Beach, Beduinen und Mars-Flair – so vielseitig ist ein Trip durch Jordanien
Es sieht aus wie auf dem Mars. Rote Sandsteinfelsen so wuchtig wie Hochhäuser, tief zerfurcht ziehen sie sich bis zum Horizont. Von Pflanzen und Leben keine Spur, sieht man mal von dem Jeep ab, der gerade durch die Sanddünen zwischen den Felsen donnert.
Ganz im Süden Jordaniens liegt das Naturreservat Wadi Rum, durch das einst Lawrence von Arabien gezogen ist, um die Osmanen anzugreifen. Es ist kein Wunder, dass diese Landschaft an fremde Welten erinnert: Filme wie „Der Marsianer“, „Dune“ und Teile von „Star Wars“ wurden hier gedreht. So gleicht Wadi Rum dem, was wir im fernen Weltall vermuten.
Nur kann man dorthin günstig und einfach per Linienflug fliegen, Tickets sind zurzeit ab fünfzig Euro zu haben. Aufgrund des Krieges in Gaza sind zuletzt kaum Menschen dorthin gereist. Wer also jetzt Jordanien besucht, hat manche Orte nur für sich.
Die Jordanier freuen sich, wenn man kommt – bis zu einem Fünftel ihrer Wirtschaft hängt vom Tourismus ab. Denn in kaum einem Land kann man so viel in kurzer Zeit erleben: In nicht einmal fünf Tagen im Toten Meer baden, das Weltwunder Petra besuchen, im Korallenriff schnorcheln und durch die Wüste fahren – und währenddessen die arabische Kultur und Küche erleben.
Das geht einfach mit einem Mietwagen, den man bei internationalen Agenturen buchen kann. Wer sich vor dem wuseligen Verkehr fürchtet, kann auch einen Fahrer buchen oder sich einer Gruppe anschließen.
Vor dem Abflug lohnt es sich, lange Kleidung einzupacken: Obwohl man in Jordanien so herumlaufen darf, wie man will, zeugt es von Respekt, seine Schultern und Knie zu bedecken. Und wer ein paar Wörter Arabisch lernt und statt Thank You „Schukran“, statt Hallo „Salam Alaikum“ und statt Tschüss „Ma Salameh“ sagt, wird mit Lächeln belohnt. Unerwünschte Angebote kann man gut mit „jah-Tik el-afiyah“ höflich ablehnen, das heißt in etwa: „Möge Gott dir gute Gesundheit geben.“ Fast alle Jordanier können aber etwas Englisch, teils auch Deutsch.
Tag 1: Essen & shoppen in Amman
Am Fenster zieht die jordanische Hauptstadt vorbei. Beigefarbene Häuser auf Hügeln, dazwischen Olivenbäume und Geröll. Wer genau hinschaut, entdeckt vielleicht einige Kamele. In Amman gibt es kaum eine Fläche, die flach ist, die Stadt liegt auf einem Hochplateau und ist auf Hügeln gebaut. Dank der Höhenlage ist das Wetter besonders in Herbst und Frühling angenehm.
Wer durch die Stadt fährt, sucht große öffentliche Plätze vergebens. Damit soll verhindert werden, dass sich größere Massen zu Protesten versammeln. Durchaus schlau, wenn man weiß, dass Ammans Bewohnerschaft großenteils aus geflohenen Palästinensern besteht; in den 70er-Jahren hatten militante Palästinenser sogar einen – am Ende misslungenen Aufstand – angezettelt.
Sicherheitskräfte sind natürlich auch im Einsatz, meist unsichtbar im Hintergrund. Und auch die Tatsache, dass Königin Rania palästinensische Wurzeln hat, trug zu einer langfristigen Befriedung der Lage bei. Jordanien zählt heute zu den stabilsten arabischen Staaten und ist das einzige Land in der Region ohne Öl, in dem es seit vielen Jahrzehnten keinen Krieg gab.
Jabal Amman und Jabal Weibdeh zählen zu den interessantesten Stadtvierteln. Jabal bedeutet Berg, und tatsächlich handelt es sich um zwei Nachbarschaften auf Hügeln. Im Tal dazwischen liegt die Altstadt. Die Häuser in Jabal Weibdeh sind niedrig, viele Wände sind mit Graffiti bemalt, es wimmelt von hippen Cafés. Hier treffen sich junge Jordanier und Künstler.
Hier sind auch viele Expats zu Hause, die in Jordanien arbeiten, deshalb wird hier viel Englisch gesprochen. In Jabal Amman hingegen lebt die Mittelschicht. Quirlig ist hier insbesondere die Rainbow Street, wo man Falafel essen und frisch gepressten Granatapfelsaft trinken kann.
