„Der lügt den Leuten hier ins Gesicht“ – Luisa Neubauer liefert sich Wortgefechte mit AfD-Politikern
Am Ende zeigte sich Luisa Neubauer sichtlich ernüchtert. „Es war genuin interessant und genuin deprimierend“, sagte die Klimaaktivistin in einem Video des linken Streamers Marcant, der in seinen Videos regelmäßig AfD-Veranstaltungen besucht. Im Rahmen seiner „Ost-Tour“ besuchten die beiden am vergangenen Sonntag eine Wahlkampfveranstaltung der AfD in Bützow in Mecklenburg-Vorpommern. Neubauer versuchte dabei, mit AfD-Politikern und -anhängern zum Thema Energiepolitik zu sprechen. Das Video erschien am Dienstag auf YouTube.
Darin kommentierte Neubauer unter anderem eine Rede des AfD-Spitzenkandidaten Leif-Erik Holm. Bei seinem Auftritt warnte dieser vor Plänen für insgesamt 5000 „Windmühlen“ in Mecklenburg-Vorpommern. „Dann wird’s keinen Horizont mehr geben irgendwo hier im Land“, behauptete er. Windenergie sei zudem „Zappelstrom“ und „zu teuer“. Neubauer bemerkte dazu: „Der lügt den Leuten hier ins Gesicht.“ Und kommentierte: „Die Energiewende ist das Beste, was Deutschlands Energiepolitik seit Langem passieren konnte.“
Ein Branchenverband hatte 2024 geschätzt, bis 2032 könnten 5000 Windräder gebaut werden. Konkrete Pläne gibt es dafür nicht. Stand 2025 gibt es 1853 Windräder in Mecklenburg-Vorpommern, weitere 1274 waren laut einem NDR-Bericht beantragt.
Neubauer versuchte außerdem, mit dem AfD-Direktkandidaten Thomas de Jesus Fernandes ins Gespräch zu kommen. Dieser verwies auch bei konkreten Fragen meist nur auf das Parteiprogramm. Zur Energiepolitik sagte er: „Sie wissen’s doch, sie sind doch quasi Expertin.“ Deshalb wundere ihn Neubauers Position zu erneuerbaren Energien: „Weil sie genau wissen, dass es nicht funktioniert.“
Als Neubauer eine Frage zum Klimawandel zu stellen versuchte, wurde sie von einer Teilnehmerin der Veranstaltung abgedrängt. Ein anderer Teilnehmer, den sie kurz darauf ansprechen wollte, verspottete sie daraufhin: „Du hast so eine Schnauze“, sagte er mit ausgebreiteten Armen, „und bist so klein.“ Das sei „süß – wenn du bloß nicht so dumm wärst.“
Der YouTuber bekannt unter dem Künstlernamen „Marcant“ (l.) und Luisa Neubauer stehen bei einer AfD-Wahlkampfveranstaltung in Mecklenburg-VorpommernOffenbar mit Blick auf diese und ähnliche Begegnungen sagte Neubauer am Ende des Videos: „Ich hab noch nie mit meiner Kommentarspalte gesprochen.“ Die „AfD-Beleidigungsfraktion, die hier so hin und her gepöbelt hat, die mir so Sachen nachgerufen hat, die ist ja hier“. Gleichzeitig habe sie keine einzige Person getroffen, „die eine grobe Akzeptanz hat von wissenschaftlicher Evidenz.“
Ein weiteres Gespräch mit einem AfD-Politiker wurde offenbar nicht in das veröffentlichte Video aufgenommen. Der AfD-nahe und rechte Streamer Aktivist Mann, der ebenfalls vor Ort war, teilte einen entsprechenden Clip auf seinen Kanälen. Darin diskutiert Neubauer mit dem sächsischen AfD-Politiker Mike Moncsek. Der Streamer veröffentlichte das Video unter dem Titel „Grüne Luisa Neubauer verliert heftig!“
In dem aufgezeichneten Wortgefecht fallen sich Moncsek und Neubauer wiederholt ins Wort, es ist eine chaotische Diskussion.
Inhaltlich kritisierte AfD-Mann Moncsek die Energiepolitik der vergangenen Jahre: „Bringen Sie mir irgendjemanden, der hier eine günstigere Stromrechnung hatte, wie sie davor war.“ Statt auf erneuerbare Energien zu setzen, sprach er sich für eine Rückkehr zur Atomkraft und für Öl- und Gaslieferungen aus Russland aus. „Selbstverständlich“ wolle er mit Putin Geschäfte machen. „Ich will das Erdöl haben.“
Der Ausbau erneuerbarer Energien dürfe außerdem nicht gegen den Willen der Bevölkerung erfolgen. „Wenn wir es nicht wollen, dann müssen Sie es doch auch akzeptieren.“ Das sei bei ihm im Dorf die Meinung der Mehrheit der Bevölkerung.
Neubauer entgegnete darauf, die Preise für erneuerbare Energien seien „exponentiell gesunken“ und dass sie eine Chance darstellen, „wegzukommen von Kohle und Gas“.
Außerdem hob Neubauer hervor, dass auch die alte Energiepolitik nicht ohne Veränderungen der Landschaft stattfand: „Wir haben hier 50, 60, 70 Jahre lang ganze Dörfer abgebaggert für die Kohle, jetzt wird kein Dorf mehr abgebaggert.“ Atomkraft lehnte sie mit dem Verweis auf die hohen Kosten und die jüngsten Abschaltungen in Frankreich infolge niedriger Wasserstände ab. Während der zahlreichen Hitzewellen im Sommer waren in Frankreich Atomkraftwerke mangels Kühlwassers abgeschaltet worden. Mit den Worten „Ich glaube, Sie machen sich Sorgen, aber zu wenig Gedanken“ beendete Neubauer das Gespräch.
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