Auf Drehkreuz – dieses beschönigende Wort steht für zwangsweises Umsteigen auf einem Langstreckenflug, was Zeit und Nerven kostet. Doch man kann aus dem Nervigen mühelos etwas Positives machen: Nicht einfach nur umsteigen, sondern aussteigen und ein paar Tage vor Ort bleiben für einen Kurzurlaub, der dem eigentlichen Urlaub vor- oder nachgeschaltet wird.

Für viele Deutsche führt der Flug auf dem Weg nach Asien, Afrika oder Australien über einen der internationalen Großflughäfen am Persischen Golf: Dubai, Doha oder Abu Dhabi. Dort bieten Qatar Airways, Emirates und Etihad jeweils besondere Stopover-Aufenthalte. Jede der drei Metropolen lohnt sich als eigenständiges Reiseziel, und jede hat ihre besonderen Reize. Ein Überblick.

Doha – Sandsurfen und Roboterjockeys

Vielen ist Doha erst seit der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 ein Begriff. Um als Touristenziel zu wachsen, investierte die Hauptstadt des Emirats Katar auch nach dem Ende des Turniers weiter in Infrastruktur, Kultur und öffentliche Bauten. Der Flughafen Hamad International ist einer der gelungensten der Region und erinnert mit seinem lichtdurchfluteten Terminal, den Wasserflächen, Palmengärten und Kunstinstallationen an Singapur-Changi.

Man sollte den Flughafen trotzdem verlassen! Ein Stopover von zwei oder drei Nächten lohnt sich in dem immer noch überschaubaren Doha allemal. Zwei Bauwerke rund um den alten Hafen prägen das moderne Gesicht der Stadt mit einer Million Einwohnern: das von dem Franzosen Jean Nouvel entworfene Nationalmuseum, dessen Architektur einer Wüstenblume nachempfunden ist, und das Museum für Islamische Kunst des chinesisch-amerikanischen Meisters I.M. Pei. Dessen Sammlung ist absolute Weltklasse. Auch den Nachmittagstee in der großen Lobby mit Blick auf das Wasser sollte man nicht versäumen.

Dohas Skyline lässt sich auch vom Meer aus betrachten. Seit Jahrhunderten kreuzen hölzerne Dhaus durch den Golf, man kann sie heutzutage für ein- oder mehrstündige Besichtigungsfahrten buchen, am besten zum Sonnenuntergang, wenn der Himmel hinter den Glastürmen der West Bay rosa-orange leuchtet. Die Abfahrtspunkte liegen an der Uferpromenade Corniche.

In der Innenstadt gibt es einen der schönsten alten Märkte am Golf: den Souq Waqif. Das enge Gassengeflecht wirkt modern und gepflegt, weil es vor 20 Jahren von Grund auf restauriert wurde. In den kleinen Läden werden Stoffe, Goldschmuck, Gewürze, Duftöle und Lederwaren angeboten, selbst Singvögel und lebende Hühner sind zu bekommen. Entlang der Hauptgasse reihen sich viele Restaurants. Alkohol wird nicht ausgeschenkt, Englisch fast überall gesprochen.

Ein schöner Ausflug ist ein Besuch auf der Kamelrennbahn in Al Shahaniya. Dort finden freitags von Oktober bis Februar nationale und internationale Wettkämpfe statt, im März steigt sogar ein zwölftägiges Festival. Die bis zu 65 Kilometer pro Stunde schnellen Tiere werden von ferngesteuerten Roboterjockeys geritten. Wer genug Zeit hat, kann auch die faszinierenden Wüstenlandschaften nahe der Grenze zu Saudi-Arabien per Jeep erkunden und sich im Sandsurfen versuchen.

Fazit: In Katars Hauptstadt findet man sich gut zurecht. Sie punktet mit modernem Großstadtleben, ohne ihre arabischen Traditionen zu vergessen (visitqatar.com).

Dubai – Superlative, Strände und Schokolade

Als Pionier des Tourismus hat Dubai den Maßstab für die anderen Emirate gesetzt. Was vor 15 Jahren noch exotisch klang, ist heute fast selbstverständlich: Urlaub in der Wüste. Die Metropole mit fast vier Millionen Einwohnern bietet nahezu grenzenlose Attraktionen.

Der Burj Khalifa, 828 Meter hoch, überragt sie wie ein Monument des Ehrgeizes. Zu seinen Füßen steigen jeden Abend gewaltige Fontänen aus einem künstlichen See in den Himmel. Gleich daneben lockt mit der „Dubai Mall“ eines der größten Einkaufszentren der Welt, ein Labyrinth aus Hunderten Läden und Dutzenden Restaurants, in dem man sogar Schlittschuh laufen kann, während draußen 40 Grad herrschen.

Sterneküche, vergoldete Sportwagen, Hotelpaläste aus Glas und Marmor und als süßes Symbol des Überflusses die nach der Stadt benannte Dubai-Schokolade mit Pistazien und Sesam-Mus – schon kurz nach der Ankunft merkt selbst der Neuling, dass sich hier fast alles um Geldverdienen und Geldausgeben dreht. Diese Mischung aus Größenwahn und Glamour hat ihren Reiz, aber man muss sie aushalten können.

