„Weckruf für Deutschland“ – Holocaust-Gedenkinitiative kritisiert Heidenauer Nein zu Stolpersteinen
Der Internationale Marsch der Lebenden hat die Entscheidung des Heidenauer Stadtrats, künftig keine neuen Stolpersteine mehr zu genehmigen, scharf kritisiert.
Vergangene Woche hatte eine Mehrheit aus CDU, AfD und dem Bündnis Heidenauer Bürger beschlossen, die Verlegung weiterer Stolpersteine in der sächsischen Stadt zu stoppen. Die Holocaust-Gedenkinitiative spricht von einem „Weckruf“ und warnt vor einer Verdrängung der Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus aus dem öffentlichen Raum.
„Stolpersteine konfrontieren die Menschen an den Orten, an denen die Verfolgung stattfand, mit der Geschichte der nationalsozialistischen Verfolgung“, heißt es in einer Stellungnahme der Organisation. Zu verhindern, dass weitere Stolpersteine verlegt werden, diene „politischen Interessen auf Kosten der historischen Wahrheit“.
Die Nationalsozialisten ermordeten Juden und versuchten zugleich, „ihre Namen, ihre Gemeinden und ihren Platz in der Geschichte auszulöschen“. Nun hätten gewählte Amtsträger in Deutschland dafür gestimmt, zu verhindern, dass weitere dieser Namen in den Straßen erscheinen, in denen die Opfer einst lebten.
In ihrer Stellungnahme heißt es weiter: „Die Morde lassen sich nicht ungeschehen machen. Den Opfern das Gedenken zu verweigern, fügt ein weiteres schweres Unrecht hinzu: Es setzt das Bestreben fort, sie aus der Geschichte auszulöschen.“ Deutschland trage eine besondere Verantwortung, sich mit den Verbrechen gegen Juden und gegen die Menschlichkeit auseinanderzusetzen. „Einundachtzig Jahre später verlangt diese Verantwortung verstärkte Gedenkbemühungen und einen entschlossenen Kampf sowohl gegen das Vergessen als auch gegen die bewusste Auslöschung der Erinnerung“, heißt es dort.
Der jährliche Marsch der Lebenden zwischen den ehemaligen deutschen NS-Konzentrations- und Vernichtungslagern Auschwitz und BirkenauDie Organisation fordert Heidenau auf, den Beschluss rückgängig zu machen. Zugleich appelliert sie an Politik und Gesellschaft in Deutschland, jedem Versuch entgegenzutreten, die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus aus dem öffentlichen Bewusstsein zu verdrängen.
Marsch der Lebenden ist eine internationale Holocaust-Gedenk- und Bildungsorganisation. Jährlich organisiert sie den weltweit größten Gedenkmarsch zwischen den ehemaligen deutschen NS-Konzentrations- und Vernichtungslagern Auschwitz und Birkenau. An der Veranstaltung nehmen jedes Jahr Holocaust-Überlebende, Staats- und Regierungschefs sowie Tausende junge Menschen aus aller Welt teil. Zudem veranstaltet die Organisation das ganze Jahr über Gedenkveranstaltungen in Europa zur Erinnerung an die Opfer des Holocaust.
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