„Angela Merkel war die wahre Extremistin unserer Zeit“, schreibt ein „Times“-Autor
Ein Kommentator der britischen Tageszeitung „The Times“ hat ein vernichtendes Urteil über die 16 Jahre lange Kanzlerschaft von Angela Merkel (CDU) gefällt. Nicht Europas rechtspopulistische Parteien, sondern die frühere deutsche Bundeskanzlerin sei die eigentliche Vertreterin des politischen Extremismus in Europa, heißt es in dem Artikel. Historiker und Politiker würden nach Ansicht des Kommentators die negativen Folgen ihrer Entscheidungen bis heute unterschätzen. Der Artikel kursiert aktuell auch bei X und wird von in- und ausländischen Usern teils kontrovers diskutiert.
Der Text unter der Überschrift „Angela Merkel war die wahre Extremistin unserer Zeit“ erschien am Samstag. Autor ist Matthew Syed, ein ehemaliger Sportler, der mittlerweile für die BBC und auch die „Times“ als Kommentator arbeitet, aber auch Autor eigener Bücher („Rebel Ideas“) ist.
Anlass für seine Abrechnung sind Äußerungen des neuen deutschen Fußballtrainers Jürgen Klopp, der in der vergangenen Woche bei der Vorstellung seines Kaders auch politisch wurde. Syed zitierte die Worte Klopps, „man müsse den deutschen Nationalstolz den „falschen Leuten“ entreißen. Diese Aussage habe ihn, so Sayed, doch sehr verwundert. Klopp sei gewiss ein „kluger Mann“, gehe aber am Kern des Problems vorbei. Seine Kritik: „Offen gesagt: Wenn Klopp Extremismus verstehen will, sollte er nicht auf diese Parteien (gemeint ist die AfD, Anm. d. Red.) blicken, sondern vielmehr auf jene Persönlichkeit, die ihnen vorausging und deren Amtszeit vor fast genau fünf Jahren unter allgemeinem Beifall endete: Angela Merkel.“
„Sie wusste, dass dies das deutsche Volk mit ruinösen finanziellen Kosten belasten würde“
In seiner Argumentation greift der Autor dann Merkels Flüchtlingspolitik seit dem Jahr 2015 mit bemerkenswerter Schärfe an. Die damalige deutsche Bundeskanzlerin habe die Aufnahme von Hunderttausenden Asylsuchenden ermöglicht, obwohl ihr die finanziellen, gesellschaftlichen und politischen Folgen bewusst gewesen seien.
Wörtlich heißt es in dem Kommentar des britischen Journalisten: „Es ging nicht nur darum, dass sie 2015 die Tür für fast eine Million ungeprüfter, überwiegend männlicher Asylbewerber öffnete, sondern dass sie dies in dem vollen Bewusstsein der Konsequenzen tat. Wir wissen das, weil sie bereits zum Zeitpunkt ihrer (damals weithin gefeierten) „Wir schaffen das“-Rede auf viele dieser Folgen hinwies. Sie wusste, dass dies das deutsche Volk mit ruinösen finanziellen Kosten belasten würde, handelte aber dennoch und stellte die Zurschaustellung ihrer eigenen moralischen Haltung über die Interessen ihrer Wähler.“
Auch habe Merkel – so mutmaßt Syed – gewusst, dass durch den großen Zustrom an Menschen (zwischen 2015 und 2021 verzeichnete Deutschland laut Bamf rund 1,92 Millionen Asylerstanträge) enormer Druck auf die einheimische Bevölkerung entstehen würde. Merkel habe hohe finanzielle Belastungen für ihr Land, zusätzlichen Druck auf Schulen und den Wohnungsmarkt sowie Spannungen innerhalb Europas offenbar bewusst in Kauf genommen, argumentiert er weiter. Zudem behauptet er, Merkels Politik habe zu einem Anstieg bestimmter Kriminalitätsformen beigetragen. Konkret nennt er Vergewaltigungen und sexuelle Übergriffe, auch die Ereignisse der Silvesternacht 2025 in Köln werden erwähnt.
Kritik auch an Merkels Außen- und Sicherheitspolitik
Weiter kritisiert er, rechte Parteien würden zunehmend mit Begriffen wie „rechtsextrem“, „radikal“ oder „hart rechts“ etikettiert, obwohl aus seiner Sicht die eigentlichen Extreme bei etablierten Politikern lägen, die weiterhin auf offene Grenzen setzten. So heißt es in dem Meinungsbeitrag der „Times“: „Wenn Extremismus bedeutet, unverhältnismäßig zu Kontext, Geschichte oder Zustimmung zu handeln, dann war Merkels Amtszeit der Höhepunkt des europäischen Extremismus der Nachkriegszeit.“
Der Aufstieg der AfD und anderer rechter Parteien sei nach seiner Lesart also nicht deren Ursache, sondern vielmehr die Folge einer Generation „hyperliberaler“ Politiker, deren bekannteste Vertreterin Angela Merkel gewesen sei. (Ebenfalls im Text erwähnt werden Politiker wie David Cameron, Boris Johnson, Justin Trudeau, François Hollande, Emmanuel Macron und Ursula von der Leyen, d. Red.)
Auch Merkels Außen- und Sicherheitspolitik greift der Autor an. So wirft er ihr vor, trotz der russischen Annexion der Krim an Nord Stream 2 festgehalten zu haben, die Beziehungen zu China ausgebaut und die Nato-Verpflichtung von zwei Prozent Verteidigungsausgaben dauerhaft verfehlt zu haben.
Matthew Syed schließt seine Abrechnung mit einem vernichtenden Schlussurteil: Angela Merkel sei, Zitat, „womöglich die schlechteste moderne westliche Regierungschefin“ jemals gewesen. Die CDU-Politikerin habe Maßnahmen befürwortet, „von denen sie wusste, dass sie den Menschen am unteren Ende der sozialen Skala schaden würden“.
Dann schlägt der „Times“-Kolumnist noch einmal einen Bogen zum Beginn seines Textes: „(...) jedoch (natürlich) nicht jenen wie (Jürgen) Klopp, die in abgeschirmten Wohnanlagen leben und deren engster Kontakt zu Migranten aus millionenschweren Fußballern besteht“. Sein Fazit: „Der Aufstieg dieser ‚neuen’ rechten Parteien wurde durch den Extremismus ihrer Vorgänger befeuert – einer Generation hyperliberaler Führungskräfte, die vergessen hatten, wofür sie standen und wem sie dienen sollten.“
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