Bei schweren Ausschreitungen bei Protesten gegen hohe Lebenshaltungskosten und mangelhafte öffentliche Dienste in Mailand hat die Polizei 271 Jugendliche und junge Erwachsene vorübergehend in Gewahrsam genommen. Dies teilte die Polizei am Montag mit.

Bei den Krawallen kam es am Sonntag den zweiten Tag infolge zu heftigen Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften. Mehrere Hundert teils vermummte Randalierer setzten Mülltonnen in Brand und plünderten Geschäfte ‌im Stadtzentrum. Die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein.

Die italienische Tageszeitung „La Repubblica“ titelte zu den Krawallen: „Zwölfjährige spielen Guerillakrieg in der Innenstadt.“ TikTok und Telegram spielten dem Bericht zufolge eine zentrale Rolle bei der Mobilisierung. Jugendliche hätten Aufnahmen der Ausschreitungen gesehen und seien daraufhin ins Zentrum gefahren, teilweise aus umliegenden Städten.

In Chats seien Treffpunkte samt Kartenausschnitten verbreitet worden. Die Zeitung schildert, wie ein noch nicht 14-jähriger Junge aus einem geplünderten Supermarkt in der Via Torino lief: In einer Hand hielt er einen gestohlenen Blumenstrauß und sein Handy, mit dem er die Verwüstungen live übertrug. „Das ist alles gratis, Bruder“, zitierte die Zeitung einen anderen Beteiligten der Plünderungen.

Ein von der Zeitung zitierter Ermittler sieht hinter den Krawallen keine politische Bewegung, sondern eine Mischung aus jungen Straftätern und Jugendlichen, die deren Verhalten nachahmten.

Wie die Behörden am Montag weiter mitteilten, wurden 32 Personen formell festgenommen, darunter 23 Minderjährige und 13 ausländische Staatsbürger. Gegen weitere 28 Personen wurde Anzeige erstattet.

Am Samstag war es in norditalienischen Städten wie ‌Mailand, Bologna, Brescia, Bergamo und Turin zu ähnlichen Gewalttätigkeiten gekommen. Die Unruhen in Italien weisen Parallelen zu den Krawallen im Nachbarland Frankreich auf, wo am Wochenende Hunderttausende Menschen gegen steigende Lebenshaltungskosten und den Niedergang der öffentlichen Versorgung demonstrierten. Dabei kam es zu schweren Ausschreitungen und Plünderungen.

Ministerpräsidentin ‌Giorgia Meloni, deren Regierung im kommenden ‌Jahr vor Wahlen steht, verurteilte die Gewalt und berief für Montag eine Regierungssitzung ‌ein, um über die Lage zu beraten.

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