Rechnungshof zerlegt Milliardenprojekt – Neue Kampfhubschrauber der Bundeswehr können nicht schießen
Der Bundesrechnungshof übt deutliche Kritik an der Beschaffung neuer Kampfhubschrauber für die Bundeswehr. Wegen Problemen bei der Planung und der Qualifikation der vorgesehenen Munition dürften die 2023 bestellten Leichten Kampfhubschrauber (LKH) mehrere Jahre später als ursprünglich vorgesehen voll einsatzbereit sein. Das gehe aus einem vertraulichen Bericht für den Bundestag hervor, der dem „Spiegel“ vorliegt.
Das Projekt befinde sich derzeit „auf einem kritischen Pfad“, zitierte das Magazin aus dem Bericht. Die Prüfer kommen demnach zu dem Ergebnis: „Die Bundeswehr hat den notwendigen Aufwand unterschätzt, ein marktverfügbares ziviles Basishubschraubermuster zu einem militärischen Kampfhubschrauber umzurüsten.“
Die Bundeswehr erhalte deshalb zunächst Hubschrauber in „vorläufiger Konfiguration“. Mit diesen könne sie „nicht kämpfen, sondern lediglich ausbilden“. Die Einsatzbereitschaft werde sich daher „gegenüber der ursprünglichen Planung erheblich verzögern“.
2023 hatte Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) grünes Licht für die Beschaffung erhalten. Für rund 2,5 Milliarden Euro soll Airbus laut Vertrag bis Ende 2028 Militärvarianten des H145M liefern. Das Modell basiert auf dem zivilen H145.
Probleme gibt es dem Bericht zufolge unter anderem bei der Munition für die Bordkanone. Die dafür vorgesehenen Geschosse seien bislang nicht von der Bundeswehr getestet worden. Die bisher verfügbare 20-Millimeter-Munition könne wegen „einer elektrostatischen Empfindlichkeit des Anzündhütchens“ nicht als sicher erklärt werden. Wann der Hersteller das Problem beheben könne, sei bislang unbekannt.
Blick ins Cockpit des H145MZeitplanung laut Verteidigungsministerium „sehr ambitioniert“
Auch bei den zur Panzerabwehr vorgesehenen Lenkflugkörpern sehen die Prüfer Risiken. Diese sollen ab Ende 2027 geliefert und anschließend von der Bundeswehr getestet werden. Das Verteidigungsministerium bezeichnet die Zeitplanung laut „Spiegel“ selbst als „sehr ambitioniert“ und mit Risiken behaftet.
Hinzu kommt: Das Ministerium will dem Bericht zufolge für 384 Millionen Euro eine Tranche der Lenkflugkörper beschaffen. Der Bundesrechnungshof kritisiert, dass der Vertrag geschlossen werden soll, bevor die Systeme getestet werden konnten. Erste Schussversuche im Mai 2025 seien wegen technischer Probleme bei der Steuerung abgebrochen worden.
Nach Einschätzung der Prüfer bestehe deshalb das Risiko, „dass der Lenkflugkörper die Einsatzprüfung nicht besteht“ und für die „Bundeswehr im Einsatz nicht nutzbar“ wäre.
Die Verzögerungen könnten sich auch auf deutsche Zusagen an die Nato auswirken. Deutschland will dem Bündnis bis 2029 zunächst zwölf und ab 2032 insgesamt 72 einsatzbereite Kampfhubschrauber zur Verfügung stellen. Das Verteidigungsministerium wies laut „Spiegel“ die Befürchtung zurück, Deutschland könne diese Zusagen nicht einhalten.
Der Bundesrechnungshof empfiehlt außerdem, die Bestellung weiterer 33 Airbus-Hubschrauber vorerst zurückzustellen. Das Verteidigungsministerium solle erst dann weitere Leichte Kampfhubschrauber beschaffen, „wenn sichergestellt ist, dass der Auftragnehmer die vertraglich geschuldete Leistung erbringt“. Derzeit sei „eine weitere Beschaffung weder angezeigt noch notwendig“.
Pistorius hatte das Projekt bei der Übergabe des ersten H145M dagegen als Beleg für eine schnellere Beschaffung gewertet. Er habe die „Drehzahl der Beschaffung deutlich erhöht“, sagte der SPD-Politiker. Das sei „gelebte Zeitenwende“.
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