungen ihrer Beliebtheit. „CopenPay“ ist der Versuch, die Besucher freundlich zu lenken. So wird etwa die Anreise mit dem Zug mit Museumsgutscheinen belohnt.
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Tourismusforscher halten solche Anreiz-Konzepte für sinnvoll: „Noch mehr Autos von Touristen möchte man eigentlich nicht, weil man oft schon Schwierigkeiten genug mit den Automassen der Einheimischen hat“, sagt Martin Lohmann vergangenes Jahr bei GEO. Auch Städte wie Dublin belohnen zugfahrende Gäste, mit Rabatten, Bremen verschenkt „Überraschungsbeutel“.
Was solche Nachhaltigkeitskonzepte bringen, ist bislang noch unklar. Laut einer Umfrage der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen vor zwei Jahren, begrüßt zwar rund die Hälfte aller Urlauber ökologisch- und sozialverträgliches Reisen, aber an der Umsetzung hapert es dann doch oft. In Kopenhagen haben im ersten „CopenPay“-Monat gerade einmal 5000 Touristen mitgemacht. Aber die Stadt hält an dem Konzept fest und baut es nach und nach aus. Mittlerweile gibt es sogar für Flugzeug-Anreisen Prämien, jedenfalls wenn man dabei einen CO₂-Ausgleich bezahlt.
Müll-Sheriffs nachts auf Streife in Berlin
Wohl auch deshalb will die deutsche Hauptstadt den Kampf gegen den Müll grundsätzlich verstärken. So werde die Zahl der sogenannten Müll-Sheriffs aufgestockt. Diese „Waste Watcher“ suchen die Straßen nach illegalem Müll ab, und sollen in Hotspots wie dem Stadtteil Neukölln nachts auf Streife gehen. Bereits erhöht wurden Bußgelder für weggeworfenen Müll wie Einwegbecher oder Hundekotsäcke – bis zu 350 Euro können dafür fällig werden.
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