Palau, wo allein schon das Schnorcheln atemberaubend ist
„Ihr wollt nach Palau? Das ist doch das Land, wo die Menschen Fledermäuse essen...“ Die Frage der Reisebekanntschaft aus Taiwan während des Zwischenstopps in Taipeh wirkt ehrlich interessiert und voller kulinarischer Neugier. Berechtigt ist sie obendrein. Denn Flughunde, um die es sich in Wirklichkeit handelt, gehören unverändert zum gastronomischen Erbe des winzigen Landes in Mikronesien.
Dass Palau vom Reisemagazin „Condé Nast Traveller“ als eines der besten Reiseziele 2025 ausgezeichnet wurde, hat freilich andere Gründe. Unter Kennern ist der Inselstaat, dessen Fläche zu 90 Prozent aus Ozean besteht, weltweit als Top-Tauchrevier bekannt.
Wobei das Reich aus rund 350 Eilanden, von denen elf bewohnt sind, auch faszinierende Kultur bietet. Bei einer Kreuzfahrt mit Tauchgängen und Landausflügen lässt sich die ganze Vielfalt am besten entdecken. Und am komfortabelsten auf einem Fünf-Sterne-Schiff wie der „Four Seasons Explorer“, wo Gästen fast jeder Wunsch erfüllt wird.
Nur bei der Frage, ob an Bord auch Flughunde serviert werden, muss Kreuzfahrtdirektorin Angela Gitaprakasa lächeln. „Hier nicht, wir können aber einen Tisch in einem örtlichen Spezialitäten-Restaurant reservieren.“
Besuchermagnet Unterwasserwelt
Spaß beiseite, das Programm an Bord des schwimmenden Luxushotels bietet mehr als genug angenehmere Erlebnisse. Yoga um 5:45 Uhr, bevor es zu heiß wird, Frühstück ab 6:30 Uhr, erster Tauchgang des Tages um acht. Ein weiteres Highlight sind Kajak- und Schnorchelausflüge in die Rock Islands Southern Lagoon – ein Unesco-gekröntes Meeresschutzgebiet aus zahlreichen Mini-Inseln und kleineren Lagunen sowie fantastischen Riffen aus fast 400 Hart- und 150 Weichkorallen. Schließlich kommen fast alle Besucher den langen Weg nach Palau, um die spektakuläre Unterwasserwelt zu erleben.
Warum, zeigt sich schon bei dem ersten von einem Dutzend Tauchgängen in dieser Woche: Die gefürchtete Korallenbleiche hat diese Unterwasserwelt bislang kaum erreicht. Hartkorallen schimmern in gesunden Farbtönen von Beige bis olivfarben. Weichkorallen in betörender Vielfalt und über 1300 verschiedene Fischarten lassen keine Wünsche offen.
Die Fische und ich: Schwärmen dieser Größe zu begegnen, ist keine Seltenheit – hier Großaugen-StachelmakreleDazu kommen zahlreiche Meeresschildkröten, in Mangrovennähe scheue Salzwasserkrokodile, die seltenen Dugongs und andere Meeressäuger von Delfinen bis hin zu großen Walen. Fachkundig begleitet werden die Taucher von Aces, die morgens schon die Yogastunde geleitet hat, und von der Japanerin Sayaka.
Wie alle an Bord stellen sie sich ganz nach anglo-internationaler Etikette nur mit Vornamen vor. Sayaka ist eigentlich Ingenieurin. Aber schon nach ihrem ersten Tauchgang hat sie den Beruf hingeschmissen und umgeschult: „Tauchen hat mein Leben komplett verändert. Etwas Schöneres kann ich mir nicht vorstellen.“
Ihre alte Firma, erzählt sie, hat vor rund 20 Jahren die größte und wichtigste Brücke des Landes gebaut – die Japan-Palau Friendship Bridge. Sie verbindet Koror, die frühere Kapitale des Landes auf dem gleichnamigen Eiland, mit der Hauptinsel Babeldaob, wo der heutige Regierungssitz Ngerulmud liegt.
Japan ist historisch stark mit Palau verbunden. Es hatte Deutschland 1914 als Kolonialmacht abgelöst und bis zu seiner Niederlage im Zweiten Weltkrieg Palau als Mandatsgebiet des Völkerbundes geführt.
Kriegsrelikte in Höhlen und unter Wasser
Die Spuren der heftigen Kämpfe zwischen Japanern und US-Amerikanern, die nach dem Zweiten Weltkrieg und bis zu Palaus Unabhängigkeit 1994 die Inseln kontrollierten, sind immer noch zu sehen. Unter Wasser zeigen sie sich in Gestalt vieler Wracks, an Land vor allem auf der Insel Peleliu.
