Die Republikaner von US-Präsident Donald Trump haben ihre Mehrheiten im Repräsentantenhaus und im Senat an die Demokraten verloren. Für manche Kommentatoren ist das ein „Debakel“ für Trump, für andere ein Erfolg der Demokratie. Einig sind sich die Kommentare in einem: Über die USA ist eine „blaue Welle“ gerollt.

Trump sei gezwungen worden, sich seiner politischen Vergänglichkeit zu stellen, schrieb das Magazin „The Atlantic“. Er habe die Wähler aufgefordert, die Zwischenwahlen zu einem Referendum über ihn zu machen. „Sie haben ihm zugehört – und ihm eine Absage erteilt.“

Die „New York Times“ warf Trump vor, in den vergangenen zwei Jahren versucht zu haben, die amerikanische Demokratie zu untergraben. „Am Dienstag stellten sich die Wähler ihm entgegen.“ Kongress und Richter müssten in seinen verbleibenden zwei Amtsjahren darauf vorbereitet sein, weiteren Versuchen entgegenzutreten, die verfassungsmäßige Ordnung zu untergraben.

Dennoch sei das „ein Tag, an dem man stolz sein kann“, so die Zeitung. Aufstrebende Autoritäre nutzten Parlamentswahlen oft, um ihre Macht zu zementieren. „2026 hat das amerikanische Volk Trump dies verwehrt. Das System hat standgehalten.“

Im „Wall Street Journal“ hieß es, es werde viel über das Ende von Trumps politischem Projekt gesprochen – „sofern man überhaupt von einem solchen, in sich schlüssigen Projekt sprechen kann“. Die Republikaner würden abgestraft, „weil sich Trump in Wirtschaftsfragen immer wieder selbst ein Bein stellt“. Selbst wenn er einmal recht habe, wie im Fall des Iran, kämpfe er damit, sich verständlich zu machen.

Zeitungen in Großbritannien, Irland und Brasilien sprechen vom Ende einer Ära

Die Wähler hätten Trump ihre Unzufriedenheit mit seiner zweiten Amtszeit gezeigt und entschieden dafür gestimmt, seine Macht zu beschneiden, schrieb die Kolumnistin Moira Donegan im britischen „Guardian“. „Am Dienstagabend – fast genau zehn Jahre nachdem er 2016 überraschend gegen Hillary Clinton die Präsidentschaft gewonnen hatte – ist die Trump-Ära faktisch zu Ende gegangen.“ Trump wirke leichtfertig und weltfremd, „wie Marie Antoinette mit schlechtem Toupet“.

In der „Irish Times“ wertete Denis Staunton die Wahl als Absage an Trump und seine Politik, darunter die Zölle und den Krieg im Iran, der die Preise für Lebensmittel und Treibstoff in die Höhe getrieben habe. Zugleich ende eine von Kulturkämpfen geprägte Ära der amerikanischen Politik. „Es zeigt sich, dass es den Amerikanern wichtiger ist, wie sie Essen auf den Tisch und Benzin in den Tank bekommen, als wer welche Toilette benutzt.“

„Die Amerikaner haben an diesem Dienstag, dem 3. November, das Ende der Trump-Ära um zwei Jahre vorgezogen“, schrieb Eduardo Graça in der brasilianischen Zeitung „O Globo“. Millionen Wähler in allen Landesteilen hätten Trumps zweite Amtszeit unmissverständlich zurückgewiesen. Es sei aber naiv zu glauben, dass Trump die verbleibenden zwei Jahre bequem „in der Rolle der Königin von England“ verbringen werde.

Argentinische Zeitung sieht Rückschlag mit „unabsehbaren Folgen“

Die argentinische Zeitung „La Nación“ schrieb, Trump habe in der „richtungsweisenden Schlacht um die Kontrolle über den US-Kongress einen Alptraumabend“ erlebt. Die Wahl werde seine letzten beiden Jahre im Weißen Haus nachhaltig prägen. Der Verlust beider Kammern sei „ein Rückschlag mit unabsehbaren Folgen für den Präsidenten“.