Wer will, kann dem kommerzverliebten Großstadtleben entkommen. Eine Möglichkeit bieten die Strandresorts außerhalb des Zentrums. Die andere heißt Alserkal Avenue, ein ehemaliges Industrieareal in Al Quoz, das sich zum kreativen Herzen Dubais entwickelt hat. In die Lagerhallen sind Galerien, Designstudios, Bühnen für Musik und Kleinkunst, Cafés und Co-Working-Spaces gezogen. Es gibt ein Programmkino und einen Wochenmarkt. Ein Ort, der zeigt, wie die Metropole kulturell von ihrer spannenden Lage zwischen Afrika, Asien und Europa profitieren kann.

Fazit: Dubai ist die glamouröse Kommerzkapitale am Golf mit Hotels, Shopping und Gastronomie auf höchstem Niveau, aber es gibt auch schöne Strände und Kunst (visitdubai.com).

Abu Dhabi – Baden in Kunst

Abu Dhabi ist mit anderthalb Millionen Einwohnern deutlich kleiner als Dubai, ist trotzdem die Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate. In den vergangenen Jahren hat die Kapitale erheblich an Profil gewonnen, weil sie sich das Beste und Schönste der internationalen Architektur- und Kulturwelt eingekauft hat: Den großartigen Louvre-Ableger, ebenfalls ein Bau des Franzosen Jean Nouvel, das Guggenheim von Frank Gehry (soll wahrscheinlich 2026 eröffnen), die hohen flügelartigen Türme des nagelneuen Nationalmuseums, entworfen von Norman Foster. Alles steht zentral auf der Insel Saadiyat im neuen Kulturdistrikt, in den das Emirat mehr als sechs Milliarden Euro investiert hat.

Einen Besuch wert ist auch die Scheich-Zayid-Moschee, sie gehört zu den zehn größten der Welt. Der Bau aus strahlend weißem Marmor erinnert mit seinen Kuppeln an das indische Tadsch Mahal, die gigantischen Kronleuchter wurden von deutschen Firmen hergestellt.

Abu Dhabi versucht, sich ein tolerantes Image zuzulegen. Bestes Beispiel dafür ist das Abrahamic Family House des britisch-ghanaischen Architekten David Adjaye. Es beherbergt eine Moschee, eine christliche Kirche und eine Synagoge. Alle drei Gebäude sind gleich groß, nur die Fassadengestaltung unterscheidet sich.

Nicht nur Kunst und Architektur, sondern auch Natur hat Abu Dhabi zu bieten: Kajaktouren führen durch stille Lagunen und Mangrovenwälder, Jeeptouren zum „Leeren Viertel“, in dem sich die Sanddünen bis 300 Meter hoch türmen. Knapp zwei Stunden entfernt (über die neue sechsspurige Autobahn erreichbar) liegt die alte Oasenstadt Al Ain mit dem renovierten Fort, in dem Staatsgründer Scheich Zayid bin Sultan Al Nahyan aufwuchs.

Zurück in Abu Dhabi findet man nahe dem Kulturdistrikt auf Saadiyat fabelhafte Badestrände und familienfreundliche Hotelresorts. Der Sand ist weiß und sauber, das Wasser kristallklar. Man kann sich gut vorstellen, wie hier einst die Perlentaucher ihrem Lebensunterhalt nachgingen – bis Kunstperlen erfunden wurden. Zum Glück für die Emiratis kam dann das Öl. Und jetzt der Tourismus.

Fazit: Wer Spitzenkultur mit Badeurlaub verbinden möchte, ist in Abu Dhabi richtig. Die Stadt setzt auf Klasse statt Masse, auf Stil statt Spektakel (visitabudhabi.ae).

Stopover-Programme am Persischen Golf:

Qatar Airways bietet mit Qatar Stopover einen Transitaufenthalt in Doha zwischen zwölf und 96 Stunden. Buchbar sind Ausflüge und bis zu vier Übernachtungen (im Vier-Sterne-Hotel als Spezialangebot ab 14 US-Dollar pro Nacht, fünf Sterne ab 24 Dollar (qatarairways.com/en/offers/qatar-stopover.html).

Emirates hat Dubai Stopover im Angebot, das Kurzaufenthalte von einem oder mehreren Tagen bietet. Es stehen Hunderte Hotels und Freizeitoptionen zur Wahl; wer seine Emirates-Bordkarte vorzeigt, erhält zusätzliche Rabatte auch in Restaurants oder Spas (emirates.com/de/german/discover-dubai/dubai-stopover).

Etihads Stopover in Abu Dhabi ermöglicht zwei kostenlose Hotelnächte oder Rabatte bei längeren Aufenthalten; mit dem Stopover Pass spart man bis zu 15 Prozent bei Attraktionen und Touren (etihad.com/en/abu-dhabi/ stopover).

Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke