Bei der Parlamentswahl in Schweden hat die von den Sozialdemokraten angeführte Opposition nach Auszählung aller Stimmen eine knappe Mehrheit geholt. Laut dem vorläufigen Wahlergebnis kommen die vier Parteien, die die Sozialdemokratin Magdalena Andersson als Ministerpräsidentin unterstützen, gemeinsam auf 176 von 349 Sitzen. Dazu zählt neben Sozialdemokraten, Linken und Grünen auch die liberale Zentrumspartei. Das konservative Lager aus der bisherigen Drei-Parteien-Regierung und den rechtsnationalen Schwedendemokraten (SD), die die Regierung aktuell stützen, unterlag mit 173 Mandaten. Das endgültige Wahlergebnis soll erst am Wochenende feststehen.

Nach der Parlamentswahl am Sonntag war das Rennen zwischen den beiden politischen Lagern zunächst so eng, dass sich keine Seite zum Sieger erklären konnte. Erst am Donnerstag waren die letzten Briefwahlstimmen ausgezählt. Die Wahlbeteiligung lag nach der vorläufigen Zählung bei 84,8 Prozent (2022: 84,2 Prozent).

Die Sozialdemokraten blieben mit 28 Prozent der Stimmen stärkste Kraft im Reichstag, mussten aber einen Rückgang verschmerzen (2022: 30,3 Prozent) – genau wie die Schwedendemokraten (17,5 Prozent; 2022: 20,5 Prozent), die erstmals bei einer Parlamentswahl Verluste hinnehmen mussten. Die drei Regierungsparteien – aus Moderater Sammlungspartei, Christdemokraten und Liberalen – gewannen alle leicht an Stimmen hinzu, kamen aber auch wegen des schlechteren Abschneidens der Schwedendemokraten trotzdem nicht auf eine Mehrheit.

Wer nun mit wem eine Regierung bilden kann, ist weiterhin unklar. Denn dafür sind auf beiden Seiten Kompromisse nötig. Die Zentrumspartei hatte vorab erklärt, nicht mit den Linken regieren zu wollen. Die Linken hatten wiederum bei einem Sieg des sozialdemokratisch angeführten Lagers Anspruch auf Ministerposten erhoben. Möglich ist aber die Zusammenarbeit mit einer oder mehreren Parteien außerhalb einer Koalition. Minderheitsregierungen sind in Schweden üblich. Zum Ministerpräsidenten oder zur Ministerpräsidentin kann gewählt werden, wer keine absolute Mehrheit im Parlament gegen sich hat.

Der konservative Ministerpräsident Ulf Kristersson veröffentlichte am Donnerstag auf der Nachrichtenplattform X sein Rücktrittsgesuch an den Parlamentspräsidenten. Das Wahlergebnis mache die Bildung einer neuen Regierung kompliziert, „da die unterschiedlichen Aussagen der Parteien vor dem Wahltag jegliche denkbare Regierungsbildung und Koalition behindern könnten“, hieß es in dem Brief. Nun sei „konstruktive Offenheit der Parteien“ nötig, schrieb Kristersson weiter. „Es müssen Gespräche mit allen Parteien geführt werden, um Lösungen zu finden und die Voraussetzungen für eine stabile und handlungsfähige Regierung zu schaffen.“ Der Parlamentspräsident werde nun die nächsten Schritte zur Bildung einer neuen Regierung einleiten. „Damit diese Arbeit sofort beginnen kann, beantrage ich hiermit meine Entlassung als Ministerpräsident.“

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