Camperhunde sind wie Bürohunde. Hat man sie erst einmal da, dann wird man sie nicht mehr los. Doch das nehmen viele Campingplatzbetreiber gern in Kauf.

Denn Hundehalter auf Reisen sind grundsätzlich sehr pflegeleichte und zugleich dankbare Gäste, die mit wenig Aufwand viel Gewinn bringen. Ein Wassernapf für ihr Tier, eine Gartenbrause als Hundedusche, eine Auslaufwiese reichen normalerweise als Investition, um Hundefreundlichkeit zu signalisieren.

Als Willkommensgruß hat sich eine Rolle Kotbeutel bewährt, über die sich Hundehalter so überschwänglich freuen wie andere Gäste über einen Wellness-Gutschein. Wenn es ums Tier geht, ist der Mensch eben merkwürdig dankbar. 

Das hat sich herumgesprochen: Viele Campingplätze erweitern ihr Angebot für Hundehalter. Denn das ist lukrativ. Bis zu zehn Euro werden pro Hund und Tag in Rechnung gestellt, und normalerweise sind bis zu drei Tiere pro Stellplatz erlaubt. 

So hat unter anderem der Nordsee-Campingplatz Schillig im Wangerland direkt am Meer aufgrund der hohen Nachfrage sein Angebot gleich mal auf 200 Hundestellplätze verdoppelt. Auch auf dem hübschen Campingplatz Möhnesee, am sogenannten „Westfälischen Meer“ im Sauerland gelegen, sind nun plötzlich gut 25 Hundeplätze eingerichtet, also ein Viertel des Angebotes.

Hundepool und Massagen

Andere überbieten sich mit Extrawürstchen für die gern gesehenen Vierbeiner, vom Hundepool bis zum Osteoporose-Check für alternde Tiere. So gibt es auf dem Campingplatz Viechtach im Bayerischen Wald gleich mal Mobilheime mit Hundehäuschen vor der Türe. In Wingst bei Cuxhaven werden Camperhunde von Physiotherapeuten massiert. Und auf dem Campingplatz von Familie Heide bei Eckernförde an der Ostsee gibt es eine Extra-Waschmaschine für den Hunde-Bademantel nach der Schwimmrunde im Meer. Da geht noch was! 

Camper mit Hund sind tatsächlich eines der größten Nachfragesegmente, stellt auch Pincamp fest, das Campingportal des ADAC: Bei 47 Prozent der dort gelisteten 15.000 Campingplätze in Deutschland und Europa sind Hunde willkommen, weitere 15 Prozent erlauben sie auf Anfrage. Nur drei Prozent verbieten die Anreise mit Hunden.

Platz ist im kleinsten Zelt, zumindest für den Golden Retriever

Was auch daran liegen mag, dass Campen sehr beliebt ist, ob mit oder ohne tierischen Anhang. Mit 44,7 Millionen Übernachtungen wurde 2025 ein neuer Rekord aufgestellt, meldet das Statistische Bundesamt. Das waren 4,2 Prozent mehr als 2024. Seit 2005 haben sich die Campingübernachtungen in Deutschland damit mehr als verdoppelt.

Natur, viel Platz und möglichst wenige Einschränkungen – genau hier spielt Camping seine Stärken auch für Hunde aus. Uwe Frers, Pincamp-Geschäftsführer und Camping-Experte: „Besonders wichtig sind die Details. Auf vielen Plätzen sind Hunde überall erlaubt, auf anderen nur in abgegrenzten Arealen. Besonders beliebt bei Hundebesitzern sind Angebote wie ein Hundestrand oder eine Hundedusche.“

10,5 Millionen Hunde in Deutschland

Für den neuen tierischen Lieblingsgast gibt es gleich mehrere Gründe: Zum einen liegt es daran, dass es immer mehr Hundehalter gibt – in 21 Prozent aller deutschen Haushalte wedelt mindestens ein Tier. Der Zentralverband der Heimtierbranche schätzt den Hundebestand hierzulande auf 10,5 Millionen Tiere. Noch vor zehn Jahren waren es erst 7,2 Millionen Hunde. Und wer auf den Hund gekommen ist, nimmt ihn auch gern mit in den Urlaub.

93,5 Prozent der Befragten reisen, einer Umfrage der Hunde-App Dogorama zufolge, nicht ohne ihre Tiere. Sie sind meist unterwegs mit dem Auto oder dem Campmobil durch Deutschland. Ihre beliebtesten Urlaubsziele sind die Ostsee- und Nordseeküste in Hundestrandnähe sowie Seen im Binnenland. Und damit das Tier auch unangeleint im Rudel toben kann, sind Campingplätze mit umzäunten Freilaufwiesen die erste Wahl.

Die zur Schau gestellte Hundefreundlichkeit kann auf andere Gäste verstörend wirken. Da traut man sich über das Bellen und Wildpinkeln der Tiere nicht mehr zu beschweren.

Damit nicht genug: Manche Hundehalter auf Reisen entwickeln ein Anspruchsdenken. In Foren für Camper mit Hund jedenfalls bemängeln Reisende, dass sie mit ihren „zwei Kampfschmusern“, also Listenhunden wie Pitbull oder Staffordshire Terrier, kaum willkommen seien. Andere empfinden es als Zumutung, dass sie extra zu einem weiter entfernten Hundestrand gehen müssen, und erwarten für ihr schreckhaftes Tier zugleich mehr Ruhe auf dem Platz („Kein Trubel, keine knatternden Motorräder mit Fehlzündung“).

Manche Platzbetreiber haben sich bereits ganz von hundelosen Gästen verabschiedet, wie auf dem Platz Haumühle im Hunsrücker Simmertal. Auf der Speisekarte im Restaurant stehen folgerichtig nun auch Pferdeziemer, Kaninchenohren und Puten-Eis, für die besten Freunde des Menschen.

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