Japanischer Amphibienpanzer aus dem Zweiten Weltkreig auf der Insel PeleliuEiner der Landausflüge mit dem kundigen Bordgelehrten Hassan führt zu der sogenannten „1.000-Mann-Höhle“. In den 284 Meter langen künstlichen Höhlengängen hatten sich bis zum September 1944 viele japanische Soldaten unter großen Entbehrungen verschanzt. Fast alle starben bei den Gefechten mit den US-Marines, die zwar siegten, aber herbe Verluste erlitten.
Noch heute ist der Boden in der Höhle mit zahllosen japanischen Relikten übersät, Flaschen, Blechnäpfen, Gefechtskartuschen. Ganz in der Nähe liegt der Kommandobunker der Japaner. Es ist faszinierend zu sehen, wie sich die Natur die Betonruine langsam zurückerobert. Nur vier mächtige Stahltüren haben sich erstaunlich gut gehalten.
Auf teils bizarre Weise sind auch die 16 Jahre deutsche Kolonialzeit in Palau und auch bei uns weiterhin gegenwärtig. Vor allem in deutschen Völkerkundemuseen sowie den Werken von Max Pechstein, der hier vier produktive Monate verbrachte. Und sogar in manchen Namen der Einwohner von Palau. Da gibt es noch so manchen Franz und Friedrich – und, wie Guide Fonzie fröhlich erzählt, einen Fischer namens Adolf.
Schnorcheln mit Geschichtsbezug: Oft liegt das nächste Wrack in mancher Lagune nur ein paar Flossenschläge entferntFonzie selbst hat ein paar Jahre auf Hawaii gelebt, bevor er, wie viele seiner Landsleute, wieder in seine Heimat zurückkehrte. Mit hintergründigem Witz zeigt er uns den 2006 fertiggestellten Kapitolkomplex des kleinen Landes in der Hauptstadt Ngerulmud, der baulich dem US-Vorbild in Washington D.C. nacheifert.
Hoch oben auf einem Tsunami-sicheren Hügel mit atemberaubender Aussicht auf die vorgelagerten Inselchen gelegen, wirkt das Ensemble deutlich überdimensioniert. Die mächtige Parlamentskuppel, eindrucksvolle Säulengänge und mittendrin ein stilisiertes Langhaus sind meistens menschenleer. Nur ein paar Reinigungskräfte und Handwerker gehen ihrer Arbeit nach. Kein Wunder: Mit knapp 300 Einwohnern ist Ngerulmud die kleinste Hauptstadt der Welt.
Palaus Präsident, Surangel S. Whipps Jr., ist hier gerade nicht zu sprechen, hat aber einige Fragen per E-Mail beantwortet. Der 57-Jährige ist in den USA geboren, seit 2021 im Amt und nennt den Erhalt der lokalen Kultur als erklärtes Ziel. Tatsächlich ist es auffällig, dass etwa amerikanische Fastfood- oder Kaffee-Ketten hier nicht vertreten sind.
Palau für Nicht-Taucher
„Wir unterstützen lieber unsere heimischen Unternehmen und wollen unsere Identität bewahren“, sagt der Präsident. In den Schulen werde das kulturelle Erbe stark betont und Touristen sollen noch stärker als bisher damit vertraut gemacht werden. Denn ein Besuch Palaus lohne sich auch für Nicht-Taucher.
So zählt zu den stärksten Eindrücken, die man hier erfahren kann, der Besuch eines Bai, eines traditionellen Versammlungshauses. An den Fassaden hängen expressive Storyboards, aus Holz geschnitzte Reliefs zur Überlieferung von Legenden. Das schönste und älteste steht in Airai. Es ist immer noch in Gebrauch.
Kulturelles Erbe: Versammlungshaus der Männer und Häuptlinge in AiraiHier hat einer von 16 Chiefs oder Häuptlingen das erste Wort. Gewählt wird der allerdings ausschließlich von den Frauen seines Clans. Und auch wieder abgewählt, falls er sich nicht bewährt. Der Platz vor dem gewaltigen Holzhaus ist regelmäßig die Bühne für Touristen-Koordinatorin Velma und sechs Schülerinnen aus der Dorfschule.
Sie tanzen in traditionellen Baströcken, singen dazu rituelle palauische Lieder in der Landessprache und halten so uralte Traditionen am Leben. Danach geben sie auf Nachfragen in perfektem Englisch Auskunft über ihre Berufswünsche und Lebensträume.
