Wadephul fordert nach tödlichem Pest-Fall absolute Transparenz
Nach dem Tod einer Mitarbeiterin eines Pest-Forschungsinstituts im sibirischen Irkutsk verlangt Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) von Russland Aufklärung. Er fordere „vollständige Transparenz darüber, woran in russischen Laboren geforscht wird“, sagte Wadephul der „Bild“. „Die Welt hat Fragen, darauf schuldet Russland Antworten“, führte der Minister aus. Auch Reisebeschränkungen schloss er demnach nicht aus.
„Wir können und werden kein Risiko eingehen“, sagte Wadephul. „Gegebenenfalls muss die EU konsequente Reisebeschränkungen zum Schutz unserer Bevölkerung ergreifen.“
Russischen Medien zufolge war in der vergangenen Woche eine 28 Jahre alte Laborbeschäftigte einer Forschungseinrichtung in Irkutsk an der Lungenpest gestorben. Sie soll sich durch ein zerbrochenes Reagenzglas infiziert haben. Der Nachrichtenwebsite „Menschen des Baikal“ zufolge wurden rund 200 Kontaktpersonen der Laborantin unter Quarantäne gestellt.
Die Vereinigten Staaten, die Europäische Union und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zeigten sich angesichts der Berichte besorgt. Sie forderten Russland zu Transparenz auf. Nach Berichten über einen möglichen zweiten Lungenpest-Fall in Russland hatte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus die Führung in Moskau am Mittwoch aufgefordert, „Licht in die Medienberichte“ zu bringen. Der Kreml kritisierte seinerseits „Falschinformationen“ der Medien.
Deutsche Experten sehen derzeit keine unmittelbare Gefahr für Deutschland. Roman Wölfel, Leiter des Instituts für Mikrobiologie der Bundeswehr in München, sagte der Zeitung: „Für Europa und Deutschland sehe ich derzeit keine unmittelbare Gefahr.“ Die Lungenpest verbreite sich nicht so leicht wie etwa das Coronavirus oder Masern, sondern vor allem bei engem Kontakt.
Die Pest ist eine durch Bakterien ausgelöste Infektionskrankheit, die in verschiedenen Formen auftritt. Am ansteckendsten ist die Lungenpest. Sie kann zu Lungenversagen und zum Tode führen, wenn sie nicht im Frühstadium bekämpft wird. Die EU, die Weltgesundheitsorganisation WHO und die USA haben Aufklärung über die Vorkommnisse verlangt.
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