Während das neue Flaggschiff der Mein-Schiff-Flotte noch fest vertäut im Hafen von Cagliari liegt, wird im Sportbereich des Dampfers auf Deck 17 schon Strecke gemacht: Alle zwölf Laufbänder sind belegt und auch fast alle anderen Ausdauermaschinen. Passagiere jeden Alters, von der drahtigen Mittzwanzigerin bis zum grauhaarigen Senior, sammeln Kilometer, schwitzen und pusten, arbeiten an ihrer Fitness.

Anders das Bild zwei Etagen tiefer im Spa auf Deck 15. Hier ist Entspannung angesagt. Ein Ehepaar sitzt in Bademänteln nach der Massage im Ruhebereich, eine Tasse Kräutertee in den Händen, den Blick auf die im Abendlicht glühende Hauptstadt Sardiniens. Eine Familie meldet sich an der Rezeption für einen Saunagang an. Auch in der großen Hitzekammer, die Benutzung ist im Reisepreis inbegriffen, öffnet sich hinter bodentiefen Fenstern ein Panorama zum Träumen.

„Mein Schiff Relax“ heißt das achte Schiff von TUI Cruises, und unsere Testfahrt ergibt: Der Name ist Programm. Die Hamburger Reederei schenkt an Bord den Themen Entspannung und Wellness noch größere Aufmerksamkeit als auf den anderen Exemplaren der „Mein Schiff“-Flotte.

Dabei galt bisher in der Kreuzfahrtbranche eigentlich das Prinzip, dass die Kabine sowie Essen und Trinken die beiden wesentlichen Faktoren für die Zufriedenheit der Passagiere sind. Erst danach folgt Wellness – gleichauf mit den Landausflügen.

Wachsender Stellenwert von Erholung

Dass TUI Cruises nun 1800 Quadratmeter des beschränkten Platzes an Bord für Saunen und Massageräume reserviert, zeigt den wachsenden Stellenwert der Erholung auf See. Andere Reedereien machen es ähnlich.

Man könnte im Falle von „Mein Schiff“ vielleicht auch unterstellen, dass die Deutschen, die mehr als 90 Prozent der Gäste der Flotte ausmachen, gegenwärtig besonders erholungsbedürftig sind. Mindestens genauso wird aber eine Rolle spielen, dass man mit aufpreispflichtigen Massagen, Kosmetikbehandlungen und Personal-Training-Angeboten einen ordentlichen Zuverdienst zum bereits gezahlten Reisepreis erwirtschaftet.

Kreuzfahrten bringen Renditen, wie sie im margenschwachen Tourismus selten zu finden sind. Erst kürzlich meldete das Unternehmen für das dritte Quartal 2025 eine Ergebnissteigerung um 21 Prozent.

Für Fitness ist an Bord noch aus einem anderen Grund gesorgt: Die „Relax“ ist das bisher größte Schiff der Reederei, die dafür eigens eine neue Kategorie ins Leben rief, die Intuitionklasse. 333 Meter erstrecken sich zwischen Bug und Heck. Das ist in etwa so lang wie ein US-Flugzeugträger.

Wer seine Kabine ganz vorn hat und zum windstillen Sonnendeck nach hinten will, muss sich gut überlegen, ob er alles in seine Tasche gepackt hat – Sonnencreme, Buch, Lesebrille, Mütze. Man will sich ungern noch einmal auf den Weg machen, hin und zurück würde es fast zehn Minuten dauern.

Stammklientel soll nicht verprellt werden

Das in Triest in der Werft Fincantieri gebaute Schiff reicht 19 Decks in die Höhe und bietet Platz für 3984 Gäste. Ein Drittel mehr als auf dem bisherigen Flaggschiff „Mein Schiff 7“ (von der Bruttoregisterzahl her ist die „Relax“ sogar um 40 Prozent größer) und 60 Prozent mehr als auf „Mein Schiff 3“ und „4“. Von den 2016 Kabinen sind wiederum 150 Suiten, auch das ein Rekord. Die größte Suite misst 88 Quadratmeter.

