Nur wenige Tage, nachdem sie am Jahrestag des Hamas-Angriffs auf Israel in Berlin an antiisraelischen Demonstrationen teilnahm, unterstützt Greta Thunberg nun die Schülerproteste in Frankreich. Die schwedische Aktivistin hat sich im Pariser Vorort Saint-Denis unter die Demonstranten gemischt.

„Unsere Zukunft wird uns geraubt. Und wie wir hier gesehen haben, erhalten die Schulen nicht die Investitionen, die sie benötigen, was jungen Menschen einfach signalisiert, dass sie in unserer Gesellschaft keine Priorität haben“, sagte Thunberg vor Journalisten.

Die jungen Menschen aber würden nicht aufgeben und für ihre Zukunft kämpfen. „Deshalb bin ich unglaublich stolz auf die französischen Schüler.“ Der französischen Polizei warf Thunberg ein extrem gewalttätiges Auftreten gegenüber den jungen Demonstranten vor. „Eigentlich sollten sie junge Menschen schützen. Eigentlich sollten sie deren Menschenrechte schützen.“

An einem erneuten landesweiten Aktionstag blockierten junge Menschen in Frankreich mehr als 200 Gymnasien. Auch vor Universitäten gab es Demonstrationen. Nach Angaben eines Studentenverbands waren 90 Prozent der Universitäten blockiert oder geschlossen. Das Hochschulministerium meldete, dass der Betrieb an 35 Prozent der Hochschulen und Universitäten gestört sei.

In Onlinediensten kursierte ein Aufruf zu einer nichtgenehmigten Demonstration vor dem Amtssitz von Premierminister Sébastien Lecornu. Allerdings ging nach Angaben des Bildungsministeriums, das sich auf vorläufige Zahlen vom Mittag stützte, die Beteiligung an den Protesten weiter zurück.

In Paris und anderen Großstädten gab es Dienstagnachmittag Kundgebungen, denen sich auch die Bildungsgewerkschaften anschlossen. Junge Menschen gehen seit über zwei Wochen für eine bessere Ausstattung von Gymnasien, mehr Vertretungslehrer und bessere Lernbedingungen auf die Straße. Immer wieder kommt es dabei aber zu Gewalt und Vandalismus durch Jugendliche.

An der Demonstration in Paris nahm auch der linkspopulistische Präsidentschaftskandidat Jean-Luc Mélenchon teil. Die französische Regierung wirft seiner Partei vor, die Proteste zu instrumentalisieren.

Greta Thunberg posiert mit Palästina-Tuch für Selfies

An mehreren Orten kam es zu Spannungen mit Sicherheitskräften. Im Osten von Paris standen sich lange Reihen von teils maskierten jungen Menschen und mit Helmen und Schutzkleidung ausgestatteten Polizisten gegenüber – bis die Polizei sich schließlich zurückzog. In Lyon und Straßburg wurde die Polizei mit Gegenständen beworfen, die Tränengas wiederum einsetzte.

Der Kandidat der linken Partei La France insoumise (LFI) für die französische Präsidentschaftswahl 2027, Jean-Luc Mélenchon (M.), und der Abgeordnete der Partei La France insoumise–Nouveau Front populaire, Manuel Bompard (r.), nehmen an einer Demonstration in Paris teil

„Sie hören uns nicht zu, also holen wir sie ab“, kündigte eine Studentengewerkschaft im Onlinedienst X an. Schüler- und Studentenverbände fordern seit Tagen ein Treffen mit Lecornu. Sie verlangen unter anderem die Abschaffung des Verteilsystems für Studiengänge und Ausbildungen, das als komplex und intransparent gilt. Viele Schüler leiden unter dem Notendruck, der durch das System stark erhöht wird. Sie fordern außerdem zehn Milliarden Euro zur Renovierung und besseren Ausstattung der Oberschulen.

Darth Vader auf der Demo: Teilweise vermummen und verkleiden sich die Demonstranten

„Die jungen Menschen werden nicht an den Diskussionen beteiligt. Man stiehlt uns unsere Zukunft, die Schulen bekommen nicht die nötigen Investitionen“, sagte die 23 Jahre alte schwedische Umweltaktivistin Thunberg vor einer Oberschule im Pariser Vorort Saint-Denis. Die jungen Menschen in Frankreich machten deutlich, dass sie für ihre Zukunft kämpften, fügte sie hinzu. Thunberg will am Nachmittag auch an der Demonstration in Paris teilnehmen.

Die Regierung setzt darauf, dass die Bewegung durch die in den kommenden beiden Wochen anstehenden Herbstferien ausgebremst wird.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der sich bislang kaum öffentlich zu den teils gewaltsamen Protesten geäußert hatte, hatte am Montag an die Schüler appelliert, ihre Anliegen in Ruhe vorzutragen und dabei respektvoll zu sein. Ihre Forderungen seien Themen, „die Zeit und Beratungen erfordern“, sagte er.

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