„Putin, hören Sie diesen sinnlosen Krieg auf“, appelliert Merz, während Drohnen in Kiew einschlagen
In Kiew hat nach der Ankunft von Kanzler Friedrich Merz (CDU) ein russischer Angriff Drohnenalarm ausgelöst. Bürgermeister Vitali Klitschko informierte am Morgen bei Telegram über einen Einschlag auf der Fahrbahn der Nordbrücke der ukrainischen Hauptstadt. Er hatte bereits am frühen Morgen von einem Drohnenalarm berichtet. Trümmer eines abgeschossenen Flugobjekts seien auf das Dach eines Wohnhauses gefallen.
Auch andere Teile der Ukraine lösten Luftalarm wegen russischer Angriffe aus. In der Region Sumy im Nordosten der Ukraine meldeten die Behörden fünf Verletzte nach einer Attacke mit einer russischen Gleitbombe. Sie sei in ein Wohnhaus eingeschlagen.
Merz verurteilte die russischen Angriffe auf die Infrastruktur des Landes scharf und bezeichnete sie als tägliche Kriegsverbrechen. „Herr Putin, hören Sie diesen sinnlosen Krieg auf“, sagte Merz in der ukrainischen Hauptstadt vor Journalisten. „Wir sind bereit zu Gesprächen, wir sind bereit, miteinander zu sprechen über das Ende dieses Krieges. Aber diese barbarischen Angriffe auf die Zivilbevölkerung der Ukraine müssen aufhören“, betonte Merz.
Merz, der von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) begleitet wurde, hob später hervor: „Ich weiß nicht, ob die Drohung auf meinen Besuch bezogen war – und wenn sie es ist, dann lasse ich mich davon auch nicht beeindrucken.“ Es habe während seines Besuchs in Kiew dreimal Drohnenalarm gegeben. Er habe sich aber nicht in einen Bunker flüchten müssen. „Wir lassen uns auch nicht einschüchtern durch einen Drohnenangriff.“
Merz sicherte der Ukraine vielmehr „all unsere Unterstützung“ zu. „Wenn Russland nicht gestoppt wird, richtet sich seine Kriegsmaschinerie früher oder später gegen uns“, warnte er. Kurz vor dem fünften Kriegswinter bombardiere Russland Städte, Wohnhäuser und Heizkraftwerke – dies sei „Terror“.
Kanzler Merz war am Morgen mit dem Zug in Kiew eingetroffen. Zuvor hatte das russische Außenministerium Europäer vor Reisen und Aufenthalten in der Ukraine gewarnt. Der Bundeskanzler will bei dem Solidaritätsbesuch dem von Russland angegriffenen Land Deutschlands weitere Unterstützung zusichern – unter anderem mit Drohnen zur Abwehr der immer schnelleren russischen Flugobjekte.
Merz besuchte zusammen mit Selenskyj unter anderem die Akademie der Wissenschaften in Kiew, die am Montag von einer russischen Drohne getroffen worden war. Auch dort waren dann Sirenen zu hören und Explosionen in der Ferne.
Merz betonte: „Diese barbarischen Angriffe auf die Zivilbevölkerung müssen aufhören.“ Und er fügte hinzu: „Das sind tägliche Kriegsverbrechen, die hier verübt werden.“ Zugleich bot er Moskau erneut Gespräche an, „aber erst, wenn die Waffen schweigen“.
Deutschland ist größter Unterstützer der Ukraine in ihrem seit mehr als viereinhalb Jahren dauernden Abwehrkampf gegen den russischen Angriffskrieg. Merz hatte angekündigt, dass die Bundesregierung eine weitere Milliarde Euro an Militärhilfe und 350 Millionen Euro für das durch russische Angriffe beschädigte Energiesystem freigegeben hat.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU, r.) mit dem ukrainischen Staatschef Wolodymyr SelenskyjSicherheitsexperte Nico Lange wertete die zeitgleichen russischen Angriffe während des Kiew-Besuchs von Bundeskanzler Friedrich Merz als gezielte Machtdemonstration. „Die Russen versuchen, die Unterstützer der Ukraine einzuschüchtern“, sagte Lange im Gespräch mit WELT TV. Zugleich sende Merz mit seiner Reise das Signal: „Wir lassen uns nicht einschüchtern. Wir unterstützen die Ukraine weiter.“ Der Experte sprach von einem „wichtigen Besuch zu einem wichtigen Zeitpunkt“.
Zugleich erklärte er, Russland sei an der Front „nicht erfolgreich“ und habe sich deshalb „auf Terror verlegt, insbesondere gegen Kiew“. Als Beispiel nannte Lange den Angriff auf eine Brücke in der ukrainischen Hauptstadt während des Kanzler-Besuchs. Diese könne mit den eingesetzten Drohnen zwar nicht zerstört werden, Ziel sei aber, die Verbindung zwischen den beiden Ufern der Stadt zu stören. Russland wolle so „das Alltagsleben der Menschen unmöglich machen“ und die Bevölkerung terrorisieren.
Lange forderte die europäischen Staaten auf, ihre Unterstützung fortzusetzen: „Die Europäer müssen sich insgesamt die Frage stellen: Wie unterstützen sie nicht nur die Ukraine, sondern wie stoppen sie Putin?“
Zudem verwies Lange auf die Bedeutung der mitgereisten Wirtschaftsdelegation um Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche. Bei dem Besuch gehe es nicht nur um die Luftverteidigung, sondern auch um das Energiesystem und die Vorbereitung auf den Winter. Deshalb seien Vertreter aus dem Energie- und Rüstungssektor dabei. Lange bezeichnete die Unterstützung der ukrainischen Rüstungsindustrie und die Partnerschaften mit deutschen Unternehmen als „sehr wichtig“.
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