Die ihren Bewohnern vorbehaltenen Bereiche wie die „X-Lounge“ oder das „X-Sonnendeck“ wurden erweitert, erhielten eine Bar und einen Whirlpool und befinden sich nun am Heck und nicht mehr vorn. Erstmals gibt es ein eigenes Restaurant nur für die Top-Kundschaft, das „X-Coast“. Daraus lässt sich schließen, dass die Hamburger Reederei stärker auf die besonders zahlungskräftige Kundschaft setzt, allerdings ohne auf die Einstiegsklasse mit Innenkabinen zu verzichten. Und auch Kabinen für Einzelreisende werden angeboten.

Wer nun ein Schiff erwartet, wie es so noch nie gesehen wurde, den beruhigt der erfahrene General Manager, der gebürtige Wiener Michael Strauss: „Wir wissen um die Bedeutung unserer Stammgäste, manche sind schon zum 20. Mal mit unserer Flotte unterwegs. Kaum etwas ist bedauerlicher, als ihnen Gewohntes zu nehmen.“ Veränderungen müssten wohldosiert sein. Der Neuling „Relax“ – Mitte 2026 folgt noch die baugleiche „Mein Schiff Flow“ – wird also auch der Stammklientel weitgehend bekannt vorkommen, nur eben ein wenig umsortiert und größer.

Warum überhaupt der Größensprung? Auch da folgen die Hamburger einem Branchentrend, dem sich selbst Anbieter sogenannter Boutique-Schiffe nicht mehr entziehen können. Die in Monaco ansässige Reederei Silversea zum Beispiel, die mit Schiffen für 300 bis 400 Passagiere begann, fährt inzwischen mit über 700 Gästen. Aida Cruises aus Rostock kann auf ihren neueren Schiffen mehr als 6000 Passagiere unterbringen.

Mehr Platz bedeutet mehr zahlende Gäste, aber für diese eben auch mehr Angebot und Auswahl – nicht nur im Entspannungsbereich. Die „Relax“ umfasst 14 Restaurants, 17 Bars, ein Dutzend verschiedene Sonnendecks, ein zweistöckiges Theater, eine zweite kleinere Bühne und die Burlesque-Show „La Cage“. Zum Glück ist sie trotzdem kein schwimmender Vergnügungspark: „Unsere Flotte braucht keine Wasserrutschen“, gibt TUI-Cruises-Chefin Wybcke Meier klar die Linie vor.

Ein größeres Schiff heißt zudem, dass sich die Fixkosten besser verteilen. Auch für mehr Passagiere braucht es nur einen Kapitän, einen General Manager und einen Spa-Chef. Selbst ökologisch lässt sich ein Argument anführen: Statt zwei kleinerer Pötte läuft nur ein großer den Hafen an. Die Zahl der Gäste, die sich dann an Land drängen, bleibt freilich dieselbe.

Die „Relax“ ist zudem landstromfähig und kann mit Flüssiggas betrieben werden, was einen großen Unterschied bei den Emissionen macht, wie auf der aktuellen Route im westlichen Mittelmeer in Barcelona zu besichtigen war: Fünf Kreuzfahrtschiffe legten fast zeitgleich ab, vier qualmten dunkle Wolken, die „Relax“ nicht.

Inklusiv-Angebot mit Lücken

Die Reederei fährt auf dem neuen Schiff ihr gewohntes „Premium Inklusiv“-Konzept. Das bedeutet, dass die meisten Mahlzeiten und eine breite Auswahl an Getränken im Reisepreis enthalten sind, von Frühstück über Mittag- und Abendessen bis zu Snacks, Softdrinks, Kaffee, Cocktails.

Nur in den Spezialitätenrestaurants, zum Beispiel dem „Chalet“ mit Alpenküche oder dem skandinavischen Steakhaus „Høfde“, fallen zusätzliche Kosten an, ebenso bei besonderen Getränkewünschen. Preislich heraus ragt das neue japanische Restaurant „Fugu“ von Tim Raue, für das bei fünf festgelegten Gängen mit Weinbegleitung 119 Euro pro Person fällig sind.

Als Überraschungserfolg hat sich das neue griechische Restaurant auf Deck 5 erwiesen, es gehört zu den Angeboten ohne Aufpreis. An Seetagen zieht sich die Warteschlange vor der „Taverna Dionysos“ schon mal in die Länge. „Damit haben wir so nicht gerechnet“, gibt General Manager Strauss zu. Ganz so veränderungsscheu ist die Gästeschar also doch nicht.

