Gewalt, Plünderungen, Straßenschlachten: Frankreich erlebt Krawalle ungeahnten Ausmaßes. Über eine halbe Million Menschen gingen am Samstag auf die Straße, Tausende wurden festgenommen.

„Wer noch von Schulprotesten spricht, hat keinen Bezug zur Realität, wenn es um Frankreich die letzten Tage geht“, sagt Extremismus-Experte Ahmad Mansour gegenüber „Bild“. „Die Schülerproteste wurden von linksradikalen und migrantischen Gruppierungen instrumentalisiert und übernommen“, erklärt er weiter. Er sieht eine Gefahr darin, dass die Gewaltexzesse auch nach Deutschland überschwappen könnten. „Vor allem, weil linksradikale Gruppen seit Tagen gezielt versuchen, genau das nach Deutschland zu bringen. Wir haben jetzt friedliche Auseinandersetzungen in Schulen in Deutschland. Aber das könnte sehr, sehr schnell umkippen“, so der Experte gegenüber der Zeitung.

Auch Islamexpertin Susanne Schröter sieht die Ursache in einer dysfunktionalen Migrationspolitik. „Bei uns wären solche Gewaltexzesse ebenfalls möglich, wenn sich an der Migrationspolitik nichts ändert“, sagt Schröter zu „Bild“. „Ganze Viertel größerer Städte stehen unter der Kontrolle von Salafisten, die von kommunistischen Bürgermeistern gefördert werden“, erklärt sie weiter.

Am Sonntag kam es erneut zu heftigen Protesten in der französischen Hauptstadt

„Wir empfinden Wut und Scham“, sagt Macron

In ganz Frankreich war es am Samstag zu massiver Gewalt gekommen. Geschäfte wurden geplündert, Gebäude und Fahrzeuge gingen in Flammen auf, Demonstranten lieferten sich erbitterte Straßenschlachten mit der Polizei, die unter anderem Tränengas einsetzte. Nach Angaben des Innenministeriums wurden 2397 Menschen festgenommen. Durch die Gewalt seien 997 Polizisten und andere Sicherheitskräfte verletzt worden, sieben von ihnen schwer.

In Paris eskalierten die Proteste

Auch am Sonntag kam es in mehreren Städten wieder zu Ausschreitungen, unter anderem in Paris und Lyon. In der Hauptstadt lieferten sich dabei mehrere hundert Demonstranten am zentralen Platz der Republik Straßenschlachten mit der Polizei. Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie in dem Stadtviertel erneut Geschäfte geplündert wurden. Die Polizei setzte Tränengas ein.

Das Rathaus in Limoges ging in Flammen auf

In Limoges versammelten sich am Sonntagabend rund 7000 Menschen, um zum historischen Rathaus der Stadt zu ziehen. Das Gebäude in der zentralfranzösischen Stadt war am Rande der Proteste am Samstag in Flammen aufgegangen. In Mulhouse gab die Staatsanwaltschaft am Sonntag bekannt, dass eine Jugendliche am Rande des Aktionstages verletzt worden war und ein Auge verlor.

Gebäude in Lyon wurden in Brand gesteckt

Die Gewalt hatte am Samstag am Rande eines Protesttages gegen hohe Lebenshaltungskosten und Missstände im Bildungssystem begonnen. An den Aktionen nahmen landesweit nach Regierungsangaben rund 550.000 Menschen teil, die Organisatoren sprachen von rund 800.000 Demonstranten.

„Wir alle empfinden heute Abend Wut und Scham“, sagte Präsident Emmanuel Macron am Sonntag in einer Fernsehansprache. Er verurteilte die „ungezügelte“ Gewalt. „Es ist unerträglich, die Straßen unserer Städte derart verwüstet zu sehen.“ Die Regierung werde „kompromisslos“ gegen „Agitatoren aus ultralinken Randgruppen“ vorgehen, „denen sich zahlreiche Straftäter angeschlossen haben“.

Demonstrant vor einem Feuer in Paris

Macron hat nach Angaben des Élysée-Palasts den Rücktritt von Innenminister Laurent Nuñez abgelehnt. Der Minister habe dem Präsidenten am Sonntag seinen Rücktritt angeboten, erklärte der Palast am Montag. Macron habe dies jedoch mit Verweis auf die „notwendige Kontinuität bei der Führung der Sicherheitskräfte“ zurückgewiesen.

Krawalle auch in Italien

Auch in Italien kam es am Sonntag zu schweren ⁠Ausschreitungen. In Mailand hätten Demonstranten Steine geworfen und Geschäfte geplündert, hieß es aus den Reihen der Behörden. Die Bereitschaftspolizei habe Tränengas und Wasserwerfer eingesetzt, nachdem Hunderte Vermummte Schaufenster eingeworfen und Mülltonnen angezündet ⁠hätten. ​Mehr als ‌60 Demonstranten seien zur Überprüfung auf Polizeiwachen gebracht worden.

Feuer vor dem Mailänder Dom

Ministerpräsidentin Giorgia Meloni verurteilte die Gewalt und kündigte für Montag eine Regierungssitzung an, um über die Lage zu beraten. In Italien stehen im kommenden Jahr Wahlen an.

Bereits am Samstag war ‌es in mehreren norditalienischen Städten zu ähnlichen ⁠Krawallen ​gekommen. Einem am Sonntag veröffentlichten Polizeibericht zufolge wurden bei Ausschreitungen in ⁠Mailand, Bologna, Brescia, Bergamo und Turin insgesamt 28 Menschen festgenommen.

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