„Bedrohung für Europas Handel“ – Jemens Außenministerin bittet um Hilfe im Kampf gegen Huthis
Die Außenministerin des Jemen appelliert an Deutsche und Europäer, ihr Land im Krieg gegen die vom Iran geförderten Huthi-Rebellen stärker zu unterstützen. „Erforderlich sind schärfere Sanktionen gegen Finanziers der Huthi, Waffenlieferanten und Schleusernetzwerke“, sagte Afrah Al-Zouba WELT AM SONNTAG.
Notwendig sei zudem konkrete Unterstützung für die jemenitischen Streitkräfte und die Küstenwache durch Ausbildung, Ausrüstung und den Austausch nachrichtendienstlicher Erkenntnisse. Die humanitäre Hilfe für vertriebene Familien und andere Personengruppen, die unter der Gewaltherrschaft der Huthi litten, müsse ausgeweitet werden.
Afrah al-Zouba im September beim Rat der Arabischen Liga in KairoAm Donnerstag meldeten Nachrichtenagenturen, die schiitischen Huthi-Rebellen hätten den Sitz der international anerkannten Regierung in der Hafenstadt Aden angegriffen. Geschosse seien in unmittelbarer Nähe des Gebäudekomplexes eingeschlagen. Zwei Menschen wurden getötet, Regierungsmitglieder waren nach offiziellen Angaben nicht betroffen. Tais, die drittgrößte Stadt des Jemen, ist von den Huthis umzingelt, die Einwohner sind praktisch von der Außenwelt abgeschnitten.
Der seit 2015 andauernde Krieg im Jemen war erneut eskaliert, als die Huthis im Sommer die Kontrolle über die Zufahrt zum Roten Meer erkämpften. Seit vergangener Woche versucht die Regierung gemeinsam mit verbündeten Milizen, das sogenannte Tor der Tränen oder Bab al-Mandab zurückzuerobern. Durch die Meerenge fließen etwa zwei Drittel des euroasiatischen Warenhandels und knapp 15 Prozent der Brennstoffe für die globale Energieversorgung.
Zouba machte gegenüber WELT AM SONNTAG deutlich, dass die Zurückdrängung der Rebellen in Europas Eigeninteresse liegt. „Mit unmittelbarer Unterstützung Irans sind die Huthi Teil eines weitreichenderen Netzwerks geworden, das die internationale Sicherheit bedroht“, sagt die Ministerin, die Anfang November Berlin besuchen will.
Die Miliz arbeite auch mit Terrorgruppen am Horn von Afrika zusammen und bedrohe so mit dem Bab al-Mandab und der Straße von Hormus zwei der wichtigsten Seehandelsrouten der Welt, so al-Zouba.
Vorwurf der systematischen sexuellen Gewalt
„Dies stellt eine unmittelbare Bedrohung für den europäischen Handel, die Energiesicherheit und die wirtschaftliche Stabilität dar“, sagte Zouba. Die Huthis belagerten Millionen Zivilisten in der Stadt Taiz, rekrutierten Kinder, behinderten humanitäre Hilfe und griffen zivile Infrastruktur an. Der Miliz wird von den Vereinten Nationen auch systematische sexuelle Gewalt vorgeworfen.
Zouba dankte Deutschland für die bisherige humanitäre Hilfe. „Deutschland nimmt im Herzen vieler Jemeniten einen besonderen Platz ein – aufgrund seiner prinzipienfesten Haltung, seiner langjährigen Freundschaft und seines verlässlichen Einsatzes für das jemenitische Volk“, sagte Zouba.
Berlin stellte im Jahr 2025 etwa 25 Millionen Euro für humanitäre Zwecke im Jemen bereit, die allerdings nicht an die Regierung, sondern an Hilfsorganisationen fließen. Eine Unterstützung der Sicherheitskräfte der Regierung blieb ebenfalls ausgeschlossen.
Die Jemeniten wollten nicht, dass andere ihre Kämpfe kämpften, sagte Zouba. „Wir bitten um Hilfe, um eine Zukunft zu sichern, in der die Menschen im Jemen in Frieden leben können – und in der unsere geliebte Heimat nicht länger dazu missbraucht werden kann, die Welt zu bedrohen.“
Daniel-Dylan Böhmer, Senior Editor im Ressort Außenpolitik, bereist die Länder des Nahen Ostens seit Jahrzehnten. Er befasst sich vor allem mit regionalen und globalen Sicherheitsthemen.
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