Für eine Reise auf einem solchen Riesen gilt jedoch auch: Man muss Menschen mögen. Viele Leute sind ständig in den Gängen unterwegs, stehen vor den 18 Aufzügen oder vor der griechischen Taverne und am Abend vor dem zweistöckigen Hauptrestaurant „Atlantik“ mit 2500 Plätzen.

Die Liegen am 25 Meter langen Pool sind eng gestellt, gerade an Tagen ohne Hafenhalt wird es voll, die Schattenplätze sind umkämpft. Es wurden bereits zusätzliche Sonnensegel und Sonnenschirme angeschafft. Es hätten wohl noch mehr sein können.

Der eleganteste Ort an Bord

Das Innere überzeugt durch viel Glas und Licht. Das Meer ist fast allgegenwärtig. Das ist auf den älteren Schwesterschiffen anders. Eine Änderung, die sicherlich alle Gäste, Stammkunden wie Neulinge, überzeugt. An der Rezeption erstreckt sich die Fensterfront über drei Decks, in der „Captain’s Bar“, der eleganteste Ort an Bord, über zwei. Die Restaurantbereiche gehen fließend ineinander über, man findet sich intuitiv zurecht. Vielleicht auch deshalb der Name „Intuitionklasse“, in dem ja auch der Name des Mutterkonzerns – TUI – steckt.

Das Glanzstück aber ist der Spa-Bereich auf Deck 15. Wer ihn intensiv nutzen will, dem sind die sogenannten Spa-Kabinen zu empfehlen. Vom Zuschnitt entsprechen sie den üblichen Doppelkabinen, sie liegen aber im Sinne kurzer Wege direkt unter Wellness-Bereich und Gym. Ohne frühzeitige Online-Reservierung ist eine Massage an Seetagen kaum zu bekommen.

Das Angebot reicht von Sportmassagen über hawaiianisches Lomi Lomi bis zu ayurvedischen Behandlungen. Eine Stunde kostet zwischen 90 und 115 Euro. Das zahlt man auch in einem Vier-Sterne-Resort an Land, die Qualität der Massagen ist mindestens ebenso gut.

Die Abläufe wirken erprobt, die Therapeuten erfahren und engagiert. Kein Vergleich zu manchem Kreuzfahrtschiff noch vor wenigen Jahren, als man den Eindruck hatte, wer an Bord sonst nichts konnte, wurde eben Masseur. Das kann man sich heute nicht mehr erlauben, versichert Spa-Chef Milan Scepanovic, der ausgebildeter Physiotherapeut ist und seit 14 Jahren bei der Flotte. Die Ansprüche der Kunden seien in der Hinsicht deutlich gewachsen.

Finnische Sauna, Kräutersauna, Salzsauna und sogar eine kleine aufpreispflichtige Fasssauna für fünf Personen oben auf dem Schiff – auch das ist eine Vielfalt, wie sie selbst Hotels auf festem Boden selten bieten. Dazu erstmals eine Kältekammer in Form eines übergroßen Kühlschranks. Der Temperatursturz auf minus 120 Grad soll die Pfunde purzeln lassen, die man sich unterwegs angefuttert hat. Eine Sitzung kostet 30 Euro.

„Manche Gäste kommen jeden Tag in die Sauna“, sagt Scepanovic. Nur ausgerechnet Jan Rautawaara, den ersten Kapitän auf der „Mein Schiff Relax“, hat der Spa-Chef in seinem Reich nie gesehen – obwohl der aus Finnland stammt, dem Saunaland schlechthin.

Informationen: Die „Mein Schiff Relax“ kreuzt in diesem Winter zwischen den Kanarischen Inseln – sieben Nächte Kanaren mit Abstecher nach Madeira kosten ab 899 Euro p.P. in der Innenkabine (ohne Flug). In der Sommersaison 2026 ist das Schiff in Nordeuropa und der Ostsee unterwegs. Die Speisen und Getränke in den meisten Restaurants, Bars und Bistros sind im „Premium-Inklusiv“-Konzept enthalten (meinschiff.com/mein-schiff-relax)

Wellness an Bord: Welche Reederei bietet was?

Ohne Spa keine Kreuzfahrt: Dieses Motto scheint inzwischen für fast jede Reederei zu gelten. Das Angebot wird immer größer – und überraschender. Selbst auf Schlafberatung und Massagen in der Schwerelosigkeit wird nicht verzichtet. Eine Übersicht.

