„Luftverkehr wäre in Schockzustand geraten – wie nach 9/11“, sagt Herzog über Flydubai-Vorfall
Israels Präsident Jitzchak Herzog geht davon aus, dass Israel nur knapp einem Terroranschlag entgangen ist, als ein aus dem Oman stammender Pilot eine Boeing 737 von FlyDubai zum Absturz bringen wollte. „Die Welt stand am Rande einer Katastrophe“, sagte Herzog im Interview mit Axel Springer Global Reporter Jan Philipp Burgard.
„Wenn, Gott bewahre, die Pläne dieses Terroristen aufgegangen wären, hätten wir eine Katastrophe erlebt. An Bord waren Menschen vieler verschiedener Nationalitäten, und natürlich wäre auch der internationale Luftverkehr in einen völligen Schockzustand geraten – ähnlich wie nach dem 11. September“, sagte Herzog. Nur dank des Mutes einiger israelischer Bürger sowie des Piloten aus Indien, die den Angreifer überwältigten, seien die Passagiere gerettet worden.
Die israelische Regierung geht inzwischen von einem islamistischen Anschlag aus. Offen ist, ob der Omani ein Einzeltäter ist oder im Auftrag einer Terrororganisation oder des Iran handelte. Herzog mahnte an, die internationalen Ermittlungen abzuwarten, sich aber klarzumachen, dass der Iran grundsätzlich eine Bedrohung für die Stabilität und Freiheit der Welt sei.
„Der Iran hat eine Ideologie. Sie wollen die Welt beherrschen. Sie haben eine dschihadistische Ideologie. Sie wollen uns alle von der Landkarte tilgen“, sagte Herzog. Dagegen müsse die internationale Gemeinschaft ankämpfen. „Die Welt muss ihren Kurs gegenüber dem Iran ändern.“
„Ich sage nicht, dass dieser Mann vollständig vom Iran motiviert war“, sagte Herzog weiter. „Aber ganz klar ist: Er war von dschihadistischer, extremistisch-islamistischer Rhetorik und Ideologie beeinflusst. Und das muss sehr genau verfolgt und analysiert werden.“ Er dankte zudem Saudi-Arabien, mit dem Israel keine diplomatischen Beziehungen unterhält, für den würdevollen Empfang der Passagiere des Flydubai-Fluges nach der Notlandung in Tabuk.
Einen Zusammenhang des Anschlagversuchs mit dem Jahrestag des 7. Oktober schloss Herzog nicht aus. „Der 7. Oktober hat uns etwas Neues gelehrt: Wir dürfen nichts mehr für selbstverständlich halten“, sagte Herzog. „Wir wissen nicht, wer auf der ganzen Welt, im Nahen Osten und in Israel, auf so abscheuliche und schreckliche Weise gegen unschuldige Menschen arbeitet. Deshalb müssen wir bei allem größtmögliche Vorsicht walten lassen.“
In dem Interview sprach Herzog auch über den Krieg gegen die Hamas infolge des Terrorangriffs vom 7. Oktober 2023. Kritik an der Art der Kriegsführung bis hin zu Anschuldigungen, sein Land begehe einen Völkermord, wies Herzog zurück. „Diese Vorwürfe sind empörend, unfair, voreingenommen und antisemitisch. Sie verkennen die Bedingungen, unter denen wir diesen Krieg führen“, sagte er. Israel habe den Krieg nicht begonnen und auch nicht entschieden, ihn in zivilen Gebieten in Gaza auszutragen. Dort hätten sich die Terroristen der Hamas versteckt.
Herzog besorgt über Antisemitismus in Berlin
In dem Gespräch äußerte sich Herzog auch zu den Wahlsiegen der Linkspartei in Berlin sowie der AfD in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Er wolle keine einzelne Partei herausgreifen, sagte Herzog, aber deutlich machen, dass ihn der grassierende Antisemitismus in Deutschland und die schwindende Sicherheit für Juden umtreibe.
„Wir sind der Nationalstaat des jüdischen Volkes, und die Wachsamkeit gegenüber Antisemitismus ist tief in unserer DNA verankert“, sagte Herzog. „Deshalb sind wir besorgt.“ Getrieben werde seine Sorge auch von einer internationalen Kampagne, befeuert vom Iran und der Hamas, die weltweit Ressentiments gegen Juden schürten.
Herzog bezeichnete es als „beunruhigend“ und „äußerst besorgniserregend“, dass die Erinnerung an den Holocaust zu verblassen beginnt. „Das Recht des jüdischen Volkes auf einen eigenen Nationalstaat und auf Selbstbestimmung steht außer Frage und kann von niemandem bestritten werden – von keiner politischen Kraft welcher Art auch immer. Eine solche Haltung ist verachtenswert, und wir weisen sie entschieden zurück“, sagte Herzog, ohne eine Partei beim Namen zu nennen.
Trotz der jüngsten Wahlergebnisse habe er Vertrauen in das politische System in Deutschland, sagte Herzog. Er betonte, dass Deutschland ein Freund Israels sei. „Wir haben viele Freunde auf der ganzen Welt. Ich bin sehr zufrieden mit der Zusammenarbeit mit der deutschen Regierung und der deutschen Führung“, sagte Herzog.
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