Doch die meisten Jordanier gehen in ihrer Freizeit am liebsten in den Balad, die Altstadt im Tal. Auf den Bürgersteigen dort tummeln sich Menschenmassen, man kommt nur langsam voran. Kleine Läden verkaufen Tassen und Töpfe, Shisha-Pfeifen und Schmuck, und beim Metzger sind auch Hammelköpfe im Angebot.
Es lohnt sich, die King Faysal Street ganz hinunterzugehen, und durch die vielen kleinen Nebengassen zu bummeln. Auch abends kann man sich in dem gut besuchten Viertel sicher fühlen. Nicht verpassen: den Souq Al-Sukar. Ein klassischer arabischer Markt, herrlich wuselig und eng, wo die Händler unzählige Sorten Datteln und Oliven anpreisen, um deren Preis Ammaner Hausfrauen lautstark feilschen.
Balad ist auch eine gute Adresse, um jordanisches Essen zu probieren. In Bäckereien bekommt man für wenige Cent Managiisch mit Zaatar, eine Art Pizza mit Wildthymian. Für eine größere Mahlzeit bietet sich „Hashems“ an, eine Institution von Lokal: Es ist zur Straße hin offen, man isst unter Neonlicht an einfachen Tischen, ständig drängen neue Gäste herein und heraus. Hier kann man jeden treffen: Männer in Arbeitsjacken, die hastig essen, Familien, Touristen. Sogar der König hat hier schon gespeist, an der Wand hängt ein entsprechender Fotobeweis.
Die Kellner reichen Schalen mit Hummus, der Auberginencreme Mutabbal, der Bohnenpaste Foul und gefüllte Falafel. Teller und Besteck gibt es nur auf Nachfrage, gegessen wird mit den Händen und mit Brot, das getunkt wird. Nach dem Essen trinkt man Tee mit viel Zucker. Die Rechnung pro Person liegt im Schnitt unter fünf Euro.
Teurer, aber deutlich raffinierter tafelt man im „Shams El-Balad“ in Jabal Amman. In der umgebauten Villa mit großer Terrasse trifft sich Ammans Hautevolee. Man sitzt bei warmem Licht unter üppiger Pflanzendekoration und probiert sich durch die arabische Speisekarte. Bestseller sind die geröstete Aubergine auf grüner Sesamsoße sowie Hähnchenspieß mit Traubencreme. Wer Trauben aus der Flasche bevorzugt: Es gibt eine respektable Weinauswahl und sogar jordanische Weine der Kellerei Saint George.
Tag 2: Totes Meer & Beduinen
Die Straße von Amman ins Jordantal führt rund 1300 Meter herab. Hier treffen die arabische und die afrikanische Platte aufeinander, dazwischen liegt mit dem Toten Meer der tiefste Ort der Welt, dahinter sind die Hügel der Westbank zu sehen. Direkt am Toten Meer wechselt die Landschaft von grün in sandig-gelb, die Ränder des Gewässers sind weiß verkrustet vom Salz.
Das extrem salzige Wasser klebt an der Haut wie Öl, man kann auf ihm regelrecht schweben und geht nicht unter, selbst wenn man sich nicht bewegt. Ans Meer kommt man entweder von einem Parkplatz südlich von Waddi Mujib, oder gegen Bezahlung von einem der vielen Hotels und Wellnessanlagen am Nordende.
Nach dem Salzbad geht es weiter über eine Gebirgsstraße durch schroffe gelbe Berge zum Naturreservat Dana. Von einer hohen Klippe hat man ein schönes Panorama herab, mit etwas Glück (und einem Fernglas) bekommt man eine Sandkatze oder den arabischen Wolf zu Gesicht. Viele hundert Meter weiter unten sieht man am Abend die Lichter eines Dorfes, so klein und weit weg, wie sonst nur aus dem Flugzeugfenster.
Der Beduine Mohammed Ali Alkhawaldeh, der am nächsten Tag durch das Reservat führen wird und in dessen Haus außerhalb des Reservats man für eine Gebühr übernachten kann, reicht süßen Tee und erzählt, dass während des Gaza-Kriegs viele Touristen ferngeblieben seien, auch jetzt kämen trotz Waffenstillstand viel weniger als vorher: „Die Menschen verstehen nicht, dass es hier sicher ist.“ Eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes gibt es übrigens nicht. Später kocht Alkhawaldehs Frau typische Beduinenkost: Reis, Gemüse und Fleisch. Es wird auf einem Teppich sitzend eingenommen.
Tag 3: Dana & Petra
Alkhawaldeh führt zum Sonnenaufgang durch das Reservat Dana. Eine Landschaft zum Niederknien! Unten im Tal ist der Sandstein rot, darüber gelb und oben bei der Klippe, von der man gestern herabschauen konnte, schwarz. In manchen Felsen zeigen sich Muster aus Farben wie bei einem abstrakten Kunstwerk. Andere Felsen hat der Wind in absurde Formen gewetzt: hier Steinbögen, dort gigantische Pilze, und an einer Stelle eine Statue, die an einen Elefanten erinnert.
