Demokraten erobern Mehrheit im Repräsentantenhaus – zahlreiche Überraschungen
Laut Hochrechnungen von CNN und NBC ist zumindest das Rennen um das Repräsentantenhaus zu Gunsten der Demokraten entschieden. Sie hatten sich schnell einen Vorsprung bei den US-Zwischenwahlen erarbeitet und dürfen darauf hoffen, auch im Senat die Mehrheit zu übernehmen.
Millionen Bürger in den USA waren aufgerufen, Abgeordnete für das Repräsentantenhaus und Senatoren zu wählen. Bei den Parlamentswahlen werden alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus sowie 35 der 100 Senatssitze neu bestimmt. Die Topthemen des Wahlkampfes waren die Wirtschaft (39 %), Demokratie (32 %) und Immigration (14 %). 44 Prozent der vor der Wahl befragten US-Amerikaner gaben an, es ginge ihnen schlechter als vor zwei Jahren. Mit der Arbeit von Donald Trump waren nur sieben Prozent sehr zufrieden und 18 Prozent zufrieden – 37 Prozent gaben an, unzufrieden zu sein, 38 Prozent sagten sogar, sie seien verärgert.
Den ersten der zur Wahl stehenden Senatssitze hatte sich der Demokrat und amtierende Senator Mark Warner im Bundesstaat Virginia gesichert. Ein deutliches Zeichen setzte Jon Ossoff, der sein Senatsmandat im Swing State Georgia verteidigen konnte. Nach Prognosen der Sender NBC, CBS und CNN setzte sich der 39-Jährige gegen den republikanischen Kandidaten Mike Collins durch, der von US-Präsident Donald Trump im Wahlkampf massiv unterstützt wurde.
Ossoff ist der jüngste US-Senator, er gilt in der Demokratischen Partei als großer Hoffnungsträger. Trump hatte ihn während des Wahlkampfs als „schwachen, arroganten, hasserfüllten radikal linken Senator“ beschimpft, obwohl Ossoff bei den Demokraten eher zu den Moderaten gehört. Ossoff warf dem 80-jährigen Trump im Gegenzug „seniles Gebrabbel“ vor. Er ist der erste jüdische Senator. Wegen seiner leidenschaftlichen Ansprachen wird Ossoff, obwohl er weiß ist, mit dem früheren Präsidenten Barack Obama verglichen. Ambitionen auf die Präsidentschaft streitet er bislang vehement ab.
Jon Ossoff holt im Swing State Georgia einen Senatorensitz für die DemokratenTalarico vor dem blauen Wunder in Texas
Ein blaues Beben scheint Texas zu erleben. Seit den 80er-Jahren war der Staat eine uneinnehmbare republikanische Festung. Jimmy Carter war der letzte Demokrat, der 1976 dort bei einer Präsidentschaftswahl gewinnen konnte. Noch vor zwei Jahren hatte Donald Trump dort einen Vorsprung von 13,6 Prozent Stimmen. Nun aber scheint sich James Talarico gegen den texanischen Generalstaatsanwalt und engen Trump-Verbündeten Ken Paxton durchzusetzen. Er führt mit 59,4 zu 39,1 Prozent der Stimmen (bei einer Auszählung von 52 Prozent). Der 37-jährige Talarico ist progressiver Abgeordneter des texanischen Repräsentantenhauses und gilt als große Hoffnung der Demokraten.
James Talarico gelingt ein kleines Wunder in TexasEin wichtiger Sieg im Rennen um die Kontrolle im US-Senat ist den Demokraten auch im Bundesstaat North Carolina gelungen. Dort eroberte der frühere Gouverneur Roy Cooper einen Sitz von den Republikanern, er setzte sich gegen den Republikaner Michael Whatley durch. Cooper ist damit der erste demokratische Senator seit 2008.
North Carolina hat einen demokratischen Senator: Roy CooperBottoms schreibt Geschichte in Georgia
Für eine Sensation sorgte Keisha Lance Bottoms. Sie besiegte den republikanischen Milliardär Rick Jackson mit rund 55,8 Prozent der Stimmen und sorgte damit für einen historischen politischen Wechsel in Georgia. 24 Jahre lang waren alle Gouverneure republikanisch. Bottoms schreibt Geschichte, weil sie die erste Frau und die erste Afroamerikanerin im Amt des Gouverneurs von Georgia wird. Von 2018 bis 2022 war Bottoms Bürgermeisterin von Atlanta und diente danach unter US-Präsident Joe Biden als leitende Beraterin im Weißen Haus.
Georgias erste Gouverneurin: Die Demokratin Keisha Lance BottomsDie ersten Wahllokale an der Ostküste schlossen um Mitternacht MEZ, die letzten schließen erst am Mittwoch im nordwestlichen Bundesstaat Alaska zwischen 6.00 und 7.00 Uhr früh MEZ. Laut einer CNN-Umfrage glauben 61 Prozent der US-Bürger, Donald Trump würde als Präsident nur persönliche Ziele verfolgen. Lediglich 39 Prozent sind der Meinung, er handele im Interesse des Landes. Wie es aussieht, haben seine Bürger bei diesen Midterms mit ihren Stimmen auch darüber ihren Unmut zum Ausdruck gebracht.
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