Genau für diese jungen Landsleute will ihr Präsident das Land wieder attraktiver machen. Denn bei einem so kleinen Volk wie den Palauern ist stetige Auswanderung eine ernste Gefahr – schon seit den 60er-Jahren.
„Wir wollen die Wirtschaft stärken, mehr Chancen für Existenzgründer schaffen, haben den Mindestlohn erhöht und investieren in Bildung“, erklärt Surangel S. Whipps Jr.. So sollen auch Exil-Palauer zur Rückkehr von Guam, Hawaii oder anderen US-Staaten bewegt werden.
Bei Tourguide Fonzie hat das bereits geklappt. Mit ihm geht es weiter zu den Badrulchau Stone Monoliths, dem palauischen Stonehenge: Ein paar Dutzend dunkle Basaltsteine, die gemäß mündlicher Überlieferung einst die Basis für ein riesiges, von Halbgöttern geschaffenes Versammlungshaus bilden sollten.
Ursprung menschlichen Lebens – eine Riesenmuschel
Tiere spielen auch eine große Rolle in der heimischen Mythologie. Fonzie zählt einige heilige Spezies auf: die gestreifte Wasserschlange, der gepunktete Adlerrochen und die Riesenmuschel, aus der alles menschliche Leben einst entsprungen sei.
Einem dieser Halbgötter ist er selbst einmal sehr nahegekommen, einem gewaltigen Mantarochen, der ihm mit weit geöffnetem Maul beim Schnorcheln entgegenkam: „Der war so unglaublich majestätisch. Ich habe vor Begeisterung geschrien.“
Bei den kommenden Tauchgängen lassen sich leider keine Mantarochen blicken, dafür zahlreiche Schildkröten, große Schwärme von Barrakudas und viele Riffhaie. Die meisten am Blue Corner – einer der spektakulärsten Tauchplätze der Welt.
Und deshalb wird der zum Schluss der Reise noch einmal für einen Unterwasserausflug angesteuert. Das Riff fällt an einer 90 Grad-Kante senkrecht in scheinbar bodenlose Tiefen ab. In der starken Strömung warten hunderte Stachelmakrelen auf Beute und werden ihrerseits von einem Dutzend grauen Riffhaien ins Visier genommen.
Taucher mit Riffhaken in der Strömung: Blue Corner ist anspruchsvoll, aber einer der besten Tauchspots der WeltWegen der Strömung haben sich die Taucher mit Riffhaken behutsam an eine stabile Stelle mit totem Korallengestein fixiert. Staunend genießen sie das dynamische Schauspiel. Ständig tauchen neue Darsteller aus der Tiefe auf, gleiten unmittelbar vor den Tauchermasken vorüber und scheinen das Publikum vollständig zu ignorieren.
Nur den Blick zur Seite sollte man sich bei starker Strömung verkneifen: Sonst kann es vorkommen, dass dem Unvorsichtigen die Maske vom Gesicht gespült wird. Den Blick also strikt nach vorn gerichtet und die Arme seitlich ausgestreckt, schweben die Besucher über diesem Wunder der Natur.
Die Zeit scheint stillzustehen – wäre da nicht die knapper werdende Luft in den Pressluftflaschen. Viel zu früh zeigt das Finimeter 50 Bar an, das ultimative Zeichen zum Auftauchen. Dennoch: Wenn Glücksgefühle messbar wären, dann hätten alle jetzt den vollen Ausschlag.
Tipps und Informationen:
Anreise: Nonstop-Flüge aus Europa gibt es nicht. China Airlines (www.china-airlines.com) fliegt von Frankfurt via Taipeh, Quantas (qantas.com) von Brisbane direkt nach Palau.
Unterkunft: Taucher sind am besten auf einem Safarischiff aufgehoben. Das Angebot reicht von einfachen, eng belegten Spezialschiffen bis zu luxuriösen 5-Sterne-Yachten wie der Black Pearl, Doppelzimmer ab 730 Euro inklusive Vollpension und Tauchen für zwei Personen (pearlfleet.org). Noch exklusiver ist die „Four Seasons Explorer Palau“, Doppelzimmer ab 3200 Euro all-inclusive für zwei Personen ohne Tauchen (fourseasons.com). Gute Unterkünfte an Land gibt es ab 100 Euro. Bestes Hotel ist das „Palau Pacific Resort“, Doppelzimmer ab 300 Euro (palauppr.com). Beliebt ist auch das „Palau Royal Resort“, Doppelzimmer ab 250 Euro(palau-royal-resort.com).
Auskunft: pristineparadisepalau.com
Die Teilnahme an der Reise wurde unterstützt von Four Seasons. Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit finden Sie unter go2.as/unabhaengigkeit
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