Nur keine Hemmungen! Bauch raus, Schultern hängen lassen, Doppelkinn runter. Sieht nicht so schön aus, muss aber beim Jodeln sein.

Aus dem Zwerchfell atmen, Resonanz schaffen. Juchzen, Gurgeln, Jaulen.

Aus voller Kehle. Jodeln, der Sound der Berge, will gelernt sein.

Beim Schweizer Jodelkurs, etwa im Toggenburger Land, in St. Gallen oder auch in Luzern, üben Urlauber, was die Kehle hergibt: „Ho-la-di-la-di-ho“, „Holla-di-hi“. Das ist hohe und tiefe Stimmakrobatik, um mit Kehlkopfschlag zwischen Brust- und Kopfstimme zu wechseln.

Jodeln: Hauptsache laut

Bei vielen Teilnehmern klingt das freilich eher wie der allererste Tarzan-Schrei von Johnny Weissmüller. Doch beim Jodeln ist eigentlich alles erlaubt, Hauptsache laut und weit hörbar. Einst verständigten sich so die Hirten in den Bergen über weite Distanzen. Das Echo trug deren Rufe kilometerweit.

Jetzt wird noch mehr gejodelt als je zuvor, denn das Schweizer Jodeln ist neuerdings ein besonders geschütztes Unesco-Kulturerbe. Es wurde im Dezember 2025 in die Liste der immateriellen Schätze der Menschheit aufgenommen. Diese Tradition sei tief in der Bevölkerung verankert und werde über Generationen weitergegeben, heißt es in der Begründung.

Überall in den Bergen wird gejodelt

Jedoch muss man dazu sagen, dass weltweit vielerorts in den Bergen und auch Mittelgebirgen seit jeher gejodelt wird, also nicht nur in den Schweizer Alpen. In Österreich (mit seinen Salzburger Jodelschulen) und in Deutschland (im Thüringer Wald und Erzgebirge zum Beispiel) wird gern gejodelt.

Tatsächlich stehen sogar bereits Jodelgesänge aus Simbabwe und Georgien auf der Unesco-Liste. Darum bezieht sich die Würdigung explizit nicht auf die Gesangstechnik an sich, sondern auf die Schweizer Tradition, die dort besonders gehegt und gepflegt wird. 

Jodel-Studiengang in Luzern

Die Eidgenossen jedenfalls nehmen das Jodeln sehr ernst: Mehr als 12.000 Sänger und Sängerinnen sind im Eidgenössischen Jodelverband aktiv, eine „korrekte“ Tracht ist bei Auftritten mit Akkordeon und Alphorn obligatorisch.

Man hat aus dem Jodeln sogar eine Wissenschaft gemacht: Es gibt an der Luzerner Hochschule seit ein paar Jahren einen Jodel-Studiengang; was man damit anstellen kann, ist allerdings fraglich.

Loriots „Holleri du dödl di“

Als Deutscher denkt man da unweigerlich an den legendären Loriot-Sketch, in dem Frau Hoppenstedt einen Jodelkurs macht, um „mal etwas Eigenes“ zu machen. Sie erinnern sich? „Holleri du dödl di, diri diri dudel dö“.  Viele Schweizer haben die Persiflage Loriot damals sehr übel genommen. Urlauber, die unterwegs in der Schweiz sind und Jodeln lernen wollen, finden quasi in jedem Bergdorf einen Kurs. Nach dem Motto: Jeder kann jodeln.

Das „unartikulierte Singen aus der Gurgel“ ist so populär geworden, dass es inzwischen Hunderte Kurse und Workshops für Anfänger gibt, etwa bei den Anbietern jodel.ch oder klubschule.ch. 

Es gibt sogar Jodel-Wanderungen, etwa auf dem ersten Jodelweg im Simmental (jodlerweg.ch), denn draußen macht das hemmungslose Jodeln auch zaudernden Urlaubern Spaß.

Wer die Sache mit dem Kehlkopfschlag zu schwierig findet, kann alternativ auch Jodel-Events in der Schweiz besuchen. Etwa das Eidgenössische Jodlerfest in Basel mit Tausenden Teilnehmern (26. bis 28. Juni 2026) oder das Jugendjodelfest in Grindelwald (11. bis 13. September 2026).

Oder Sie üben erst einmal daheim – tolerante Nachbarn vorausgesetzt.

Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke