20.000 Euro für fünf Nächte – Hauptsache, es heißt nicht Kreuzfahrt
Yachturlaub versus Kreuzfahrt. Auf hoher See wird es für Reisende gerade so richtig spannend. Der ganz große Trend: die Yachtifizierung der Kreuzfahrt. Was nur ist damit gemeint?
Reihenweise entdecken gerade Hotelgruppen wie Ritz-Carlton, Four Seasons, Aman oder auch Orient-Express, letzterer eher für nostalgische Zugreisen bekannt, den Ozean als neues Zielgebiet. Sie gehen vom Land aufs Meer und lassen ein Schiff nach dem anderen bauen. Nach dem Motto: Was Reedereien können, das kann die Hotellerie auch. Wenn Gäste aufs Wasser wollen, dann wird das selbst angeboten.
Doch es gibt einen feinen Unterschied: Die Hotellerie auf See scheut das Wort „Kreuzfahrt“ wie die Pest. Das ist kein Zufall — sondern strategisches Framing. Man könnte es auch Schönfärberei nennen.
Denn das Wording ist im Ultra-Luxus-Segment extrem entscheidend. Viele vermögende Reisende würden niemals sagen, dass sie eine „Kreuzfahrt machen“, aber sie buchen gern eine „Yacht Journey“. Das klingt distinguierter, diskreter, exklusiver – wie ein Country-Club auf See, auch wenn die neuen Hotelschiffe, logistisch gesehen, nichts anderes sind als kleine Kreuzfahrtschiffe. Die Abgrenzung ist ein symbolisches Phänomen, das die Kundschaft schätzt.
Pionier Ritz-Carlton, der 2022 den lukrativen Markt als Erster entdeckt hat, spricht deshalb ausschließlich von seiner „Yacht Collection“. Die zu Marriott gehörende Hotelgruppe ist schon mit drei Schiffen auf den Weltmeeren unterwegs („Evrima“, „Ilma“ und „Luminara“).
Die kanadische Hotelgruppe Four Seasons hat den Kreuzfahrtableger „Four Seasons Yachts“ gegründet und vermarktet die Reisen als „Ocean Journeys“. Bei den Schiffsnamen wurde nicht lange gegrübelt, hier geht es um Wiedererkennungswert: Die neue „Four Seasons I.“ wird im Sommer 2026 erst einmal im Mittelmeer cruisen, bevor sie den Winter in der Karibik verbringt. Zwei weitere Schiffe, II. und III., sind auch schon in Planung.
Orient-Express spricht von „Luxusreisen auf See“ und hat gleich zwei Segelyachten bauen lassen. Ab Juni 2026 cruist die neue „Corinthian“ im Mittelmeer, 2027 folgt die „Olympian“.
Und die Schweizer Aman-Hotelgruppe plant im Frühjahr 2027 die Jungfernfahrt der neuen „Amangati“ für 94 Gäste, ebenfalls im westlichen Mittelmeer. Die fünf- bis achttägigen Routen starten unter anderem in Palma de Mallorca und führen über Menorca bis nach Südfrankreich mit Stopps in Marseille, Saint-Tropez und Nizza.
Suiten mit Balkon selbstverständlich
Tatsächlich wirken all die neuen Schiffe wie etwas zu groß geratene Yachten: Sie sind allesamt im Durchschnitt um 200 Meter lang, mit acht bis zehn Decks und haben normalerweise ausschließlich Suiten mit Balkonen. Zwischen 90 und 350 Passagiere fahren in der Regel mit. Obligatorisch: mehrere Restaurants und Bars, Pools und ein Spa.
Hinten auf dem Achterdeck befindet sich grundsätzlich eine Marina für Kajakfahren und Stand-up-Paddling. Zum Vergleich: Das größte Kreuzfahrtschiff der Welt, die „Icon of the Seas“, ist fast doppelt so lang mit 365 Metern und fasst 7600 Passagiere.
Die kleinen Schiffe haben einen entscheidenden Vorteil: Sie werden überall dort ankern können, wo dicke Pötte inzwischen nicht mehr willkommen sind. Capri, Dubrovnik, Monte-Carlo, Santorin, ja selbst Venedig sind geplant.
Das hat allerdings seinen Preis: ab ungefähr 20.000 Euro für fünf Nächte pro Person. Man macht ja auch keine Kreuzfahrt, sondern geht auf eine Yacht.
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