Versteinerte Mienen, Getuschel im Saal, ein Boykott – Trump schockt die Welt mit seinen Drohungen
Vorsicht mit den Treppen“, rief jemand Donald Trump noch zu, bevor er am Dienstag die goldenen Rolltreppen im UN-Hauptquartier betrat. Vergangenes Jahr brachte ein technischer Defekt diese zum Stillstand, just als der US-Präsident mit seiner Ehefrau nach oben fahren wollte. Trump sprach im Nachhinein von „Sabotage“, denn auch der Teleprompter funktionierte nicht, und Melania Trump beschwerte sich über die Akustik im Saal.
An diesem Dienstag war das alles anders. Die Rolltreppe brachte Trump ohne Zwischenfall nach oben, der Teleprompter funktionierte und der Präsident war im Saal gut zu verstehen. Trump war den Vereinten Nationen somit in diesem Jahr deutlich wohlgesonnener – gleich zweimal dankte er sogar explizit dem Sicherheitsrat, zum einen für die Verabschiedung der Resolution gegen den Iran und zum anderen für die Zustimmung zum Gaza-Friedensplan.
„Soll ich sie ohne Überlebenschancen zur Hölle schicken?“
Trump nutzte seine zweite Ansprache vor der Generalversammlung, um eine ganze Reihe Drohungen und Vorwürfe loszuwerden. Besonders hart traf es den Iran: „Ich habe eine große Entscheidung zu fällen“, sagte der US-Präsident. „Wird es einen Deal geben, oder soll ich die Islamische Republik auslöschen? Soll ich sie ohne Überlebenschancen zur Hölle schicken?“, fragte Trump.
Es waren markige Worte, die von den im Saal sitzenden Diplomaten und Würdenträgern noch regungslos hingenommen wurden. Trump hat bereits bei seiner ersten Ansprache bei den Vereinten Nationen mit scharfen Drohungen gegen ein Land Aufsehen erregt. 2017 drohte er, Nordkorea „komplett zu zerstören“, und bezeichnete Kim Jong-un als „Rocket Man“. Damals reagierte die versammelte Weltgemeinschaft noch konsterniert – schließlich sollen die Vereinten Nationen doch als ein Forum für friedliche Konfliktbeilegung dienen, nicht als eines für Drohungen.
Trump rechtfertigte seinen Krieg gegen Teheran mit der nuklearen Bedrohung, die von dem islamistischen Regime ausgehe. So habe der Oberste geistliche Führer den Terroranschlag des 7. Oktober gefeiert, was nur noch schlimmer werden könne, wenn der Iran „solche Angriffe unter dem Schutz eines nuklearen Schilds“ ausführen könne. Gleich zweimal rief Trump in den Saal: „Der Iran darf keine Atomwaffe haben.“ Bei den Anwesenden sorgte das für vereinzelten Applaus – Außenminister Johann Wadephul ließ seine Hände gefaltet auf dem Tisch ruhen.
Trump prognostiziert das Kriegsende
Der Krieg werde nach den Kongresswahlen im November enden, sagte Trump. Das ist eine Vorhersage, die er in der Vergangenheit bereits getätigt hatte. Danach werde es einen Deal geben. „Sie wollen schauen, wie ich abschneide, aber ich lasse mich davon nicht beeinflussen“, sagte Trump.
Irans Vertreter hörte sich Trumps Attacken mit versteinerter Miene an. Weniger gelassen reagierte die kubanische Delegation. Nach dem Iran knöpfte sich Trump das Land vor und bezeichnete es als „gescheiterten Staat“ und schob hinterher: „Kuba wird bald fallen.“ Dass dies als Drohung zu verstehen war, verdeutlichte der Kontext. Kurz zuvor kam Trump auf die Militäroperation zur Verhaftung Venezuelas zu sprechen. Dies sei „kein Krieg, sondern ein Deal“ gewesen, so der Präsident. Schließlich hätten sich die USA nun die Ölreserven des Landes gesichert. Die kubanische Delegation verließ daraufhin geschlossen den Saal.
Deutlich verhaltener, aber in der Sache bestimmt, war Trumps Drohung gegen Russland. Bei seiner Ankunft im UN-Gebäude beantwortete der US-Präsident die Frage nach seiner Botschaft an Wladimir Putin mit den Worten: „Beende den Krieg.“ Während seiner Rede drohte Trump dann, Zölle gegen Länder zu verhängen, die Russlands Energie kaufen. „Ich könnte sie nutzen“, sagte Trump mit Blick auf die Befugnisse, die ihm der Kongress erst kürzlich mit der Verabschiedung des zu Ehren des verstorbenen Senators Lindsey Graham Sanktionspakets übertragen hat. Es erlaubt dem Präsidenten, die fünf größten Abnehmer russischen Öls und Gases mit sekundären Zöllen zu sanktionieren. „Wir werden diese Sache regeln. Das wird passieren – ich glaube, schneller, als die Menschen denken“, sagte Trump.
UNESCO werde von „Globalisten“ beherrscht, sagt Trump
Zwar kamen die UN dieses Mal ohne größere Schelte davon, die Unterorganisation UNESCO beschuldigte Trump jedoch, „Massenmigration zu fördern“ und von „Globalisten“ beherrscht zu sein. Auch den Internationalen Strafgerichtshof verunglimpfte der Präsident als „schurkenhaft“. Er forderte die anwesenden Staaten auf, aus der Institution auszutreten.
Einmal gelang es Trump, eine hörbare Reaktion im Auditorium hervorzurufen. Der Präsident sprach sich gegen eine Regulierung künstlicher Intelligenz aus. „Dieselben Leute, die wegen der Erderwärmung unseren Tod vorhersagten, sagen nun, dass künstliche Intelligenz eine Gefahr ist“, so Trump. Er wiederholte einen Vorschlag, den er vor wenigen Tagen schon auf Truth Social kundtat: „Wir nennen künstliche Intelligenz nun ‚Super Intelligenz‘“, sagte Trump. Das Akronym dafür laute „SI“. „Willkommen in der Welt der ‚Super Intelligenz’“, sagte Trump, was für lautes Murmeln und Getuschel im Saal sorgte.
Der kalifornische Gouverneur kommentierte Trumps Rede nach einem Treffen mit Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) in New York mit den Worten: „Da verschlägt es einem die Sprache.“ Für die Midterms machte er eine selbstbewusste Vorhersage. „Er wird ordentlich einen auf die Mütze bekommen. Donald Trumps Präsidentschaft, wie wir sie kennen, wird im November enden“, sagte er vor deutschen Journalisten.
Newsom gehört zu den Favoriten im Kandidatenfeld prominenter Demokraten für eine Präsidentschaftskandidatur. Er rangiert mit 16 Prozent hinter Kamala Harris, die das Feld mit 27 Prozent anführt. Der Gouverneur hatte jedoch angekündigt, nur in einer parteiinternen Vorwahl antreten zu wollen, wenn Harris es nicht nochmal versuchen würde.
Gregor Schwung berichtet für WELT seit Juli 2026 als US-Korrespondent aus Washington, D.C. Zuvor war er außenpolitischer Korrespondent in Berlin.
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