„Bei den Zwischenwahlen erlebten die Vereinigten Staaten einen regelrechten demokratischen Tsunami“, kommentierte die mexikanische Zeitung „Reforma“.

Noch während der Auszählung schrieb der Gastautor David Shribman in der kanadischen Zeitung „The Globe and Mail“, die Amerikaner hätten ihren Groll „an einem Politiker ausgelassen, der selbst ein Meister der Politik des Grolls ist“. Sollten sich die ersten Ergebnisse bestätigen und hätten die USA ein parlamentarisches System wie Kanada, „wäre Trumps Präsidentschaft vorbei, im wörtlichen Sinne“.

Zeitungen in Spanien, Italien und Frankreich sehen Trump in der Verantwortung

Für die Republikaner sei es „ein regelrechtes Gemetzel, eine herbe Abstrafung des US-Präsidenten und ein historischer Abend“ gewesen, schrieb die spanische Zeitung „El País“. Angetrieben vom Überdruss der Wähler „angesichts einer chaotischen Präsidentschaft voller gebrochener Versprechen“ habe die Opposition mit Wucht gegen Trump zurückgeschlagen. „Die Umfragen sagten eine ‚blaue Welle‘ voraus, doch (…) ein regelrechter Tsunami fegte schließlich über die republikanischen Küsten hinweg.“

Die italienische Zeitung „La Repubblica“ sah Trump auf „ein epochales Debakel“ zusteuern, „das ihm voll und ganz selbst zuzuschreiben ist“. Das Thema, das die Wähler am meisten beschäftigt habe, sei die Inflation gewesen, „ausgelöst und befeuert durch den Krieg im Iran“. Deshalb liege die Verantwortung für die Unzufriedenheit „direkt beim Chef des Weißen Hauses und seinen Entscheidungen“.

Die ersten Ergebnisse hätten die Hoffnungen der Demokraten bestätigt „und sogar übertroffen“, schrieb Adrien Jaulmes in der französischen Zeitung „Le Figaro“. Die historische Schlappe der Republikaner sei „eine klare und deutliche Zurückweisung der 22 Monate Politik Donald Trumps“.

Zeitungen erwarten keine schnelle Rückkehr zur Normalität

„Die Wähler haben sich in einer Revolte gegen Donald Trumps Partei erhoben“, schrieb die schwedische Zeitung „Dagens Nyheter“ in ihrem Leitartikel. Anfang des Jahres habe Trump noch unbesiegbar gewirkt, „knapp ein Jahr später ist er der größte Verlierer aller Zeiten“. Die Zeitung warnte aber: „Niemand sollte aus dem Ergebnis vom Dienstag den Schluss ziehen, dass die USA, die wir zu kennen glaubten, zurück sind.“

„Die USA werden nicht über Nacht wieder von einer Unordnungs- zu einer Ordnungsmacht“, schrieb Georg Häsler in der „Neuen Zürcher Zeitung“. In der Außen- und Sicherheitspolitik bleibe Trump viel Handlungsfreiheit. „Die disruptive Politik Washingtons hat die Gegner des Westens gestärkt. Daran ändern auch die Zwischenwahlen nichts.“

++ Alle Entwicklungen rund um die US-Zwischenwahlen im Liveticker ++

„Ein Ende der turbulenten Trump-Ära in der amerikanischen Politik ist in Sicht“, schrieb der australische „Sydney Morning Herald“. Die Umfragen legten nahe, dass man Trumps Höhepunkt wahrscheinlich bereits erlebt habe. Was danach komme, müssten er, sein Kabinett und der neue Kongress aber „erst noch untereinander ausfechten“. Für den US-Präsidenten „könnten es zwei schwierige Jahre werden.“

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