Aida Cruises: Spiel, Sport und Spaß gehören seit jeher zum Konzept dieser vor allem auf den deutschen Markt ausgerichteten Reederei. Weshalb auf den größeren Aida-Schiffen die Spa-Bereiche bis zu 3500 Quadratmeter groß sind. Dort erwarten die Gäste bis zu fünf verschiedene Saunen und im Gym mehr als 30 kostenlose Sportkurse. Auf der „Aida Cosma“ oder „Aida Nova“ kam man in nicht weniger als 15 Pools abtauchen (aida.de).

Royal Caribbean: Niemand baut größere Schiffe als die US-Reederei und natürlich stattet sie diese auch mit den größten Wellness-Bereichen auf den Weltmeeren aus. Den Wünschen der amerikanischen Klientel entsprechend sind Antifalten-Behandlungen und Zahnaufhellungen Teil des Programms. Für Kinder und Jugendliche gibt es sogar ein eigenes Spa mit abgestimmten Angeboten wie eine Anti-Akne-Behandlung (royalcaribbean.com).

Hapag-Lloyd Cruises: Die beiden Luxusschiffe „Europa“ und „Europa 2“ sind im Vergleich zu den Ozeanriesen neuerer Generation fast winzig, aber bei den Wellness-Bereichen beweisen auch sie Größe: Das „Ocean Spa“ auf der „Europa 2“ beispielsweise verfügt über 800 Quadratmeter mit vier Saunen und einem 15 Meter langen Pool. Ausgewiesene Experten bietet Kurse mit holistischem Ansatz zu Fitness, Gesundheit und mentaler Entspannung an, und im bordeigenen Gym kann man in Golfsimulatoren den Abschlag üben (hl-cruises.de).

Regent Seven Seas: Diese US-Gesellschaft versteht sich auf Glanz und Gloria wie kaum eine andere. Da wundert es kaum, dass allein der Zugang zum Spa auf der neuen „Grandeur“ wie der Laufsteg in eine besonders erlesene Wellness-Oase wirkt. Die Behandlungen halten das Opulenz-Versprechen: Spa-Rituale mit Edelsteinen, Körperanwendungen unter dem Sternenhimmel, und bei der „Zero Gravity Wellness Massage“ wird auf einer speziell konstruierten Liege ein Gefühl der Schwerelosigkeit versprochen (de.rssc.com).

Silversea: Im neuen Wellnessprogramm „Otium“ setzt die monegassische Reederei auf großzügige Thermallandschaften mit Sauna, Dampfbädern und Erlebnisduschen, ergänzt durch kosmetische Behandlungen wie „Microneedling“, bei dem feine Nadeln die Hauterneuerung stimulieren sollen. Die Entspannung zieht sich vom Spa bis in die Kabinen, für die die Gäste spezielle Matratzen und Kopfkissen ordern können. Wer will, kann sogar eine Schlafberatung buchen (silversea.com).

Viking: Die Wikingertradition prägt nicht nur den Namen des von einem Norweger gegründeten Unternehmens, sondern auch das Wellnesserlebnis auf hoher See. Schwedische Massagen, nordische Schneegrotten, Saunen und Dampfbäder in Spitzenqualität gehören zum Angebot der Ozeanschiffe (auf den Flussschiffen ist das Angebot kleiner). Dazu passen Kurse wie Atemtraining und Aromatherapien (vikingcruises.com).

NCL: Die bunten Schiffe der amerikanischen Reederei Norwegian Cruise Line kooperieren mit der aus Bali stammenden Spa-Gruppe Mandara und konzentrieren sich auf Qualität statt Quantität. Je nach Schiff gibt es zwischen drei und elf Behandlungsräume, zwei Saunen für je bis zu acht Gäste, dazu eine Salzgrotte. Kurse wie das „Bootcamp“ im Fitness-Center klingen allerdings eher anstrengend (ncl.com).

MSC: Auch die europäische Reederei MSC setzt auf asiatische Traditionen. In ihren „Aurea Spas“ locken exotische Hölzer und duftende Kräuter. Zu sanftem Kerzenlicht und entspannenden Klängen wird hier auf balinesische Weise massiert und nach ayurvedischer Art verjüngt (msccruises.de).

Die Teilnahme an der Reise wurde unterstützt von TUI Cruises. Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit finden Sie unter go2.as/unabhaengigkeit

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