Die Autofahrt nach Petra dauert rund eine Stunde. Eine enge, einen Kilometer lange Schlucht führt in Jordaniens legendäre Felsenstadt. Vorbei geht es an Felslöchern und Säulenreihen, bis man aus dem Halbdunkel der Schlucht heraustritt, und auf die 40 Meter hohe sogenannte Schatzkammer von Petra blickt. Vor Corona und vor dem Gaza-Krieg herrschte hier großes Gedränge, momentan ist es noch angenehm leer.
Das in den Fels gemeißelte Gebäude ist ein Meisterwerk der Nabatäer – und nicht das einzige. Vor Tausenden Jahren schufen sie in Petra ein Amphitheater und Tempel, in die man einfach hereinspazieren kann, anders als in die Schatzkammer. Vom Hohen Opferplatz hat man einen fantastischen Blick über das Unesco-Weltkulturerbe. Zu seinen Blütezeiten etwa um Christi Geburt lebten hier mehr als 30.000 Menschen.
Tag 4: Rotes Meer & Wadi Rum
Ganz im Süden verfügt Jordanien, direkt neben dem israelischen Eilat, über einen Meereszugang: 26 Kilometer Küste am Golf von Akaba gehören zum Königreich. Hier befindet sich der einzige Hafen des Landes, daran schließen sich mehrere gut erschlossene Strände an. Hier sonnen sich Touristen und Einheimische direkt nebeneinander.
Die Hauptattraktion liegt aber unter Wasser: Korallenriffe, die zu den schönsten der Welt zählen. Das Wasser ist kristallklar; um hier bunten Fische zu sichten, muss man noch nicht einmal tauchen können – auch mit Schnorchel ist man hier mittendrin in der faszinierenden Unterwasserwelt des nördlichsten Korallenriffs der Welt. Direkt vom Strand erreichbar ist ein Riff aber nur vom obersten Abschnitt des South Beach, etwa auf Höhe des Toilettenhäuschens. Man sollte sich nur davor einlesen: Es gibt Seeigel und giftige Fische.
Letzte Station ist die eingangs erwähnte Marslandschaft des Wadi Rum. Wer mutig ist und ein Auto mit Vierradantrieb hat, kann dort selbst herumfahren. Sicherer ist es allerdings, einen Beduinen als Chauffeur zu bezahlen, um sich durch Canyons, über Sanddünen und zu natürlichen Felsbrücken kurven zu lassen, ohne im Sand steckenzubleiben.
Wer es lieber entschleunigt angeht, steigt auf einem Kamel um und lässt sich durch die Wüste schaukeln. Man kann in Wadi Rum auch in Camps übernachten. Aber Achtung: Online werden diese Anlagen oft mit sehr niedrigen Preisen beworben, nur damit die Betreiber später teils viel Geld dafür wollen, dass sie einem zeigen, wo das Camp ist. Das kann man vermeiden, indem man gleich vorab einen höherwertigen Anbieter aussucht.
Bei der circa dreistündigen Rückfahrt nach Amman kann man schon mal überlegen, welchen der oben genannten Filme man sich für den Rückflug herunterlädt. Vielleicht erkennt man ja einen der Orte wieder, in denen man gerade erst war. Nur ohne Raumschiff.
Tipps und Informationen:
Anreise: Direkt kann man mit Lufthansa, Royal Jordanian oder Ryanair nach Amman fliegen. Als Deutscher holt man sich am besten den Jordan Pass, für rund 85 Euro erhält man – online oder vor Ort – ein einmonatiges Visum und Eintritt in Petra und Wadi Rum.
Unterkunft: In Amman: zum Beispiel die „Liv Weibdeh Hotel Suites“, Doppelzimmer ab 96 Euro (livweibdehhotelsuites.jordan-hotel.top). Am Toten Meer: „Dead Sea Spa Resort“, Doppelzimmer ab 110 Euro (dssh.jo/de). In Aqaba: „Laverda Hotel“, Doppelzimmer ab 74 Euro oder in der inhabergeführten Jugendherberge „Hakaia“ ab 13 Euro pro Bett (je über gängige Buchungsportale). Übernachtung, Essen und Führung in Dana mit Alkhawaldeh für rund 50 Euro, Buchung: +962 7 7243 1532
Mietwagen: Geländegängige Wagen gibt es etwa bei Enterprise; auch weitere internationale Agenturen sind in Jordanien vertreten; Buchung vorab online und dabei auf Vollkaskoversicherung achten. Im Verkehr sollte man nicht damit rechnen, dass andere vorausschauend fahren.
Auskunft: visitjordan.com
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